Wie Trump funktioniert- und wie kurioserweise Hollywood zuerst profitiert


Vielleicht verändert sich die Welt bald noch schneller, als wir alle es zu wissen glauben. Und vielleicht hat Donald Trump ja sogar Gründe für seine schlecht kontrollierte Wut über die "Fake News". Der neue US-Präsident hat Immobilien-Imperium gelernt. Diplomatie dagegen nicht. Und so regiert er jetzt auch. Was ist, wenn es funktioniert?

Ein Immobilien-Imperium entsteht und gedeiht durch Verhandlungen und möglichst vorteilhafte "Deals". Deals mit Banken, Finanziers, Behörden, Mietern oder Käufern. Bei den Deals sitzen sich Leute gegenüber, in Konferenzräumen oder bei Essen in edlen Restaurants. Oder sie laufen gemeinsam über einen Golfplatz und manchmal telefonieren sie auch. Das ist die bisherige Welt des Donald Trump. Eine Welt, in der die Witzfigur, die uns von den Medien gemalt wird, unmöglich eine längerfristige Rolle spielen könnte. Denn vorteilhafte Deals bekommt man in den Verhandlungen mit Profis nicht einfach so. Und unvorteilhafte Deals lassen selbst große Imperien schnell dahin schmelzen wie Schnee in der Frühlingssonne.

Wie verhandelt ein Profi? Er bereitet sich vor. Erkundet Stärken und Schwachpunkte des "Gegners" und blufft gelegentlich. In den Verhandlungen zeigt man auch schon einmal seine Waffen vor. Etwa so: "Lieber Banker, du hast mir für mein tolles Superdupermega-Hochhaus ein paar Trillionen geliehen. Die Vermietung läuft, na ja, ein wenig unter Plan. Wenn meine GmbH-AG-Bahamas-Limited, die es betreibt, Pleite geht, hast Du ein noch größeres Problem als ich." Und schon sinken Zinsen, werden Raten gestundet, neue Zwischenfinanzierungen möglich.

Das ist natürlich stark vereinfacht. Aber es zeigt das Prinzip. Das Prinzip, nach dem Trump schon immer gearbeitet hat und wie er jetzt einfach sein neues Imperium "USA" nicht präsidiert, sondern geschäftsführt.

"Xi is much more aggressive than Hu", so hat Trump gewiss aus seiner Lieblings-Zeitung "New York Times" gelernt. Xi ist Präsident von China und China ist ein wichtiger Gegner für notwendige "Deals". Also: Man bereitet sich vor. Erkundet Stärken und Schwachpunkte des "Gegners" und zeigt auch schon einmal die "Waffen" vor. Indem man zum Beispiel mit der Präsidentin von Taiwan nett telefoniert und so die "Ein-China-Politik" offen in Frage stellt. Und bei der chinesischen Führung, für die das ein Eckpfeiler ihres Selbstverständnisses ist, so indirekt natürlich auch die Frage auf den Schreibtisch befördert: "Was wäre, wenn?"

Erst dann telefoniert Trump mit Xi. Das hat er gestern getan. Und Xi seine "Ein-China-Politik" bestätigt. Als Entgegenkommen, wofür Trump dann natürlich auch wiederum eine Gegenleistung erwartet. Obwohl er Xi eigentlich nur zurück gegeben hat, was dieser vor Trump schon einmal besaß. Aber so funktioniert das Verhandeln von "Deals". Und auch Xi und China wollen einen Deal, denn genau wie der Banker mit dem eventuell notleidenden Milliarden-Kredit hat China Interessen. Und kurioserweise könnte ausgerechnet Hollywood zuerst profitieren.

34 ist eine sehr wichtige Zahl im Verhältnis zwischen den USA und China. Zumindest im Verhältnis Hollywood-China, denn genau 34 US-Spielfilme dürfen pro Jahr derzeit in chinesische Kinos. Das ist sehr ärgerlich für die Studios- nirgendwo auf der Welt werden mehr Kinokarten verkauft als im Reich der Mitte und die Blockbuster-Maschine in Hollywood produziert natürlich deutlich mehr als 34 Filme im Jahr. Allerdings musste die Obama-Administration im Jahr 2012 schwierige Verhandlungen führen, damit Vizepräsident Joe Biden einen Deal unterschreiben konnte und es überhaupt 34 geworden sind. Es können auch mehr werden, würden die Chinesen sagen, im letzten Jahr waren es 38- aber nicht auf Basis der üblichen Einnahmebeteiligung, sondern über chinesische Zwischenhändler mit einmaliger Abfindung für die Rechte.

Der Deal ging über fünf Jahre und läuft jetzt aus.

Im Vorfeld der Neuverhandlung, so berichtet der "Hollywood Reporter", hat eine normalerweise recht gut informierte und wichtige Pekinger Zeitung ganz zufällig orakelt, dass es in Zukunft durchaus "ein Dutzend mehr" Blockbuster werden könnten, die jährlich aus den USA die Kinos im Land der Mitte erreichen. Und damit nicht genug: Statt wie bisher 25% der Einnahmen könnte der Geldfluss Richtung Studios aus den chinesischen Kinos auf die international üblichen 40% steigen.

Ach.

Was ist, wenn es einen für beide Seiten vorteilhaften Deal zwischen den USA und China gibt? Das wäre für die globale Filmwelt in etwa ein Erdbeben der Stärke acht.

Was wäre, wenn Xi und Trump auch generell zu einem Deal finden? Denn Xi spricht zwar diplomatischer - er ist Chinese - , denkt aber vermutlich ganz ähnlich. Denn auch er ist viel weniger Politiker als Geschäftsführer des Imperiums der Kommunistischen Partei. Ist der "Deal" perfekt, dann könnten sich beide plötzlich ganz prächtig verstehen.

Das wäre aus der Sicht von Donald Trump ein ganz normaler geschäftlicher Vorgang. Im Immobilien-Monopoly ist Alltag, dass sich zwei Große im Kampf um die Schloss-Allee auch mal zusammen tun. Zum Beispiel, um einen Dritten gemeinsam aus dem Rennen zu drängeln.

Gut, dass das mit uns alles gar nichts zu tun hat. Gut, dass wir hier so unglaublich schlau und lustig sind. Nichts gegen Jan Böhmermann. Und "Netz-TV" ist auch kein Fachmedium für Politik. Aber es ist bezeichnend für den Zustand der Medien, dass das da unten der in den letzten Wochen wohl qualitativ herausragendste Beitrag zum Thema Donald Trump unter gefühlt etlichen Tausend war. Am Tag, als Donald Trump mit Intel öffentlich eine Sieben Milliarden-Investition in Arizona für eine Chip-Fabrik der nächsten Generation vereinbarte, informierte mich "Spiegel online" darüber, dass er sich per Twitter beschwert habe, dass eine Kaufhauskette die Kollektion seiner Tochter ausgelistet hat.

So schließt sich der Kreis. Denn auch das ist wirklich ganz großes Kino.

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