Postfaktisch in Hollywood: IMDb will vor Gericht ihre Daten retten

Foto: IMDb

Es ist gut, dass die Welt endlich wieder postfaktisch wird. Wir mussten ja im trüben Zeitalter der Aufklärung leben. Aber Fakten sind böse. Fakten sind blöd. Die Prinzessinnen unserer Jugend, sie mussten sterben. Prinzessin Leia ist tot. Frühere Generationen hatten es da besser. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Dornröschen wird ewig leben. Nur postfaktisch ist die Welt wirklich gerecht und schön.

In Kalifornien gibt es seit September endlich ein Gesetz gegen blöde Fakten. Es hat den schönen Namen "AB 1637" und ist praktisch geltendes Recht. Darin steht, dass Filmschauspieler ihr Geburtsdatum verschweigen dürfen. Und auch verlangen können, das andere das tun. Der Grund dafür, so die Macher, sei das Verhindern von "Altersdiskriminierung".

Das leuchtet uns sofort ein. Avengers oder Guardians zum Beispiel sind alles Mögliche. Leicht reizbar und gern auch darüber hinaus psychologisch auffällig. Meinetwegen auch schießwütige Waschbären oder sprechende Bäume. Aber nur in seltenen Ausnahmefällen alt. Es gibt ein paar Mega-Stars und Ausnahmen, die dürfen auch altern. Aber die Hollywood-Durchschnittskarriere kennt ein Problem: Wenn der Geburtstermin zu weit weg ist, bleiben neue Rollen-Angebote schnell aus. Es wird sogar immer noch schlimmer. Traf es früher vor allem die Frauen, so macht der Jugendwahn heute vor keinem mehr Halt.

Nun gibt es "AB 1637" und alles wird gut. Nur die IMDb, Amazons "Internet Movie Database", sieht sich in Gefahr. Seit das Gesetz in Kraft ist, gab es schon 2300 Zensuranfragen für Altersangaben. Deshalb zieht das gigantische und für die Zukunft auch großen Profit versprechende Daten-Universum jetzt vor Gericht. Man glaubt, AB 1637 sei verfassungswidrig. Das muss nun das Gericht entscheiden. Aber die IMDb hat auf jeden Fall ein "AB 1637"- Problem.

Wer "Boston Legal" gesehen hat, kennt das bizarre Parallel-Universum in amerikanischen Gerichtssälen. Denny Crane und Alan Shore werden zu Ehren von "AB 1637" mehr als nur eine Zigarre auf ihrer Terrasse geraucht haben. Sie haben das neue Universum an Möglichkeiten gewiss sofort gesehen.

Aus Sicht eines Anwalts reicht ein schlichtes Verschweigen des Geburtsdatums einfach nicht aus. Schon die Erwähnung der Tatsache, dass Herr X im Jahr 1970 für den Film Y den jugendlichen Liebhaber gespielt hat, könnte ihm heute den Zugang zur gleichen Rolle verwehren. Ihn diskriminieren. Und damit (vor allem auch für Anwälte) sehr lukrative Schadensersatz-Prozesse begründen.

Dabei bringt das postfaktische Zeitalter doch neben neuen Problemen auch völlig neue Lösungen. Im neuen "StarWars Rogue One" (Achtung, Spoiler) tritt Prinzessin Leia, völlig von Altersdiskriminierung befreit, wieder auf. Nein, nicht die Carrie Fisher von "Star Wars: The Force Awakens". Die ganz normale Frau um die sechzig, die noch gewitzelt hatte, man habe eigentlich "nur zwei Drittel" von ihr gewollt.

In "StarWars Rogue One" ist Prinzessin Leia wieder jung, faltenfrei und höchstens zwanzig. Und es wurde nicht, so wie bei "Star Trek", einfach eine neue und passende Besetzung gesucht. Da spielt die junge Carrie Fisher mit- in echt.

Sogar Peter Cushing ist wieder als "Großmoff Tarkin" dabei. Obwohl er faktisch schon gut 20 Jahre länger als Prinzessin Leia tot ist. Aber Fakten sind blöd. Fakten sind böse. Postfaktisch ist in. Für Hollywood bringen jetzt digitale Avatare die Lösung. Niemand muss altern. Niemand muss sterben. Nur Denny Crane und Alan Shore werden grinsend fragen: Na, wie tragt ihr denn das nun diskriminierungsfrei in eure "Internet Movie Database" ein?

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