Hollywood-Studios planen Blockbuster-Streaming kurz nach Kino-Start

Foto: Amazon, © Paramount Pictures

"Arrival" ist angekommen. Die Science Fiction-Geschichte um die schwierige Verständigung mit Außerirdischen hatte ein ordentliches Einspiel-Ergebnis in den Kinos dieser Welt und nun kann man den Film, zum Beispiel bei Amazon, kaufen oder leihen. Seit dem Kinostart im November vergangenen Jahres sind knapp fünf Monate vergangen.

Von den 4,99 Euro Leih-Gebühr, die der Film wie mittlerweile fast durchgehend üblich auch bei Amazon kostet, geht sicher ein guter Teil an Paramount Pictures, die jeden einzelnen Euro gut brauchen können. Für das letzte Bilanz-Jahr errechnete das Filmstudio Verluste in Höhe von 445 Millionen Dollar. Die letztjährige Kino-Saison war statt durch Erfolge wie "Arrival" eher durch Mega-Flops wie "Ben Hur" gekennzeichnet.

Den Film-Studios in Hollywood geht es nicht wirklich gut. Sony zum Beispiel geht es sogar noch schlechter als Paramount. Zwar steigen die Kino-Einnahmen weltweit- aber zum Beispiel in den USA bei gleichzeitig sinkenden Besucherzahlen. Höhere Ticket-Preise machen es möglich- aber da gibt es Grenzen. Und die Kosten steigen deutlich schneller.

Mehr als 30 Filme mit einem Produktions-Budget über 100 Millionen Dollar werden 2017 in den Kinos erwartet- deutlich mehr als im Vorjahr. Und nur der Disney-Konzern, der fröhlich auf der "Marvel"- und "StarWars"-Welle reitet, hat derzeit wirklich Spaß am Geschäft.

Wie die Menschen in "Arrival" haben die Studios große Probleme, die neue Zeit zu verstehen. Vor knapp drei Jahren war es noch unerhört, als mit "One Chance" ein "echter" Kino-Film statt auf der Leinwand im Stream bei Yahoo Premiere feierte. Dann kamen die Filme von Netflix. Die Amazon-Studios. Und mittlerweile sind Spielfilme mit Hollywood-Stars exklusiv im Stream fast schon normal.

Jetzt scheint es so, dass unter dem Druck der Verhältnisse bisher Unmögliches nun doch möglich wird. Wie das Wall Street Journal berichtet, sollen wir Filmfreunde im Heimkino die neuesten Werke der Hollywood-Kunst nun tatsächlich doch schneller bekommen- in der Hoffnung, dass wir dann deutlich mehr als die 4,99 Euro Leihgebühr für "Arrival" bezahlen. Von stolzen 30 bis 50 US-Dollar ist die Rede- fürs Ausleihen, wohlgemerkt.

Noch in diesem Jahr soll es losgehen. Außer Disney ( warum wohl? ) sind anscheinend die großen Namen dabei. Man streitet noch, ob eher 30 oder eher 50 Dollar und wie viele beziehungsweise wie wenige Tage nach der Kino-Premiere ein Streaming möglich wird. Auch ob man, wie ursprünglich mal diskutiert, nur bei Apple iTunes streamt, eigene Plattformen eröffnet oder zum Beispiel Konkurrenten wie Amazon mit an die Töpfe lässt, ist noch nicht bekannt. Die Kino-Besitzer sollen jedenfalls durch eine Umsatzbeteiligung mit dem schnellen Verlust ihrer Exklusivität angefreundet werden.

Nein, wie die Menschen in "Arrival" haben die Studios auch da das ihnen anscheinend völlig Fremde, also ihr Publikum, noch nicht vollständig verstanden. Noch hält die Kino-Mauer- ein bisschen. Ja, irgendwann wird sie endgültig fallen. Danach aber kommt sicher kein goldenes Zeitalter der Mondpreise für Streaming-Tickets. Sondern der gnadenlose Kampf um Niedrigstpreise, Exklusivität und darum, wer am schnellsten ist.

Die wichtigste Blockbuster-Premiere in diesem Monat ist sicher "Ghost in the Shell". Es soll die beste Vision einer eher schwierigen Zukunft seit "Blade Runner" sein, so wird uns versprochen. Die Fans von "Ghost in the Shell" werden wohl noch nicht in den Genuss des schnellen Streamings nach der Premiere kommen. Aber den Film-Studios können wir auch eine schwierige Zukunft versprechen. Und vielleicht werden sie sich bald wünschen, sie hätten den "Ghost" des Streamings so lange wie möglich in der "Shell" gelassen.

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