Fast zwei Drittel der US-Amerikaner wissen nicht, was "4K" bedeutet

Foto: Samsung

Sieht irgendwie ziemlich dick aus, der Fernseher- oder? Ja, das Foto ist mehr als zwei Jahre alt- aus der Zeit, als 4K-UHD-Fernseher erstmals in größerer Zahl im Weihnachtsgeschäft über die US-Ladentische gingen.

Wir leben alle in einer Filterblase.

Das wurde mir erst neulich wieder bewusst, als ich von einer älteren Dame gebeten wurde, bei der Besorgung eines neuen Fernsehers für ihr Zimmer im Pflegeheim zu helfen. Im Heim gab es auch einen sehr netten und hilfsbereiten Hausmeister. Ein Handwerker für alles, ihr kennt den Typ, ein Auskenner. Auch bei der Fernsehtechnik- ohne Probleme hatte er all die verschiedenen Geräte der Bewohner angeschlossen, verkabelt und zum Laufen gebracht. Das hört sich leicht an, meint ihr? Von wegen. Bringt ihr mal fünfzig verschiedene Flachbildschirme im Karton aus Asien so weit, dass Oma mit der Fernbedienung im Sessel ohne Probleme zu den Rosenheim-Cops findet.

Der Mann hatte also eine technisch und organisatorisch hoch komplexe Aufgabe zur Sicherstellung der Fernseh-Grundversorgung professionell gelöst- eine Aufgabe an der, davon bin ich überzeugt, viele angeblich Wissende mit Studien-Abschluss zumindest partiell gescheitert wären. Diese Männer, zum Glück gibt es noch viele davon, diese Männer, die zu jedem Flansch eine passende Buchse kennen- sie sind die wahre technische Elite, auf deren Schultern unser Land wirklich ruht.

Antennen-Kabel mit richtiger Abschirmung und dem passenden Stecker, Sender-Suchläufe auf kuriosesten Set Up-Ebenen, passende Farb- und Kontrasteinstellungen, die Tagesschau-Moderatoren weder zu Bluthochdruckpatienten noch zu Vampiren machen- alles kein Problem.

Natürlich hatte der Hausmeister auch eine fundierte Einkaufsberatung für neue Fernseher parat. Die basierte erst einmal auf einem unerschütterlichen Grundvertrauen zur Marke Samsung ( "die halten länger", früher war es vermutlich Grundig ) und einem tiefen Misstrauen zu "all diesem neumodischen Kram". Wobei "neumodischer Kram" ein Sammelbegriff für fast alle Themen von "Netz-TV" war, egal ob "HDplus", Streaming mit Netflix oder Amazon oder auch UHD-TV mit diesem HDR.

Was soll ich sagen: Die Installation des neuen Fernsehers war ein voller Erfolg. Für weniger als 300 Euro bekam die Dame einen Fernseher der "ist der aber groß"-Kategorie, schaute darauf am ersten Abend eine Karnevals-Prunksitzung auf einem öffentlich-rechtlichen Regionalsender und war komplett glücklich über "das schöne Bild".

Wir leben alle in einer Filterblase.

Das wurde mir dann heute wieder bewusst, als ich diese Meldung fand: Fast zwei von drei US-Amerikanern, immerhin 64 Prozent, wissen zwei Jahre nach der Markteinführung noch immer nicht, was "4K" bei einem Fernseher eigentlich bedeutet. Und bevor jetzt der deutsche Michel in uns wieder durchkommt ("ja, die Amis- die wählen ja auch Trump"): Ich bin mir nicht sicher, ob bei uns die Zahlen so grundlegend anders wären.

Nicht, weil die Leute da draußen dumm sind, wie wir Nerds und Technik-Fans es uns in unserer Filterblase gern einreden. Unser Hausmeister würde fragen: Brauche ich das? Muss ich das wissen? Und er hat nachvollziehbare und gute Gründe für die Antwort "nein".

Jeder Konsument ist anders. Jeder hat seine eigenen Prioritäten. Die alte Frau im Heim fand das tolle Panoramafenster im Zimmer mit Blick auf die Straßen ihrer Geburtsstadt ohnehin viel spannender als den Fernseher.

Was lehrt uns das? Ganz einfach: Alle, auch der Hausmeister und die alte Frau, wollen "ein schönes Bild" und ein "besseres Programm". Und Hersteller und Fernsehmacher, die ihnen das einfach liefern. So sind Konsumenten- es zählt das Ergebnis. Technik studieren und vergleichen tun viele nur zur Selbstverteidigung- um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Macht es simpler. Macht es besser. Und macht vor allem das, was der Konsument auch wirklich braucht. Das sind keine Pixel, kein HDR und nicht einmal OLED. Wenn sie auch ohne Fachbegriffe sehen können, dass Bild und Programm besser sind: Dann kommen sie schon.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: