Schöne neue Internet-Fernsehwelt: Was tun, wenn die Cloud kaputt ist?

Foto: Amazon

Wir brauchen jetzt mal einen wegweisenden Beitrag gegen zu viel Euphorie. Es ist Frühling, und ich war gestern da draußen in dieser "Real World" unterwegs. Die ersten zaghaften Blümchen des Jahres kann man da besichtigen. Unweit von unserem Haus ist eine große Wiese, die sicher bald wieder von diversen landwirtschaftlichen Produktions-Tieren abgefressen wird. An deren Rand waren gestandene Facharbeiter am Werk, die mit Hilfe eines großen Geräts ein langes Loch quer durch das Erdreich bohrten. Daneben standen schon etliche hundert Meter Gummirohr zum Einschub bereit.

Irgendwann werden vermutlich andere Facharbeiter eine fragile Glasfaser da durchfädeln und dann hat das Nachbardorf auch Internetfernsehen. Einige zehn Zentimeter darüber werden wieder Kühe friedlich grasen, während vielleicht Matthias Schweighöfers erste deutsche Amazon-Serie da durch "streamt". Das ist toll- aber zerbrechlich. Matthias Schweighöfer erlebt in "You Are Wanted", wie eine als "normal" empfundene Welt plötzlich zusammenbrechen kann. Schnelles Internet ist mittlerweile für uns alle normal. Aber immer noch recht zerbrechlich.

Exzellentes Timing ist eben alles. Gerade, als gestern Abend die Nachricht einlief, dass YouTube in den USA nun auch den "normalen" Fernsehempfang ausliefern möchte, war "das Netz" schon ohnehin in heller Aufregung. Irgendwo an der amerikanischen Ostküste war in einem Cloudcenter von Amazon etwas kaputt und Alexa verstummte. Nicht nur an der US-Ostküste. Auch in Deutschland war der "Empfang" von Amazon Prime teilweise nicht möglich, selbst manche Zeitungen dieser Welt konnten ihre Internetseiten nicht bearbeiten und allerlei sonstige Services aus der "Wolke" stellten ihren Dienst vorübergehend ein.

Nur Netflix betraf es wohl nicht. Obwohl auch Netflix meistens, na ja- von Amazons Cloudcentern ausgeliefert wird. Nach früheren Ausfällen, so lernen wir bei "Variety", habe Netflix daran gearbeitet, weniger abhängig von einzelnen Cloud-Regionen bei Amazon zu sein. Sie können bei Problemen dynamisch auf Ressourcen in anderen Regionen zurückgreifen, wenn einzelne Teile von Amazons Cloud Services stottern.

Das neue Fernsehen kommt per Internet- keine Frage. Auch die Nachrichten. Das Radio. Von Facebook oder YouTube gar nicht zu reden. Und wenn die Kuh auf der Wiese nebenan vom Frühling getroffen wird, und dabei das Gummirohr verrutscht, dann ist die Zukunft vielleicht bei einigen plötzlich völlig still. Es tritt eine Ruhe ein wie in einem Land vor unserer Zeit. Das Internet ist fragil. Überall. Auf welche Ressourcen kann ich eigentlich "dynamisch zurückgreifen"?

Ich brauche ein altes Transistorradio und Batterien für meinen Spezial-Keller. Und weniger Kontakt mit dieser oft so beunruhigenden und komischen "Real World". "10 Cloverfield Lane" ist bei Amazon übrigens auch gerade "Prime":

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