"Stranger Things": Wut und Angst von Netflix bis Amazon wegen Trump

Winona Ryder in "Stranger Things". Foto: Netflix / Curtis Baker

Zur Zeit gibt es recht wenig Nachrichten über frische Ideen für das neue Fernsehen aus dem Netz. Klar, neue Serien werden verlängert, produziert oder abgesetzt. Das Tagesgeschäft läuft weiter. Auch Innovationen gibt es nach wie vor, schließlich ist es normal, dass die Dinge auf den Markt kommen, die vor Monaten oder Jahren in Angriff genommen wurden. Aber im Hintergrund steht die große Innovationsmaschine im Westen der USA irgendwie still. Es ist noch gar nicht so lange her, dass das ganz anders war. Was ist anders? Ganz einfach: Es gibt einen neuen US-Präsidenten Donald Trump. Und nun ist anscheinend alles anders. Man diskutiert viel mehr über Politik als über neue Pläne und Vorhaben.

Macht gefälligst das, was wir euch sagen- oder haut ab. Das ist typisch für den neuen und ganz anderen Stil der Trump-Administration, hier beim "Press Briefing" im Weißen Haus von Sean Spicer sehr direkt zu hören. Eine Ansage an die zahllosen Mitarbeiter von US-Regierung wie Behörden und wohl auch an alle anderen "da draußen" im Land. Und in Hollywood, im Silicon Valley oder auch weiter oben in Seattle, wo Amazon zu Hause ist, wächst nach der ersten Schock-Starre unmittelbar nach der Wahl nun so etwas wie offene Wut.

Diese Woche hat die "Screen Actors Guild" in Hollywood ihre diesjährigen Preise vergeben. Im Gegensatz zu den kürzlich vergebenen "Golden Globes" war dieses Mal "Stranger Things" der Netflix-Sieger und "Chief Jim Hopper" David Harbour nutzte den "Acceptance Speech" zu einer fulminanten Tirade in Richtung Ostküste.

Schaut euch das Video an und schaut auf den Spick-Zettel in seiner Hand. Wie er erst langsam und dann immer mehr zu zittern beginnt. Der professionelle Schauspieler schauspielert nicht. Da brennt im Inneren ehrliche Wut. Man wolle sich nicht abfinden, man wolle jetzt "Monster jagen" und vielleicht auch manch einem "in die Fresse hauen". Es wird nicht gesagt, wer persönlich gemeint ist. Das Publikum hat aber eine klare Vorstellung. Und dementiert wird die nicht.

Amazons Chef Jeff Bezos will Trump mit rechtlichen Mitteln stoppen. Netflix-Chef Reed Hastings nennt Donald Trumps Handlungen "schädlich" für Netflix. Das sei so "unamerikanisch", dass es allen Mitarbeitern bei Netflix wehtue.

Die Web-Seite Breitbart, mittlerweile wohl so etwas wie das offizielle Sprachrohr der Trump-Administration, meldet stolz, dass 57 Prozent aller US-Amerikaner hinter den umstrittenen neuen Einreise-Regeln stehen. Das mag sogar stimmen. Es können auch 80 Prozent sein- kommt darauf an, wo man fragt. Kalifornien ist nicht Idaho. New York ist nicht Texas. Die USA sind ein tief gespaltenes Land.

Und nun? Wie weiter? Die "Zeit" hat in einem klugen Artikel gefragt: Was ist, wenn er doch Erfolg hat? Was ist, wenn er bleibt? Denn für die USA könnte eine Abschottung "nach draußen" wirtschaftlich durchaus kurzfristig erfolgreich sein. Nicht zufällig feiert die Wall Street gerade Rekorde. Aber auch dort fragt anscheinend niemand mehr nach dem "danach".

Also genau wie in der glamourösen Film- und Fernsehbranche anscheinend auch. Denn es gibt kaum eine US-Branche, die so sehr auf die Unterstützung der Politik angewiesen ist. Da ist das Thema Steuer-Subventionen. Die Netzneutralität. Die Bewahrung der Freiheit, zu sagen und zu filmen. was man will oder denkt. Der Schutz vor Drachen, die das nicht immer so sehen. Und nicht zuletzt das Wettbewerbs- oder Kartellrecht. Ist es Innovation oder muss es reguliert und zerschlagen werden? Kann man so oder so sehen. Von Amazon bis Google stehen da große Imperien auf sehr dünnem Eis. Und ein umtriebiger US-Präsident könnte den Ausschlag geben, ob es hält oder bricht.

Wie beim Krieg um die Kelloggs-Cornflakes wird es bei all dem keine Sieger geben. Die Trump-Fans bei Breitbart berichten stolz von der Kündigung ihres Netflix-Accounts. Nicht wegen dem Programm, sondern wegen David Harbour. Buddha empfiehlt bei allem und immer den Weg der "Mitte". Vielleicht müssen alle zusammen wie ein gebrauchter Atom-Brennstab erst einmal eine Weile ins "Abklingbecken". Aber wenn sie zwischen Idaho und Hollywood die Mitte nicht mehr finden, dann zerreißt es das Land.

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