"Hangout" in den "Facebook Spaces": Ist das überhaupt noch "was mit Medien"?

"Hangout" in den "Facebook Spaces". Foto: Facebook

In dieser Woche hatte Facebook zu seiner jährlichen Entwicklerkonferenz "F8" geladen, dieses Mal nach San José und damit ans südliche Ende der San Francisco Bay und des Silicon Valley. Und im Gegensatz zum Vorjahr war das Thema "Netz-TV", also bewegte Bilder, Videos, Filme oder Serien per Internet schon wieder irgendwie "durch". Facebook ist vorn, Facebook marschiert weiter und nach den bewegten Bildern kommt dann logischerweise "Augmented Reality". Jedenfalls dann, wenn die "Reality" nicht schon "virtual" ist.

Auch das wohl zu erwartende Thema des nächsten Jahres, Gedanken lesen, spielte schon eine Rolle. Vielleicht liegt dort ja auch die Silicon Valley-typische Lösung des Problems mit den "Fake News". Oder sonstigen "unangemessenen Inhalten". "Wir haben da noch viel Arbeit vor uns", so Mark Zuckerberg in seiner Eröffnungskeynote. Aus Cleveland war kürzlich ein weiteres Live-Video auf die Plattform gekommen, dass einen Mord zeigte.

Facebook zählt bei uns als "Social Media-Plattform", da steckt "Media" drin, also Medien und "Medien" werden reguliert und dürfen so etwas nicht. So sehen es jedenfalls Politiker und deutsche Politiker, also Politiker aus dem Mutterland der Regeln und Regulierer sowieso. Deshalb gibt es, wenn es nach unseren Politikern geht, bald das "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" (NetzDG), welches Facebook und anderen im Netz mit gewaltigen Geldstrafen droht, sollten von irgend jemandem beanstandete Beiträge nicht sofort von der Plattform entfernt werden.

Das ist so (setzen sie hier ein zu beanstandendes Wort ihrer Wahl ein), dass wirklich nur deutsche Politiker auf eine derartige Idee kommen können. Ich würde mal die Prognose wagen: Der nächste Mord wird nicht gleich "beanstandet" werden. Jedenfalls nicht schnell genug und schon gar nicht in Deutschland. Denn Hobby- und Möchtegern-Zensoren sind intellektuell sehr simpel gestrickt und gucken genau da mit offenem Mund zu. Und staatliche Aufpasser fallen Freitags nach eins, an Brückentagen, im Sommer, von November bis Februar wegen Weihnachten und in den sechs Wochen Jahresurlaub aus.

Statt dessen wird Facebook mit jeder Menge Anliegen überflutet werden, weil irgendeinem ein Beitrag von irgendeinem nicht gefällt. Nachprüfen kann das alles dann sowieso keiner mehr und zumindest der deutschsprachige Teil der Plattform wird wohl deutlich leerer werden. Aber wir alle können dann endlich etwas "gegen Netzwerke durchsetzen". Blöde Nachbarn? Intrigante Kollegen? Bescheuerter Bürgermeister? Sucht sie bei Facebook, dann melden, melden, melden, bis sie weg sind. Könnte ein schönes neues Party-Spiel werden.

Aber egal. Deutschland ist zutiefst verunsichert, denn erstmals werden anderswo die Schlüsseltechnologien der Zukunft erfunden. Es ist in etwa so, als käme der elektrische Strom neu auf die Welt und wir beanstanden Glühbirnen, weil sie Licht spenden, aber keinen Kerzendocht haben. "Medien"-Regulierung, "Social Media"- ist Facebook überhaupt ein "Medium"? Oder ist es doch eher so etwas wie eine neue Schlüsseltechnologie und wir versuchen nur krampfhaft, die schöne vergangene Welt der "Journalisten", "Chefredakteure" und "ladungsfähigen" und damit regulierbaren Anschriften - also den Kerzendocht - irgendwie wenigstens weiter zu simulieren?

Man muss sich nur einmal eine Weile mit der Facebook- "Live-Map" beschäftigen und ein wenig darüber nachdenken, um die Sinnlosigkeit des Ganzen zu erfassen. Okay, Facebook ist auch nur eine Firma. Aber wenn sie morgen weg ist, dann sind die Mikroprozessoren, die bewegte Bilder unserer Realität in Echtzeit in Daten verwandeln und auch die Glasfaserkabel des Internet, die immer mehr Daten immer schneller übertragen, nach wie vor da. Andere werden dann eben die Bilder und Meinungen zu den Leuten bringen. Nur wahrscheinlich noch schneller, noch unmittelbarer und noch unregulierter.

Und es geht ja nicht nur darum. Nur ein Beispiel: Jeden Tag fallen in der deutschen Wirtschaft Reisekosten in Millionen- wenn nicht gar Milliardenhöhe am. Hunderttausende teure Mitarbeiter reisen zu Besprechungen, Kundenterminen und Meetings aller Art quer durchs Land. Wie viel davon wäre durch Tools wie "Augmented Reality" und "Facebook Spaces" schlicht ersetzbar? Sogar effektiver, schneller?

Wie gesagt, das ist nur ein Beispiel von vielen. "Das Netz" dringt wie die unsichtbaren Wurzeln eines Pilzes in alle Bereiche der Wirtschaft vor. Und wer es dabei behindert, wird bald nichts mehr ernten.

Okay, wir können uns weiter darüber aufregen, dass da nirgends ein Kerzendocht ist. Oder auch Facebook nach der "Rundfunklizenz" fragen. Oder endlich damit beginnen, das Land mit dem Internet zu elektrifizieren.

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