"The Crown" statt "Stranger Things"- "Golden Globes" im La La Land

Sieger für Netflix: "The Crown" Foto: Netflix

Woran man erkennt, dass sich die Zeiten ändern? Na ja, zum Beispiel daran, dass die Streaming-Dienste die "Golden Globes" abräumen, sich darüber niemand mehr wundert oder gar fragt, wer das ist. Wie immer war es natürlich eine denkwürdige Nacht, wenn die "Hollywood Foreign Press Association" (HFPA) Preise verleiht. Die Zeiten ändern sich. Twitter übertrug im Live-Video den Aufmarsch der Stars auf dem roten Teppich. Schon die Idee hätte vor nicht langer Zeit für Gelächter gesorgt.

Manch anderes ändert sich dagegen nie. Der deutsche Hoffnungsträger um den Preis für "den besten fremdsprachigen Film" ging, wie in der Regel üblich, leer aus. "Tony Erdmann" gewann nichts. Und kann sich trotzdem über die größtmögliche Verehrung freuen, die Hollywood für Filme aus diesem komischen Ausland zu bieten hat. Man denkt über ein Hollywood-Remake von "Tony Erdmann" nach.

Bester Film von allen wurde natürlich "La La Land". Er gewann seine Kategorie "Musical oder Comedy" und räumte insgesamt sieben goldene "Globes" ab. Noch nie gewann ein Film so viele. Und es ist sicher verdient. Wo das Problem liegt, wurde hier schon beschrieben. Ich wette mal, das Publikum hätte den ebenfalls nominierten "Deadpool" gewählt.

Mittlerweile nehmen die Streaming-Dienste nicht mehr nur den Fernsehsendern, sondern auch den Kinofilm-Studios "Golden Globes" ab. Casey Affleck wurde bester Darsteller für "Manchester By The Sea". Der kommt in knapp zwei Wochen in die deutschen Kinos. Und gehört Amazon.

Nun aber zum für uns wichtigsten Thema: Die beste Serie des Jahres ist nach Meinung der HFPA nicht "Game of Thrones". Auch nicht das zweite heiße HBO-Eisen im Feuer, die neue "Westworld". Spätestens jetzt ist es schon "very strange", dass es "Stranger Things" auch nicht wurde. Und noch "stranger" ist, dass Netflix trotzdem gewann- mit der beim Publikum wohl nicht so beliebten Elizabeth II - Geschichte "The Crown".

Bester Hauptdarsteller in einer "Drama-Serie" wurde Billy Bob Thornton für Amazons "Goliath". Das ist hoch verdient. Genauso wie die Tatsache, dass Amazon dieses Mal die Kategorie "Comedy-Serie" weder mit "Transparent" noch mit dem Dschungel-Mozart gewann.

Was gab es noch interessantes? An "The Night Manager" gingen gleich drei "Golden Globes". Na, wo stand schon vor fast zwei Jahren, dass dieses Werk großartig ist? Natürlich hier. So viel Selbstlob muss sein. Auf der "Golden Globes"-Bühne lobt man natürlich andere. Tom Hiddleston wurde für seine Hauptrolle in "The Night Manager", Olivia Colman und Hugh Laurie für ihre Nebenrollen geehrt.

"Dr. House" Hugh Laurie bedankte sich für den "allerletzten" Golden Globe, der wohl verliehen wird. Schließlich könne der kommende Präsident weder "Hollywood", noch "Foreign" oder gar "Press" gut leiden. Und damit sind wir beim wohl meist diskutierten Thema des Abends: Der Politik.

Noch immer hat Hollywood den Donald Trump-Schock nicht überwunden. Meryl Streep klagte ihn auf der Bühne wegen unsäglich schlechtem Benehmen gegenüber einem behinderten Reporter ebenso gefühl- wie effektvoll an.

Nur: Bei Wahlen hilft die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis nicht dauerhaft weiter. Meryl Streep hat völlig Recht und sitzt trotzdem, wie viele im Saal, einem Irrtum auf. Dem Irrtum, dass Trump irgendwie aus Versehen trotz seines Verhaltens gewählt wurde. Ich glaube eher nicht, dass er "trotz" gewählt wurde. Sondern "weil".

Einer der größten Auftritte auf der Leinwand von Meryl Streep war in "Der Teufel trägt Prada". Sie kann es also verstehen. Anna Wintour selbst war gerade bei Donald Trump zu Gast. Sie haben sich gut verstanden- "Business as usual" halt. Sogar das Silicon Valley bemüht sich sichtlich, zu begreifen, was da eigentlich vorgeht. Die Stars in ihren Villen müssen verstehen lernen, was diesen Mann bis ins Weiße Haus getragen hat. Deshalb muss man Trump trotzdem nicht mögen. Aber wer sein Publikum nicht mehr versteht, der verliert es- irgendwann.

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