Das Analysten-Osterei: Apple soll jetzt Disney kaufen

"Star Wars Celebration" in Orlando. Screenshot: YouTube / StarWars

Was macht man zu Ostern im Mutterland des "Netz-TV", den USA? In die Wüste fahren, zum "Coachella"-Festival. Auf die Abonnenten-Zahlen von Netflix warten. In Orlando mit dem Disney-Konzern die "Star Wars Celebration" zum 40-jährigen Jubiläum der Jedi-Saga feiern. Oder mal wieder ein schönes Apple-Gerücht diskutieren.

Mal sehen, ob ich das noch zusammenbekomme: Zuerst sollte Apple Time Warner kaufen. Dann sollte Apple Netflix übernehmen. Anschließend wurde der Netflix-Kauf von Disney erwartet. Und jetzt soll wiederum Apple den ganzen Disney-Konzern schlucken. Analysten von RBC Capital Markets hätten festgestellt, dass dies eine gute Idee sei.

Inhalte stünden jetzt im Fokus der Apple-Strategie, die Größe eines Übernahmezieles spiele dabei keine Rolle und Disney sei der Weg, um sich von der Hardware zu diversifizieren ohne die starke Apple-Marke zu schwächen, so die Experten.

Woher kommen ständig solche Gerüchte? Nun ja, früher hieß so etwas Milchmädchenrechnung, heute gern auch "Analyse" oder "Studie". Die Analysten müssen die Börse in Bewegung halten, der An- und Verkauf von Aktien muss Begründungen finden und so ein Deal wäre natürlich für alle Beteiligten der Finanzindustrie ein Fest.

Die Milchmädchenrechnung geht so: Apple hat Geld. Viel Geld. Und Apple hat ein Problem: Die Wachstumsaussichten der bunten i-Welt scheinen zunehmend endlich. Ja, es wird bald ein Iphone 8 geben. Wahre Wunderdinge werden erwartet. Selbst wenn die Wunder eintreten- letztendlich bleibt auch das neue Smartphone mit dem Apfel nur ein Smartphone. Im harten Wettbewerb mit den preiswerteren Androiden scheint das Ertragspotential begrenzt. Sogar dann, wenn das neue Iphone ein Laser-Schwert für Jedis ausfahren kann.

Denn das Geschäft der Zukunft wird das Geschäft mit den Inhalten und den Plattformen für ihren Vertrieb sein. Und ausgerechnet Apple hatte dies einst auch zuerst erkannt. Mit dem Iphone kamen die iTunes auf diese Welt. Doch Apple wollte immer nur mit den Inhalten anderer handeln und nicht selbst produzieren. So gingen die Jahre ins Land und Apple verdiente mit iTunes viel Geld. Und verpasste dabei den Anschluss- denn es wird immer sichtbarer, dass Konkurrenten mit eigener Inhalte-Produktion wie zum Beispiel Amazon in Zukunft das Rennen um die Kunden gewinnen werden. Und die Inhalte der Zukunft werden vorrangig Serien, Filme und vor allem die aus ihnen wachsenden Film-Universen sein.

Egal ob Marvel-Universum, karibische Piraten oder Star Wars- der König der Film-Universen heißt Disney. Und das ist noch lange nicht alles. Zwischen TV-Sendern wie dem Sportkanal ESPN oder dem Streaming-Giganten BAMTech ist das Angebot attraktiver Inhalte im Imperium der Enten geradezu uferlos. Also, so die Milchmädchenrechnung, könnte niemand so gut das Inhalte-Defizit von Apple beheben wie Disney. Aus beiden zusammen würde ein Konzern mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten entstehen. Meinen die Analysten.

Ist das so? Nein. Denn Apple braucht für seine iTunes exklusive Inhalte. So wie Netflix sie hat. Oder Amazon. Die Universen von Disney sind dafür aber längst viel zu groß. Ostern war schließlich auch "Star Wars Celebration" in Orlando. Übertragen wurde das Ereignis live von YouTube, also Google. Der im Rahmen der Veranstaltung veröffentlichte Trailer für den nächsten Film aus dem Universum, "Die letzten Jedi", war ein weltweites Ereignis. Niemand kann das mehr auf nur einer Plattform einsperren.

Apple müsste mit Disney im Verbund vorrangig die iTunes-Konkurrenz mit attraktiven Inhalten versorgen, statt exklusive Angebote nur für das eigene Haus zu schaffen. Denn, nicht nur "Star Wars", auch der nächste "Pirat der Karibik" oder die kommenden "Avatar"-Filme brauchen genauso wie das Marvel-Universum die kombinierte Verkaufsmacht aller Plattformen, um ihr gewaltiges Erlöspotential ausschöpfen zu können. Statt im Wettbewerb um Inhalte würde man sich eher im unkalkulierbaren Imperien-Monopoly wiederfinden.

Die Analysten-Rechnung Apple plus Disney geht schlicht nicht auf. Auch dann nicht, wenn Steve Jobs vielleicht doch nicht der letzte Jedi bei Apple war.

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