Welt ohne Filter: Facebook will direkt auf die smarten Fernseher

Screenshot: Facebook / POTUS

Ach nee, schon wieder Donald Trump. Muss das sein? Eigentlich nicht. Oder vielleicht doch: Zu vieles fliegt in diesen turbulenten Tagen einfach an uns vorbei, ohne dass man sich die eigentlich notwendigen Gedanken macht, was es denn nun wirklich bedeutet.

Der Präsident hatte in dieser Woche einen Kandidaten für den "Supreme Court", also das oberste Gericht der USA, zu nominieren und das ist nicht ganz unbedeutend. Es ist nun einmal der "Supreme" Court, eben das Gericht, vor dem in den USA die wirklich großen Fragen entschieden werden.

Also nicht "Boston Legal". Obwohl Alan und Denny natürlich auch dort ihren unvergesslichen Auftritt hatten. Vor dem Supreme Court geht es aber nicht "nur" um die Todesstrafe, wie bei Alans Mandanten in Boston Legal. Dort wird auch entschieden, ob zweifelhafte Handlungen von US-Regierung oder Behörden der Verfassung entsprechen. Und jeder Richter, der einmal dort sitzt, sitzt dort auf Lebenszeit.

Donald Trump hatte also die Möglichkeit, einen Kandidaten für den Supreme Court zu benennen und das tat er dann auch. Normalerweise funktionierte so etwas bisher so: Wenn der Präsident einen Kandidaten nach seinem Geschmack gefunden hat, dann geht man gemeinsam mit der Entscheidung "an die Öffentlichkeit". Das hieß bisher: Vor die Presse. Präsident Donald Trump dagegen verkündet seinen Kandidaten live auf Facebook.

Stolze 4,8 Millionen haben die Ankündigung dann dort gesehen. Und damit Trump direkt und ungefiltert. Der hat so seine Probleme mit dem Verhältnis zur Presse und wohl nicht zuletzt deshalb nutzt seine Administration die neuen Medien-Möglichkeiten sogar noch intensiver als der ohnehin schon ziemlich "Internet-affine" Amtsvorgänger Barack Obama.

Die Presse als bisheriger "Filter", der letztendlich entscheidet, welche Informationen zum "Endkonsumenten" gelangen und wie sie verpackt werden- sie wird einfach umgangen. Auch deshalb ist das Verhalten des neuen US-Präsidenten so interessant. Er nutzt verstärkt neue Möglichkeiten, die schon länger bestehen und bisher nicht so im Zentrum der Aufmerksamkeit standen. Weil auch bei den Medien vieles so gemacht wird, wie es schon immer gemacht wurde. Bis dann irgendwann ein Trump den Porzellan-Laden betritt.

Betrifft das nur die Politiker und Journalisten? Nein, auf gar keinen Fall. Es gibt viele solche "Filter", deren Funktion jetzt zunehmend in Frage steht. Obwohl wir sie vielleicht manchmal auch vermissen werden. Selbst ein Fernsehsender ist im Grunde nichts anderes als ein Filter. Er siebt aus einem viel größeren vorhandenen Angebot an möglichen Sendungen ein "Programm". Genau wie Donald Trump es mit seinen politischen Weisheiten macht, genau so könnten Film-, Serien oder selbst Game- oder Reality Show-Macher in Zukunft ihre Produkte direkt an den Zuschauer bringen. So wie die YouTuber dies heute schon tun. Und ich denke, Facebook hat genau das erkannt.

Gerade hat Mark Zuckerberg seine Ergebnisse für 2016 gefeiert. Fast zwei Milliarden Menschen nutzen mindestens einmal im Monat Facebook. Die Werbe-Erlöse sprudeln wie nie zuvor. Mehr als zehn Milliarden Dollar als Gewinn unterm Strich machen eigentlich alles möglich. Und Video, Video, Video- das ist weiter das wichtigste Thema. Der "Mega-Trend", so Zuckerberg. Denn nur dort liegen die wirklich ergiebigen Quellen für noch mehr Werbekohle. Dann, wenn "Video" das neue "Fernsehen" wird.

Facebook arbeitet an einer reinen Video-App für Set Top-Boxen wie "Apple TV", so meldet das "Wall Street Journal". Das wäre der Anfang vom "Facebook Fernsehen". Eine neue Art Fernsehen, mit Milliarden von "Sendern" und "Programmen", die ihr dann liken, teilen und kommentieren könnt. Viele Fernsehsender werden es nutzen- und das ist keine schlechte Idee. Aber ungewollt könnten sie damit auch das mächtigste "Umgehungs-Tool" aller Zeiten bauen. Weil Facebook dann der einzig notwendige Filter für alles ist.

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