That escalated quickly: Update "Piet Smiet TV"

Screenshot: twitch.tv/pietsmiettv

Manchmal geht es schnell. Manchmal geht es sogar noch schneller, als gedacht. Und manchmal geht es auch richtig in die Hose. Aber wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass im Netz die Folgen einer tollen neuen Serie kompakt zum Bingewatching bereit gestellt werden. Die Soap-Opera "Medienwächter vs. YouTuber" könnte die Serien-Entdeckung des Jahres im Bereich "Drama" werden, so versprach "Netz-TV" erst gestern zum Fall "Flying Uwe" und mit "YouTuber" sind natürlich auch die live streamenden "Twitcher" gemeint. Oder Facebooker. Oder was auch immer demnächst noch so livestreamt.

Denn schon wieder ist eine neue Folge im Netz. Der von den Landesmedienanstalten des Rundfunkens verdächtigte Haupt-Charakter der Woche, der "Let's Player" "Piet Smiet", erweist sich plötzlich für die Medienanstalten als härtere Nuss wie wohl ursprünglich gedacht. "That escalated quickly", so lauten die legendären wegweisenden Worte des ebenso legendären Medienmachers Ron Burgundy, und so ist es auch. Mittlerweile hat "Piet Smiet" jedenfalls gemerkt, dass es für ihn nicht nur um einen kleinen von vielen Kanälen geht, sondern um alle und damit um Alles.

Deshalb gab es von ihm zuerst ein viel beachtetes "Update" im Video an die Welt. In dem er dann völlig richtig darlegte, dass die Sache nicht nur ihn betrifft- sondern viele. Eigentlich früher oder später fast alle, die die modernen Möglichkeiten unserer Zeit nutzen und der Welt irgend etwas im Video-Stream mitteilen wollen.

Damit brach natürlich der Aufruhr im Netz erst so richtig los, so dass "die Medienanstalten" sich aktuell zu "Antworten für eine sachliche Debatte" genötigt sahen, drei Seiten als PDF- obwohl so direkt danach wohl gar keiner gefragt hatte. Wie bei jeder verstaubten Behörde ist die erste Antwort immer: "Wir waren es nicht". Die zuständige Medienanstalt habe "auf eine Beschwerde" reagiert, die bei ihr eingegangen sei, und setze damit nur das geltende Recht um. Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung habe der ZAK-Vorsitzende, Herr Schneider, auch deutlich gemacht, dass aus Sicht der Medienanstalten dieses Recht "dringend der Überarbeitung bedarf".

So so. Ich würde es aus meinen internen Behördenerfahrungen eher "Versuchsballon" nennen. Aber egal- die "Schuldfrage" spielt offensichtlich schon eine Rolle und das stimmt für den weiteren Verlauf der Handlung erst einmal optimistisch.

Weiter müssen wir auch nicht auf die drei Seiten PDF eingehen- sie erklären nur ein weiteres Mal gewunden, was keinem normal denkenden Menschen mehr zu erklären ist: Die in unserem Lande geltenden Rechtslage im "Rundfunkstaatsvertrag". Und für "Web-TV", so die Anstalten, sei auch eine "geringe Gebühr" von 1000,- Euro für die Zulassung möglich. Es können aber auch 10.000 Euro sein. Was nicht sein kann: Noch mehr Weltfremdheit.

Aber in jeder guten Drama-Serie gibt es nicht nur den jugendlichen Helden, sondern auch den unerwarteten Helfer, auf den er in auswegloser Lage oft trifft. Vielleicht hätten "die Medienanstalten" sich auch nicht zuerst einen "Let's Player" ausgucken sollen. Denn was macht der sonst den ganzen Tag? Den Feind clever umgehen und dann von hinten einfach wegballern.

Es ist Wahlkampf in Deutschland, bald wird es richtig losgehen und ein Thema, mit dem die CDU punkten will, ist "das digitale Deutschland 2025". Und ausgerechnet gestern hatte CDU-Generalsekretär Peter Tauber digitale Gründer ins Konrad Adenauer-Haus geladen. Darunter war auch ein gewisser Peter Smits, der im Netz unter- na ja, ihr ahnt es. Sogar die Kanzlerin schaute kurz mal vorbei.

Heute gibt es nun im Blog des CDU-Generalsekretärs (!) erfrischenden Klartext zu lesen. Der "Schwarze Peter" schreibt über "Regulierungswut im digitalen Zeitalter" über "Piet Smiet" und Medienanstalten:

"Deutsche Regulierungswut im digitalen Zeitalter. Anstatt Innovation zu nutzen, um mit einer ausgewogenen Deregulierung neue Angebote zu ermöglichen, verharrt man im alten Denken. Damit ich richtig verstanden werde: Es geht nicht um Wildwest oder die immer wieder befürchteten 'rechtsfreien Räume'. Es geht um klare und verständliche sowie niedrigschwellige Regeln, die das bewahren, was das Netz ausmacht: Jeder kann es nutzen. Jeder kann nicht nur empfangen, sondern auch senden. Ich halte die von den Landesmedienanstalten gewählte Herangehensweise für völlig verfehlt und nicht zeitgemäß. Die von der ZAK vertretene Haltung wird den Entwicklungen unserer digitalen Gesellschaft in keiner Weise gerecht. In einer Zeit, in der etwa YouTuber aller Länder über eigene Internet-Kanäle ein grenzübergreifendes Millionenpublikum erreichen, mutet das Beharren auf einer Zulassung seitens der deutschen Medienanstalten völlig anachronistisch an."

Danke, Peter Tauber. Aber wir wissen das schon lange- in vielerlei Fragen.

TUT ENDLICH WAS. Mein Vorschlag wäre eine Abwrack-Prämie für "Landesmedienanstalten".

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