Geschichten aus der Gruft: Die Goldene Kamera und die Henne-Ei Frage

Foto: ZDF © Goldene Kamera/Steffen Jänicke

Hehe. Amazon hat jetzt ein paar ausgesuchte "Geschichten aus der Gruft" bei Prime. Die "Tales from the Crypt" von HBO sind nicht mehr ganz frisch, aber Kult. Jede Menge Hollywood-Prominenz hatte in der Serie einen Gastauftritt- Daniel Craig, Brad Pitt, Demi Moore, Arnold Schwarzenegger, Tom Hanks, und und und... Sogar eigentlich tote Hollywood-Größen wie Alfred Hitchcock und Humprey Bogart konnten die Macher einst mittels Tricktechnik zu Auftritten überreden und waren damit ihrer Zeit weit voraus.

Wie komme ich jetzt darauf? Na ja, am Samstag war "Goldene Kamera". So richtig stand das Event dieses Jahr von Anfang an unter keinem guten Stern. Total innovativ und megamodern musste dieses Mal auch ein "Goldene Kamera Digital Award"-Award vergeben werden und das sorgte bereits im Vorfeld für Aufregung. Die eigentliche Verleihung des Preises wurde dann sowohl von den Zuschauern bei ZDFneo als auch von der Berichterstattung so gut wie vergessen.

Stand die "Goldene Kamera" eigentlich jemals unter einem guten Stern? Keine Ahnung. Mit Mitte fünfzig bin ich zu jung, um mich zu erinnern. Seit 1966 gibt es das Ding. Preisträger waren damals unter anderem Caterina Valente als "Königin der leichten Muse" und die Leser der "Hör zu" wählten Inge Meysel sowie Hans-Joachim Kulenkampff als "beliebteste Fernsehstars".

Die sind damals sicher ganz einfach gekommen, um sich ihren Preis auch abzuholen. Heutzutage ist es schwieriger. Die "Goldene Kamera" gehört zur für glanzvolle Auftritte jetzt nicht unbedingt bekannten Funke Mediengruppe aus Essen. Dort ist sie im Gefolge der "Hör Zu" vor einger Zeit gelandet, als der Axel Springer Verlag die Lust am Verlegen irgendwie ein wenig verlor und lieber "versenden" wollte. Und passend zur neuen "Heimat" muss die "Goldene Kamera" jetzt kein Abend für Inge Meysel, sondern ein "glanzvoller Abend im Zeichen Hollywoods" sein.

Und spätestens hier kommen wir zur Frage nach der Henne und dem Ei. Sie wird wohl ewig ungeklärt bleiben. Eigentlich ist die Antwort ja klar: Auch die erste Henne schlüpfte aus einem Ei. Nur wer hat es gelegt? Oder wurde gar ein "faules Ei" untergeschoben?

Auch bei großen Preisen ist die Reihenfolge eigentlich klar. Es gibt eine ehrenwerte Jury und die schätzt die Verdienste von verdienstvollen und einer Ehrung verdächtiger Personen ein. Dann gibt es einen Sieger und der wird zur Ehrung eingeladen. Und natürlich gehen die dann auch hin- schließlich ist so eine große Ehrung ja auch eine Ehre und damit Verpflichtung.

So war es zumindest zu den Zeiten von Inge Meysel und Joachim Kulenkampff die Regel. Irgendwann musste für "Glanz" jemand aus Hollywood dabei sein. Irgendwann blieben zur Ehrung ausgewählte Hollywood-Stars statt dessen auch mal lieber am Pool liegen. Man behalf sich dann mit der "Live-Schaltung", damit der Geehrte eine Dankesrede abliefern konnte.

Es ist natürlich nur ein böswilliges Gerücht, dass Preisverleiher heutzutage die Agenturen der Stars kontaktieren, wer denn vielleicht Zeit und Lust habe, einen Preis abzuholen. Weil er vielleicht einen neuen Film promoten muss, gerade in der Nähe ist, eine Freundin besuchen will oder warum auch immer. Und der gewinnt dann eben.

Dann könnte ja auch so etwas passieren: Irgendwelche Spaßvögel gründen eine "Booking-Agentur Conrad, Hertz & Gravemann (CHG)", die angeblich Hollywood-Stars vermittelt. Auf einer eigens angelegten Internetseite und per Newsletter informiert die Fake-Agentur, dass Ryan Gosling am Tag der "Goldene Kamera" zufällig für einen Dreh in Hamburg sei. Der war immerhin gerade für "La La Land" als bester Hauptdarsteller für einen Oscar nominiert, ja die Oscar-Verleihung mit dem Umschlag. Er muss also große Lust darauf haben, endlich mal wirklich was zu gewinnen.

Dann könnte ja auch so etwas passieren, dass es plötzlich eine neue Kategorie bei der "Goldenen Kamera" gibt, die Ryan Gosling zufällig gewinnt. Und die Spaßvögel dann sogar einen Ludwig Lehner aus München als "Ryan Gosling" hinschicken.

Nicht passieren kann es natürlich, dass dieser falsche Hollywood-Star auf der Bühne die "Goldene Kamera" entgegennimmt. Obwohl...

"Eigentlich waren wir uns sicher, dass das niemals funktionieren würde", so Klaas Heufer-Umlauf. "Nicht bei der glamourösesten Preisverleihung des Landes. Nicht im ZDF. Nicht live. Eigentlich. Wir waren uns sicher, dass es irgendwann jemandem auffallen würde. Als Ryan Gosling am Samstagabend tatsächlich die Bühne des ZDF betrat, stellten auch wir uns diese eine Frage: Wie zum Teufel konnte das passieren?"

Na ja- wenn alles zusammenpasst. Deutsche Provinz-Medienmacher, die sich unbedingt im Hollywood-Glanz sonnen wollen. Veranstalter, die unter Druck stehen, weil das Publikum derartiger Veranstaltungen längst überdrüssig ist. Beteiligte, die nicht akzeptieren wollen, dass die "Goldene Kamera" längst selbst eine "Geschichte aus der Gruft" ist- nur ohne deren Anziehungskraft auf Hollywood-Stars.

Dann kann es geschehen.



Update 07.03., 23 Uhr: So etwas ruft natürlich nach der gesamten Geschichte. Hier ist sie- in zwei Teilen. Die Funke Mediengruppe möchte übrigens ihre Goldene Kamera zurück.



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