"Manchester by the Sea": Werden Amazon, Netflix, Apple den Film retten?

"Manchester by the Sea" Foto: Amazon

Carrie ist mit "Homeland" zurück und schon wird die "bipolare Störung" für uns wieder zum Thema. Denn auch die Glamour-Branche des Films scheint derzeit irgendwie bipolar gestört. In Berlin läuft gerade die "Berlinale" und das ist wohl die "euphorische Phase". Die Filmwelt ist glanzvoll und schön. Richard Gere ist in der Stadt und redet mit Angela Merkel über Tibet. "X-Men" Logan alias Hugh Jackman wird höchstpersönlich als "The Wolverine" dort "Weltpremiere" feiern. Mit "Toni Erdmann" ist sogar ein deutscher Film für so ziemlich alle "Preise der deutschen Filmkritik" nominiert. Ein Film, von dem ganz Hollywood spricht, der gute Oscar-Chancen hat und der demnächst wohl mit Jack Nicholson in der Hauptrolle als ganz großes Hollywood "Remake" feiern wird.

Der Oscar hat in diesem Jahr die Qual der Wahl- da ist Qualität im Programm. "Manchester by the Sea" zum Beispiel erzählt die Geschichte des Hausmeisters Lee Chandler, der durch den überraschenden Tod seines Bruders gezwungen ist, in seine Heimatstadt zurückzukehren und sich dort mit seiner traumatischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Casey Affleck, Lucas Hedges und Michelle Williams wurden für ihre beeindruckenden Darstellungen für den Oscar nominiert, der Film gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Kategorien "Bester Film", "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch". Einen "Golden Globe" hat "Manchester by the Sea" bereits. Und mit dem Film-Musical (!) "La La Land" überall einen sehr starken Rivalen.

Aber jede bipolare Störung kennt auch die Phase der Depression. Sony hat gerade auf sein Filmgeschäft knapp eine Milliarde Dollar abgeschrieben. Egal ob "Manchester by the Sea", "La La Land" oder "Toni Erdmann": Fast noch härter als der Kampf um Oscars, Bären oder "Globes" ist für die Filme der Kampf um einen Platz im Kino. Selbst bei Onkel Dagobert war trotz "StarWars" in Serie am Ende des Jahres im Geldspeicher noch Platz. Was ist da los?

Das Filmgeschäft werde immer mehr durch die großen Premieren der Comic-Helden, CGI-Monster oder Animations-Abenteuer dominiert, so der Studio-Chef der Warner Bros., Kevin Tsujihara. Das lasse den Filmen für andere Ziel- oder Altersgruppen immer weniger Raum. Die "Mitte des Marktes" für Spielfilme werde extrem schwierig. Die wirtschaftlichen Grundlagen veränderten sich. Die "Mitte" sind Filme wie "Manchester by the Sea" oder "La La Land". Filme ohne Monster oder Avenger und ohne Millionen-Werbebudget. Und Kevin Tsujihara hat auch gleich eine Lösung parat.

Auch Warner Bros. denkt darüber nach, Spielfilme künftig schon kurz nach der Premiere per Streaming zu den Zuschauern nach Hause zu bringen. Natürlich für höhere Leihgebühren als 4,99 Euro. Wenn er sich da mal nur nicht täuscht.

"Manchester by the Sea" ist ein "Amazon Original". Der erste Spielfilm eines Streaming-Dienstes, der ernsthaft um Oscars kämpft. Netflix war einst mit den "Beasts of no Nation" noch im Vorfeld gescheitert. Der Film war einfach zu wenig im Kino. Nur trifft das mittlerweile ja auf fast alle Oscar-Kandidaten zu.

Ob es die Apple-Idee ist, die der Warner-Bros. Studio-Chef da meint? Universal oder AMC seien auch dabei, so heißt es. Amazon hat jedenfalls, so hört man, "Manchester by the Sea" hinter den Kulissen Hollywoods nach Kräften unterstützt. Da lädt man schon einmal die richtigen Leute  zu edlen Partys ins relativ neue "Beverly Hills Mansion" vom Chef.

Jeff Bezos hat dabei sicher schon die geschlossene Wertschöpfungskette fest im Blick. Vom eigenen Studio bis auf den eigenen Fernseher reicht Amazon völlig aus. Wer braucht schon Kinos? Okay, für den Oscar. Und erst ein Oscar zeichnet Amazon als echtes Filmstudio aus. Genauso denkt Netflix. Und Apple? Macht Euch da keine Illusionen bei Universal oder bei Warner Bros.

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