Gutes Marketing: Zwei "Oscars" für Amazon, "Toni Erdmann" ist "Prime"

"Manchester by the Sea" Foto: Amazon

Gutes Marketing ist alles. Und manchmal lohnt es sich auch. Bei Amazon zum Beispiel wird man die Oscar-Nacht und auch die Ergebnisse gestern sicherlich gefeiert haben. Casey Affleck erhielt die begehrte Statue als "bester Hauptdarsteller" und der Film "Manchester by the Sea" den Oscar für das beste Drehbuch- und damit kann sich Amazon als Inhaber der Filmrechte des Werks und damit quasi als "Studio" jetzt als erster Streaming-Anbieter auch als Oscar-Gewinner fühlen.

Man wird in Hollywood noch lange über die letzte Nacht reden. Obwohl die von vielen erwartete "Anti-Trump-Show" weitgehend ausfiel, war es doch recht unterhaltsam. "La La Land" bekam als Höhepunkt der Veranstaltung den Oscar für den besten Film- und bekam ihn doch nicht. Denn Warren Beatty und Faye Dunaway hatten den falschen Gewinner vorgelesen- auf dem Zettel im Umschlag stand nicht "La La Land", sondern "Moonlight".

"Moonlight" ist die Geschichte eines jungen, homosexuellen, afroamerikanischen Mannes und war der große Rivale des Abends für "La La Land". Der war trotzdem mit insgesamt sechs Oscars wohl der "Gewinner des Abends". Und die Diskussion um das Thema, ob "schwarze" Themen, Darsteller oder Regisseure beim Oscar benachteiligt werden, ist in Hollywood mindestens so heiß wie das Thema Trump.

Marketing ist eben alles. Und ein Oscar ist nicht nur sehr wertvolles Marketing für die weitere Karriere der Gewinner- er ist auch ohne gutes Marketing kaum noch zu gewinnen. Vielleicht ist es ja sogar der pausen- und gnadenlose Kampf der "Einflüsterer" der beiden großen Rivalen hinter den Kulissen gewesen, der Warren Beatty und Faye Dunaway derartig verwirrt hat.

Auch der recht aussichtsreiche deutsche Beitrag im Wettbewerb, "Toni Erdmann", konnte sich über fehlende Unterstützung durch "Einflüsterer" nicht beklagen. Erst kurz vor der Verleihung meldeten sich auch mutige Kritiker zu Wort, die das Werk nicht mögen. Das ist nun egal, "Toni Erdmann" ging leer aus und Regisseur Asghar Farhadi bekam für "The Salesman" die Trophäe für "den besten ausländischen Film". Da wurde es dann doch noch ein wenig politisch, Farhadi war aus Protest gegen Trumps Einreise-Politik nicht gekommen.

Was bleibt, ist die Frage, ob wir jetzt irgendwann noch einmal etwas von einem Hollywood-Remake von "Toni Erdmann" mit Jack Nicholson in der Hauptrolle hören. Natürlich trifft das in diesem Fall auf gar keinen Fall zu- aber manchmal gibt es in Hollywood tatsächlich auch "Fake News". Oder eben gutes Marketing.

Ganz großes Kino oder zumindest auf jeden Fall gutes Marketing ist aber das hier: Amazon überlässt uns deutschen Zuschauern die Entscheidung, ob "Toni Erdmann" nun groß oder gernegroß ist. Genauer gesagt: Den deutschen Prime-Nutzern. Das für Rechte-Verhältnisse noch brandneue Kino-Werk steht ab sofort für die Abonnenten ohne Aufpreis zum Streaming bereit. Im "normalen" Fernsehen dürfte er frühestens 2018 zu sehen sein.

"Frisch von den 'Oscars' exklusiv zu den Amazon Prime Video-Mitgliedern", so kommentiert das Christoph Schneider, Geschäftsführer Amazon Video Deutschland. "Toni Erdmann besticht mit intelligentem Humor, emotionalem Feinsinn und einem unendlichen Gespür für das, was im Leben wirklich zählt. Dieses filmische Meisterwerk ist das neueste Mitglied in unserem Angebot an erstklassigen TV-Serien und Filmen, die Prime-Mitglieder sich sofort ansehen können."

Auch das soll kein Vor-Urteil sein. Vielleicht feiert Amazon damit ja auch vor allem die zwei Oscars für "seinen" Film "Manchester by the Sea". Schaut euch "Toni Erdmann" an und entscheidet ganz einfach für euch selbst.

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