Kollidierende Welten: Flying Uwe und der Rundfunkstaatsvertrag

Screenshot: YouTube / "Flying Uwe"

Und nun: Die Werbung. Ja- einen offiziellen, dem Rundfunkstaatsvertrag gerechten Werbetrenner sollten wir jetzt bringen. Man weiß ja nie. Nichts ist heutzutage mehr sicher. Außer vielleicht, dass nichts die Stimmung beim Fernsehen so effektiv verdirbt wie die Unterbrechung durch die Werbepause. Wir hassen Werbung. Es gibt keinerlei Grund, ein gutes Wort für sie einzulegen. Nirgends. Weg damit.

Obwohl: Selber zahlen für das Programm ist auch irgendwie doof. Und manchmal ist Werbung ja auch irgendwie lustig. Sogar, wenn es um Schleichwerbung geht- wie beim skurrilen Streit zwischen "Flying Uwe" und der "Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein".

Die hat gerade "ein medienrechtliches Verfahren wegen Verstoßes gegen die Werbebestimmungen des § 58 Abs. 3 des Rundfunkstaatsvertrags (RStV)" gegen "Flying Uwe" eingeleitet. Und weist schon einmal vorsorglich darauf hin, dass "§ 49 Abs. 2 RStV" bei "Verstößen dieser Art" ein Bußgeld in Höhe von bis zu 500.000 Euro vorsieht.

Da fliegt beim Uwe erst einmal nichts mehr, da fällt höchstens noch die Kinnlade herunter. Denn Uwe betreibt eigentlich nur einen YouTube-Kanal zum Thema Kampfsport und Fitness. Die Idee, er sei damit "Rundfunk" und somit quasi Rundfunkstaatsvertrags-Betroffener, die war wohl für ihn als "normalem Menschen" bisher sicher weit, sehr weit weg.

Zu seinem Glück ist er mit seinen Fitness-Utensilien nicht ganz allein im Kampf gegen überflüssiges Körperfett. Sein Kanal gehört zur "TubeOne Networks GmbH", dem "Content und Social Influencer Network" der Firma Ströer. Da kann Uwe gewiss auf viel Sachverstand zum Thema zurückgreifen und Medienwächter, die gerne ihren "Rundfunkstaatsvertrag" und damit ihre Macht und ihre Befugnisse auf das Internet ausdehnen wollen, hätten da in Sachen Werbe-Regulierung auch ohne Uwe noch auf Jahrzehnte gut zu tun.

Wie sagt es doch Thomas Fuchs, Direktor der MA HSH: "Auch Werbung auf Plattformen wie YouTube unterliegt rechtlichen Grenzen. Wer hier professionell tätig ist, muss sich an diese Regeln halten." Natürlich. Aber auch die des "Rundfunkstaatsvertrages"? Der wäre dann also auch der "YouTube-Staatsvertrag"? Denn für "unlautere Werbung" gäbe es ja eigentlich noch ein Wettbewerbsrecht. Gerichte, Anwälte und gestrenge Polizisten stünden für die Durchsetzung von Recht und Gesetz zur Verfügung- auch ganz ohne "Anstalt".

Fragen über Fragen. Aber die höchst skurrile und bizarre Kollision der Welt des Thomas Fuchs und der Welt von "Flying Uwe" ist einfach höchst unterhaltsam und zeigt die unglaubliche kulturelle Vielfalt unseres schönen Landes. Das gibt es nirgendwo sonst. Wir schalten zurück zum Programm. Insbesondere die Soap-Opera "Medienwächter vs. YouTuber" könnte die Serien-Entdeckung des Jahres im Bereich "Drama" werden.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: