Netflix boomt wie noch nie- 100 Millionen Abonnenten in Sicht

Das "Terrace House Aloha State" eröffnet bei Netflix am 24. Januar. Foto: Netflix

Da sollte doch ein luxuriöser Hawaii-Urlaub außer der Reihe drin sein. Das "Terrace House Aloha State" eröffnet bei Netflix am 24. Januar und vielleicht fahren Reed Hastings und Ted Sarandos gleich mit. Netflix boomt, die Börsianer reißen sich um die Aktie- das vierte Quartal 2016 lag deutlich über den Erwartungen und beflügelt allseits die Phantasien.

Stolze 7,05 Millionen neue Netflix-Abonnenten kamen weltweit allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2016 ins "House of Cards", zu "The Crown" oder den "Stranger Things". Erwartet wurden eigentlich "nur" 5,2 Millionen- was ja eigentlich auch schon eine stolze Zahl ist. Jedenfalls wahrscheinlich mehr, als alle Streaming-Dienste inklusive Netflix in Deutschland insgesamt an Abonnenten aufweisen können. 5,12 von den 7,05 Millionen neuen Abonnenten waren übrigens Abonnenten von "außerhalb" der USA- das Wachstum finde, so Hastings, global in allen Ländern statt.

"Wir lernen sehr schnell, wie wir Content am besten mit den Zuschauerinteressen rund um die Welt zusammen bringen", so Netflix und so soll es weitergehen. Statt wie 2016 atemberaubende fünf Milliarden US-Dollar in neue Serien und Filme zu investieren, sind für 2017 noch atemberaubendere sechs Milliarden geplant, um die nun mehr als 89 Millionen zahlenden beziehungsweise fast 94 Millionen bereits angemeldeten Abonnenten zu erfreuen. Ja, die ominöse "100" ist nicht mehr weit. Laut Netflix-Plan noch nicht im ersten Quartal 2017- da stehen erst 99 Millionen drin. Aber, wenn alles gut geht, im zweiten Quartal wird es bestimmt so weit sein.

Es läuft also bei Netflix. Und wie. Aber warum? Ist zum Beispiel die teure Mega-Serie "The Crown" nun ein Flop, wie es "Symphony Advanced Media" gemessen haben will oder ein toller Erfolg, wie Netflix behauptet? Die Lösung ist ganz einfach: Sie ist wohl beides. Denn die "Zuschauerinteressen rund um die Welt"- sie sind verschieden. "Nur wenige Leute kommen zu Netflix für nur einen Titel", so Netflix-CEO Reed Hastings im "Earnings Interview" mit Analysten, "aber es gibt einen Wendepunkt, ein weiterer Titel von dem Sie hören, die sie zum Abonnement bewegt".

Genau das dürfte neben prestigeträchtigen Auszeichnungen der Erfolg von "The Crown" für Netflix sein. Die Serie hat neue Zielgruppen von Zuschauern zu Netflix gebracht, Zielgruppen, die bisher noch abseits standen. Und die bisherigen Abonnenten wurden dadurch nicht vergrault- sie wurden auch weiterhin mit ausreichend "frischem Material" nach ihrem Geschmack ebenfalls bedient.

Mittlerweile schafft Netflix sogar Dinge, die viele TV-Verantwortliche über Jahrzehnte für "unmöglich" erklärt hatten. Zum Beispiel gute, nicht englischsprachige ausländische Serien untertitelt (!) in die USA zu bringen und dort dafür "Millionen von Zuschauern" zu finden. So geschehen mit der brasilianischen Science Fiction-Serie "3%".

Selbst der Ärger von etlichen US-Altabonnenten, deren Preise im ersten Halbjahr 2016 an das "normale" Netflix-Niveau angepasst wurden- er hielt nicht lange an. Nach einer kurzen Abo-Auszeit seien viele von ihnen wieder da. Netflix fehlte ihnen mehr als "a few Dollars more".

Und die Konkurrenz? Na ja, so Netflix, Amazon Prime wäre ja jetzt auch weltweit verfügbar. YouTube sei nach Zahl der abgerufenen Minuten immer noch größer als Netflix. Immer mehr Video würde bei Facebook geschaut und selbst Apple habe ja vielleicht wieder was vor. Namentlich genannt wurden auch die OTT-Bemühungen rund um Kabel- und Satelliten TV, selbst das französische "Molotov.tv" und der geplante neue "iPlayer" der BBC wurden durch Erwähnungen im Netflix-Bericht geadelt. Ein erwähnenswerter deutscher Konkurrent fiel Netflix anscheinend nicht auf.

Für uns noch erwähnenswert: Aufregung gab es um die Prophezeiung im Bericht, HBO werde bald, so wie die BBC mit ihrem "iPlayer", Serien sogar auch vor der klassischen TV-Ausstrahlung zum Bingewatching per Stream bereitstellen. "Game of Thrones" zuerst im Netz? Tja- nicht nur in Westeros zerfallen einst mächtige Reiche und irgendwie wäre es logisch. Aber dafür ist die Zeit vielleicht noch nicht reif.

Auch Netflix sieht das Problem "Trump und die Netzneutralität". Und bestätigt gleichzeitig die Netz-TV-Einschätzung, man sei im Falle eines Falles wohl mittlerweile stark genug, auch so etwas zu überstehen.

Am besten gefällt mir die trockene Zusammenfassung des Standes der Dinge zum Schluss: "Im Jahr 2016 starteten wir weltweit (ohne China) und machten gute Fortschritte. Aber wir müssen noch viel lernen, um Netflix im Ausland so beliebt zu machen, wie es das in den USA bereits ist."

Weitere Erkenntnisse, also "Discoverys", gibt es (nicht nur mit Robert Redford) nach dem 31. März.

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