"Full frontal" oder gar nichts- ist die neue "Homeland"-Staffel "links"?

Da war die Welt noch in geordneter Unordnung: Carrie und Saul in Staffel eins. Foto: Amazon

Ich mag Amazon Video. Die Bibliothek der jederzeit gegen ein zusätzliches Entgelt zur Verfügung stehenden Filme und Serien ist riesig. Man findet dort (fast) alles und für schlappe 3,99 Euro kann man sich selbst davon überzeugen: Stanley Kramer hat es schon 1963 gewusst- und sogar in Farbe. Es ist "Eine total, total verrückte Welt", in der wir leben und schon damals reichten schlappe 350.000 Dollar aus, um das zweifelsfrei filmisch zu dokumentieren- nur weil sie irgendwo "unter einem großen W" vergraben wurden.

Ich mag auch Carrie und ihr "Homeland". Sowohl das Land an sich als auch die Serie. Das Land, weil es zwischen South Central L.A. und Manhattan so viele verschiedene interessante Menschen und Landschaften zu bieten hat. Und Carrie, weil sie so spannend und überzeugend zeigt, dass völlig Verrückte unter Medikamenten-Einfluss wohl die Letzten sind, die unsere Welt noch wirklich verstehen und zusammenhalten können.

Seit Donald Trump ist alles anders. Nicht mehr nur eine Truppe Autofahrer wie einst bei Stanley Kramer haben auf der Suche nach dem großen Geld zunehmende Verblitzungs-Erscheinungen im Gehirn, sondern offenkundig (fast) alle. Und das gern auch ohne irgendeinen substanziellen Grund, wie zum Beispiel 350.000 Dollar.

Da freut man sich doch, dass Carrie gerade in Staffel sechs wieder zurück ist und die US-Welt wieder ordnet. Denkste. Homeland wird in Staffel sechs zum Feind des "Homelands", antiamerikanisch und ist jetzt für Terroristen. Das hat jedenfalls die der Objektivität diesseits wie jenseits des "Mainstream" völlig unverdächtige Publikation "The Federalist" herausgefunden.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich noch weiter "Homeland" gucken kann. Ich schaue gern am "Smart-TV" und einfach so. Ganz ohne Proxy-Server und VPN. Ich habe nicht einmal einen Schutzbunker. Meine Daten, was ich so gucke, gehen also hinaus in die Cloud. "Homeland" ist jetzt antiamerikanisch und für Terroristen. Vielleicht schlagen bald weltweit erste Drohnen in Smart-TV ein, auf denen gerade die Serie läuft.

Für "Homeland"-Gucker wird es ohnehin immer schwieriger. Bisher galt die Serie, das räumt auch "The Federalist" ein, als wertvoll und förderlich für die Sorge um Schutz und Sicherheit des "Homelands" und seiner Bewohner. Der "anderen Seite" gefiel sie jedenfalls nicht. Manche empfanden sie sogar als "rassistisch" oder "islamophob". Es gibt auf jeden Fall immer mehr "Seiten" und von denen kommen immer mehr Meinungen, die selbst einen Andrew Breitbart im Rückblick als kuschlig erscheinen lassen.

"Homeland" hat (Achtung, Spoiler) in Staffel sechs, wohl aus Gründen des redaktionellen Vorlaufs, eine US-Präsidentin. Allein das ist wohl schon irgendwie Blasphemie. Und, als ob das alles noch nicht ausreichen würde, findet Saul einen kurzen Moment lang die israelische Siedlungspolitik, na ja, so nicht in Ordnung. Wird also vielleicht vom Saulus zum Paulus beziehungsweise nach dem Weltbild des "Federalist" eher umgekehrt.

Tja. Und nun? Ich empfehle einen kurzen Rückblick auf Stanley Kramer und "Eine total, total verrückte Welt". Aber auf mich hört ja keiner.

Es geht Schlag auf Schlag munter weiter. Und alle Entwicklungen aus den USA kommen ja mit ein paar Jahren Verzögerung auch zu uns. Manchmal auch schneller. Alle und alles wird rasant unterteilt in "Rechts", "Links", "für uns", "gegen uns" und das verblitzt die Gehirne irgendwie ganz allgemein.

Fast noch aktueller als "Homeland" schwappt gerade "der Fall" Samantha Bee über den Atlantik. Die hat mit "Full Frontal with Samantha Bee" eine Late Night-Show und ist also damit unter "Hollywood", "Medien", "Establishment" und damit "links" einzuordnen. Und ja, sie macht dem auch alle Ehre und drischt fröhlich und genauso durchgehend gehirnverblitzt wie die andere "Seite" auf alles ein, was irgendwie "Trump" ist. "Full Frontal" lässt sich übrigens nur aus dem Englischen gut übersetzen, aus dem "Amerikanischen" hat es irgendwie einen Nachklang. Da war mal was mit den "Chippendales"- komischerweise in England. Aber seitdem grinsen die Amis bei "Full Frontal".

Anscheinend ist es nun gerade irgendwie schiefgegangen und die Biene Samantha bekommt es nun full frontal zurück. Bei der ach so tollen und irre intelligenten Themen-Idee, dass "Nazi-Frisuren" unter Konservativen zunehmende Verbreitung fänden, kam der Late-Night-Talkerin ein jugendlicher Krebspatient unter die Kamera, dessen Hairstyle auch durch stattgefundene Chemo-Therapien beeinflusst war. Damit kann auch die "andere" Seite natürlich was anfangen.

Ich will zurück in die Welt von Carrie. Eine Welt, die bipolar ist, in der es keine Gewissheiten gibt und in der einem zum Stichwort "Lynch" einfach nur "Twin Peaks" einfällt. Eine Welt, in der es keine Sicherheit gibt- außer der, das die, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, immer die Loser sind.

Staffel sieben und acht sind für "Homeland" bereits beschlossene Sache, die gerade laufende Staffel sechs kostet bei Amazon 31,99 Euro im "Staffel-Pass".

Wir schalten zurück zu "Eine total, total verrückte Welt" oder zu Donald Trumps Lieblings-Fernsehkanal:

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