YouTube: "PewDiePie" endlich völlig losgelöst

Screenshot: youtube.com / PewDiePie

Eines Tages, so hoffen es wenigstens viele "Erwachsene", wird dieses Ding bestimmt wieder weg sein. Dieses "Juhtuhbe". Na ja. Möglich ist alles. Aber meistens wird es immer noch schlimmer. Und was die Bewegtbild-Galaxie YouTube betrifft: Selbst wenn da jetzt einer den Stecker zieht- es wird genug Material für Jahrhunderte bleiben, das Psychologen, Verhaltensforscher oder Kulturpessimisten noch aufarbeiten können.

In einer Zeit weit vor YouTube spielten sich die Dramen rund um die großen Stars außerhalb unseres Alltags in den Backstage-Bereichen, Hotel-Suiten oder in Villen hinter hohen Zäunen ab. Okay, man wusste wohl irgendwie, dass Elvis ein Problem mit Erdnussbutter hatte. Oder Michael Jackson eine merkwürdige Nase. Aber das war alles weit weg. Nicht unsere Otto Normalbürger-Welt. Ich hab in jungen Jahren zum Beispiel mal Rod Steward besucht. Außer erstaunlichen neuen Erkenntnissen über die Möglichkeiten der Botanik und Hecken in Hollywood hab ich dabei nichts gelernt. Das ist jetzt anders. Auf YouTube kann man das Entstehen und Verglühen der "Stars" in Nahaufnahme und im Zeitraffer sehen.

"PewDiePie" alias Felix Kjellberg aus Schweden ist wohl so etwas wie der Video-Elvis unserer Zeit. Jedenfalls verkauft er die meisten Platten beziehungsweise Aufrufe, wie das jetzt heißt. Und genau wie sein Vorgänger hat er jetzt wohl die finale Erdnussbutter-Phase erreicht. Denn YouTube ist echter Rock and Roll, die Stars kommen und gehen. Nicht selten auch vom kometenhaften Aufstieg direkt in nach Diagnose rufende Verhaltensweisen inklusive Phasen des Größenwahnsinns. Keine brauchbare Idee, aber ein tolles Video muss her. Das schlaucht. Ich kenne das.

Bei "PewDiePie" fing es irgendwann letzten Sommer an. Felix outete sich auf Twitter als "neues IS-Mitglied", Twitter verstand den Witz nicht und sperrte ihm einfach mal so den Account. Im Dezember wollte er wegen gefühlter Diskriminierung bei den "Trends" seinen Kanal bei YouTube löschen. Auch diesen Scherz verstanden nicht alle. Vor einigen Tagen fing er im Video unten erneut Streit mit YouTube an. Dieses Mal hatte man seiner Meinung nach die Abonnenten nicht richtig gezählt.

Dabei behandelt ihn YouTube doch gar nicht so schlecht. Immerhin hat er eine eigene Show im Abo bei "YouTube Red". Und er ist "Google Preferred". Also sicher auch deutlich "Premium" bei den Werbeeinnahmen im Vergleich zu "Normal"-YouTubern. Jetzt ist das alles erstmal vorbei.

"Death to All Jews" stand auf einem Schild, das zwei Inder für ihn in einigen Videos hochhielten. Wieder so ein Witz, den einige nicht verstanden. Zuerst warf der Disney-Konzern PewDiePie aus den Maker-Studios, also seinem Channel-Netzwerk, einfach so raus. "Scare PewDiePie", seine Show bei YouTube Red, bekommt keine weitere Staffel. Das "Preferred" für die Werbepartner ist von Google gestrichen. Und was das alles für die "Sichtbarkeit" seiner Videos bei YouTube bedeutet, das werden wir sicher noch sehen.

Tja. Früher gab es für ungezogene Kinder auch andere Erziehungsmethoden. Zum Beispiel "in die Ecke stellen". Das ist heute sicher wegen möglicher Traumata streng verboten. Aber PewDiePie ist ja von den Zahlen her volljährig. Also dürfte er es aus eigenem Entschluss einfach tun.

Das wäre meine Empfehlung für Felix Kjellberg. Dazu noch hundertmal laut sagen: "ich bin nur ein Werbe-Umfeld". Er ist nur ein Werbe-Umfeld. Davon gibt es genug Andere. Völlig egal, wie viele Groupies da draußen auch schreien.



Update 16.02.: Die Geschichte ist wohl für YouTube, Disney und andere noch nicht vorbei:

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