DKB-Livestream zur Handball-WM: Die "Rüge" der "Anstalten" ist da

Foto: DKB / Sascha Klahn / DHB

Eigentlich ist alles schön. Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) war zur Sicherung einer Live-Übertragung von Spielen der Handball-WM kurzfristig als Rechteinhaber für den deutschen Markt eingesprungen. Insgesamt erreichten die Banker mit Hilfe von YouTube in zwei WM-Wochen über 18 Millionen Wiedergaben. Sicher war das Ganze nicht billig. Aber das ist eine solche Reichweite im Marketing nie.

Natürlich wurden die höchsten Abrufzahlen bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft erreicht. Beim Achtelfinale zwischen Deutschland und Katar am 22. Januar wurde mit 1.034.000 sogar die Marke von einer Million Zugriffen in der Spitze überschritten. Ohne deutsche Beteiligung im Finale gab es beim Endspiel in der Spitze immerhin noch 160.280 Zugriffe und fast eine halbe Millionen Wiedergaben insgesamt (genau: 490.478).

Also eigentlich ein voller Erfolg. Nur da war doch noch was...

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten hat in ihrer heutigen Sitzung in Stuttgart festgestellt, dass die Internet-Liveübertragung der Handball-WM der Herren durch die Deutsche Kreditbank (DKB) einer "rundfunkrechtlichen Zulassung" bedurft hätte. In verständlichem Deutsch: Man hätte für einen YouTube-Livestream die Genehmigung der rundfunkrechtlichen Obrigkeit, also der zuständigen Landesmedienanstalt, einholen müssen.

Das mag so sein. Aber es ist abgrundtief peinlich. Möglich, dass es in unserem Land noch immer Leute gibt, die es normal finden, dass ein simpler Internet-Livestream zum "Rundfunk" erklärt wird- nur damit von uns allen per Rundfunkbeitrag bezahlte Medienbürokraten in den "Landesmedienanstalten" ihn dann "zulassen" können. Das sind eigentlich alles studierte und intelligente Leute. Sie könnten also auch etwas Sinnvolles tun.

So klingt das dann, wenn Bürokraten außer Kontrolle geraten:

Mit der Beanstandung widerspricht die ZAK der Einschätzung der DKB, die ihr Projekt als anmelde- und zulassungsfreies Telemedium dargestellt hatte. Unbestritten stellte die Liveübertragung der Handball-WM-Spiele im Internet einen an die Allgemeinheit gerichteten linearen Informations- und Kommunikationsdienst dar. Die ZAK sah die journalistisch-redaktionelle Gestaltung der Übertragung kommentierter Handballspiele ohne Unterscheidung danach, ob es sich um deutsche oder englische Kommentare handelte, als eindeutig erwiesen an: Die journalistisch-redaktionelle Gestaltung eines Angebots entfällt nicht dadurch, dass ein Dritter die Rechte für eine Zweit- oder Parallelverbreitung in einem anderen Land erwirbt und das Angebot dort unter eigener Verantwortung verbreitet oder verbreiten lässt. Das gilt auch dann, wenn für die Zweit- oder Parallelverbreitung keine (weitere) inhaltliche Bearbeitung erfolgt und erst recht bei einem Handballspiel mit deutschen Kommentaren. Eine Unterscheidung zwischen Fernsehprogrammen und audiovisuellen Mediendiensten auf Abruf ist durch die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-RL) europarechtlich vorgegeben. Der Unterschied ist folgender: Ein audiovisueller Mediendienst auf Abruf besteht aus Inhalten, die ein Mediendiensteanbieter so bereitstellt, dass ein Nutzer sie beliebig aus einem Programmkatalog auswählen und das gewünschte Angebot zu einem von ihm selbst bestimmten Zeitpunkt abrufen kann. Ein Fernsehprogramm dagegen stellt Inhalte zur Verfügung, die ein Mediendiensteanbieter nach seinem Plan zusammenstellt und den Nutzern zu einem durch seinen Sendeplan vorgegebenen Zeitpunkt zum zeitgleichen Empfang anbietet. Einzelne linear verbreitete Sendungen sind laut Rundfunkstaatsvertrag aus dem Rundfunkbegriff ausgenommen. Angesichts der Vielzahl der planmäßig übertragenen Handballspiele war aus Sicht der ZAK nicht zweifelhaft, dass es sich um zulassungspflichtigen Rundfunk handelte.

Aha.

So werden wir gewiss die digitale Zukunft erobern. Als Hobbits mit Ärmelschonern im Gartenzwerg-Land.

"Dieser Fall endet nur deshalb mit einer Beanstandung, weil es ein außergewöhnlicher Einzelfall ist. In einem Wiederholungsfall muss damit gerechnet werden, dass ein Angebot schon im Vorfeld untersagt wird", so Siegfried Schneider, der Vorsitzende der ZAK. "Angesichts der zunehmenden Fälle von rundfunkähnlichen Internet-Streamingangeboten wird sich die ZAK in kommenden Fachausschüssen und Sitzungen verstärkt mit diesem Themenkomplex befassen. Hier wird es gegebenenfalls auch neue Regelungen geben müssen."

Ach nee. O weia. Jetzt fürchte ich mich. Das Bündnerfleisch ist also kein reines Schweizer Problem.

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