Wenn Morgan Freeman mit Bowfinger in Usbekistan dreht

Screenshot: YouTube / "XATO TV"

Heute sollte eigentlich die große Kino-Premiere des neuen Blockbusters sein. Mega-Star Mirolim Qilichev als Polizei-Offizier, der das Land nach etlichen furiosen Action-Einlagen vor angreifenden Bösewichtern rettet. Plakate und Trailer bewarben das neue Kino-Ereignis. Doch dann fiel es aus.

Wie die BBC glaubhaft berichtet, durfte der neue Action-Kracher "Daydi" auf Initiative der Filmbehörden Usbekistans nicht wie geplant das Licht der Leinwand erblicken. Die Film-Lizensierer im fernen Zentralasien vertraten die Auffassung, der Herr in der Mitte auf dem Filmplakat oben müsse auch mitspielen. Immerhin hatte er auch in der Trailer-Werbung einen etwas schemenhaften Auftritt. Aber Morgan Freeman kommt in "Daydi" nicht vor.

Seit dem Jahr 1999 hat man vom legendären Filmstudio "Bowfinger International Pictures" nichts mehr gehört. In dem klassischen Filmkunstwerk "Bowfingers große Nummer" wurde uns damals gezeigt, wie man als Hollywood-Star ganz plötzlich in Filmen auftritt, von denen man eigentlich gar nichts weiß.

Okay, die usbekischen Spezialisten wollten das Publikum wohl nur ein wenig neugieriger machen. Obwohl Morgan Freemans Kostüm als "Bartok" aus "Last Knights - Die Ritter des 7. Ordens" jetzt nicht wirklich zu Action-Sequenzen auf den Straßen Zentralasiens von heute passt: Es hätte ja sein können. Alle müssen sparen, "Last Knights" wollte eigentlich (fast) keiner sehen und das Kostüm kann ja noch aufgetragen werden. Aber die Filmbehörde hat "Daydi" wohl in voller Länge angeschaut, Morgan Freeman nirgends gesehen und fand das nicht in Ordnung. Und so ist das wohl auch.

Ob und wann "Daydi" jetzt in die Kinos kommt und wie groß die dann hoffentlich korrekte Filmwerbung sein muss, ist derzeit nicht bekannt. Aber der Fall wirft weitere interessante Fragen auf. Gibt es eigentlich ein verbrieftes Recht am eigenen Gesicht? Vor allem dann, wenn es ein weltweit bekanntes ist?

Schließlich ist es heutzutage ja gar kein Problem mehr, aus Benedict Cumberbatch einen digitalen Drachen Smaug zu machen. Oder sicher auch umgekehrt. In "StarWars Rogue One" ist Prinzessin Leia wieder jung, faltenfrei und höchstens zwanzig. Und man hat wohl gar keinen Drachen mehr als Ausgangsmaterial gebraucht. Peter Cushing ist als "Großmoff Tarkin" zurück auf der Kommandobrücke des Todessterns. Obwohl er schon gut 20 Jahre länger als Prinzessin Leia tot ist. Da kommt etwas Neues auf uns zu. Etwas, auf das wir nicht vorbereitet sind.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: Die da in Zentralasien kennen sich mit Computern aus. Noch fehlt ihnen in der Regel das Kleingeld für die richtigen Prozessoren. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Bald werden sich zahllose Pretty Womans von Richard Gere die Rosen bringen lassen. Von Richard Gere "in den besten Jahren", natürlich. Die Angelina Jolie in den besseren Jahren geht auf die Suche nach Schätzen mit dem jungen Indiana Jones. Und was denen da in Zentralasien dazu einfällt, vermag ich mir gar nicht erst vorzustellen.

1999 musste Bowfinger noch un-digital auf echten Filmen drehen. Na ja- Geld für Computer hätte er ohnehin auch nicht gehabt. Dafür konnte er noch Eddy Murphy quer über die Autobahn schicken. Den echten Eddy Murphy. Na ja- in seiner Rolle als Nicht-Schauspieler. Habt Spaß.

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