Achtung, Infektionsgefahr: Erstmals Smart-TV mit Schadsoftware infiziert

Screenshot: Twitter / Darren Cauthon

Es ist passiert. Zumindest ist dies der nach meiner Kenntnis erste öffentlich dokumentierte Fall. Smart-TV können mit "Ransomware" infiziert werden ( populistisch formuliert: irgendein Computer-Virus ) und dann hat man ein Problem. Vermutungen und Spekulationen gibt es ja schon sehr lange überall im Netz, aber wenig Konkretes. Und es sind ja auch, gerade in Deutschland, nicht wenige, die die "Smart-TV"-Technik grundsätzlich nicht mögen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hofften hier viele, der Konsument würde die Dinger gar nicht erst ans Internet anschließen. Das habt ihr nun davon, so werden sie sagen. Mein Traumschiff fährt noch ganz ohne diesen unnötigen Kram.

Diese Zeiten sind gefühlt unglaublich lange her und genauso lange her ist auch das Gerät, welches es nun getroffen hat. Infiziert wurde ein LG-Fernseher mit "Google TV", dem 2013 beerdigten Vorgänger von "Android TV". Also ein Smart TV-Betriebssystem, welches wohl vom Hersteller schon längere Zeit nicht mehr gepflegt und upgedatet, aber natürlich noch immer benutzt wird. Denn zum Glück für die Umwelt schmeißen wir unsere Fernseher noch nicht wie Smartphones alle zwei Jahre weg.

Darren Cauthen, nach eigenen Angaben Software-Entwickler, hat das Ganze zuerst vielbeachtet auf Twitter dokumentiert und bekam dann, wohl von aufmerksamen LG Social Media-Leuten, den Hinweis, das Gerät auf den Werkszustand zurückzusetzen- und vor allem auch die Information, wie das geht. Das hat er dann auch in einem YouTube-Video dokumentiert. Weil im Video der Erfolg nicht gleich sichtbar wurde, hat er noch ein Beweisfoto getwittert. Er ist den unbekannten Software-Angreifer also losgeworden. Alles wird gut.

Was lernen wir daraus? Nun, Smart-TV's sind mit dem Internet verbunden, mit allen daraus folgenden Vorteilen wie auch den Nachteilen. Wir müssen deshalb jetzt nicht hektisch versuchen, 57 verschiedene Virenschutz-Programme auf unseren Fernsehern zu installieren. Aber es gilt die grundsätzliche Regel im Umgang mit allen digitalen Dingen in dieser Welt: Erst denken, dann tun.

Die abgebildete "Ransomware" verziert den Bildschirm mit einer "FBI-Nachricht", der Fernseher sei gesperrt und müsse jetzt gegen Zahlung von 500 Dollar wieder "freigeschaltet" werden. Die "Nachricht" liegt aber "hochkant" über dem Bildschirm, was Rückschlüsse darüber zulässt, für welche Geräte die böse Buben ihre "Ransomware" eigentlich geschrieben haben.

Also keine Angst vor den "Smart TV"-Viren. Die Gefahr ist (noch) relativ gering. Eigentlich sollte jeder Smart-TV noch immer relativ simpel "auf Null" zurückgesetzt werden können. Aber klar ist auch: Immer mehr rudimentäre und veraltete Betriebssystem-Reste geistern da draußen durchs Netz. Und auch Smart TV-Software wird sehr schnell immer komplexer. Da kommt ein Problem auf uns zu.

Das ist aber kein Smart TV-Problem, sondern ein Generelles. Wo Leute vor den "Gefahren" ans Internet angeschlossener Fernseher warnen und gleichzeitig das "Smart Home" inklusive angeschlossenem Stromzähler und Heizung propagieren, da gibt es ein digitales Bildungsdefizit. Es sei denn, manche finden es wirklich schlimmer, plötzlich ohne Fernsehprogramm da zu sitzen, als ohne Heizung und Strom.

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