RTL-Bilanz 2016: Der Mythos lebt

Foto: RTL Group

RTL geht's gut. Die RTL Group hat ihre Zahlen für 2016 bekannt gegeben. Und es läuft. Rekorde, Rekorde, Rekorde. Der Werbemarkt im vergangenen Jahr war einfach prächtig, so prächtig, dass Probleme wie hier und da bröckelnde Quoten genauso wie dieser schlimme Trend mit dem Internet glattweg von den über das klassische Privat-Fernsehen hereinströmenden Geldschein-Bündeln einfach zugeschüttet wurden.

Ein solches Ergebnis- und Anke Schäferkordt hört als als einer von zwei CEO der RTL Group einfach auf und will sich in Zukunft auf "die Führung der Mediengruppe RTL Deutschland und ihren Sitz im Bertelsmann-Vorstand konzentrieren". Oha, denkt da diese Branche. Denn rein Hierarchie-mäßig betrachtet ist das für die Herrscherin der guten Zahlen bei RTL ein Abstieg.

"Unser Geschäft wird ohne Zweifel immer schneller, immer komplexer und immer mehr Technologie-getrieben. Vor solch einem dynamischen Hintergrund können wir nicht so weiter machen wie bisher", so Schäferkordt.

Mmh. Verstehe einer diese Medien-Wirtschaft, wird da manch einer wieder sagen. Gerade im stets leicht an der Grenze zur Hysterie funktionierenden Mediengeschäft wird der "Flurfunk" wohl heftig glühen. Denn auf den ersten Blick stimmt da ja etwas nicht. Wenn es läuft und die Rekordgewinne sprudeln, dann rät uns die herkömmliche Betriebswirtschaft schließlich das genaue Gegenteil wie Anke Schäferkordt, und zwar: Mach genau so weiter wie bisher. Also muss man hinter den Vorgängen bestimmt ein schwerwiegendes Geheimnis vermuten.

Es könnte aber in diesem Fall auch ein im Mediengeschäft normalerweise so gut wie nie vorkommendes Ereignis eingetreten sein: Anke Schäferkordt hat einfach gesagt, was wirklich ist. Sie und ihre Controller könnten ja vielleicht doch bessere Seismographen besitzen, als wir sie ihnen bisher so zugetraut haben, und das kommende Beben im genau richtigen Moment spüren..

Jedenfalls liest sich die Pressemitteilung zum Ergebnis 2016 recht erstaunlich. Zumindest, wenn man einmal den Raum, den das Thema "Digital" dort einnimmt, mit der derzeitigen realen Bedeutung vergleicht. Okay, die "Digital Revenue" wuchs um fantastilliardische 31,9 Prozent. Und überschreitet damit nun im Anteil an den Gesamt-Einnahmen gerade einmal knapp die zehn Prozent-Grenze. Und solche Sätze habe ich von RTL noch nie gehört: "Exklusiver Content ist der Motor für alles, was wir im gesamten Video-Universum machen".

Stolze zweimal wird allein Amazon lobend erwähnt. Einmal wegen der Kooperation zur Weiterführung von "Deutschland 83" und einmal wegen "American Gods". Die Serie wird von der RTL-Tochter FremantleMedia produziert und Amazon hat für das "Exclusive" seiner Prime-User wohl ordentlich dazu bezahlt.

Insbesondere diese interessante Zusammenarbeit sollten wir weiter im Auge behalten- und RTL sowieso. Natürlich ist das Programm weiterhin, Entschuldigung, Scheiße. Aber kein deutscher Player auf dem Markt ging 2016 so viele, wenn auch vorsichtige, Schritte in die richtige Richtung. Nicht nur im Hauptprogramm- auch bei den kleineren "Ablegern" wie Vox oder RTL II.

Meine RTL-Bilanz 2016 lautet deshalb: Schaut nicht nur auf Netflix und Amazon. Auch für Köln gilt, wenn auch nur vorsichtig und mit viel Fantasie: Der Mythos lebt.

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