Weniger ist mehr bei Netflix? Nein: Exklusiv ist besser.

Foto: Netflix / JoJo Whilden

Das ist pure Mystery. "The OA" ist ungewöhnlich. Ein wenig Esoterik ist mit dabei, es geht auch um Nahtod-Erfahrungen. Aber die Geschichte von Prairie, die einst blind und verschwunden war und nach sieben Jahren mehr sehend als andere wieder auftaucht, die ist unglaublich spannend. Sie ist anders. Das will man sehen. "The OA" gibt es nur bei Netflix. Und genau dies ist das Netflix-Erfolgsprogramm.

"The OA" ist nur ein Beispiel von vielen. Ob "Stranger Things", "The Crown", die brasilianischen 3% oder das japanische "Midnight Diner" mit den "Tokyo Stories": Das gibt es so nur bei Netflix und sonst nirgendwo.

"Weniger ist mehr", das haben die renommierten Branchen-Analytiker von Goldmedia in ihrem aktuellen "Trendmonitor 2017" festgestellt. Von 2014 bis 2016 sei das Angebot von Netflix "um ein Drittel geschrumpft". Statt 1.609 Serien zählten sie nur noch 1.251. Die Zahl der Filme bei Netflix sank von 6.494 auf 4.065. Dies, so Goldmedia, sei eine Strategie. Die komplexe und kostspielige Rechtesituation für eine weltweit aktive Plattform würde dabei eine Rolle spielen. Im Radio funktioniere die Strategie der Angebots-Fokussierung ja auch- wenn auch selten bei Musikfreaks und Profimusikern, aber meistens gut für die Masse der Hörer. Nein, liebe Goldmedia-Fachleute, da liegt ihr falsch. Und noch toller treibt es die "Stiftung Warentest".

Die hat gerade in der üblichen Weise "Streaming-Angebote" verglichen. Und ermittelte ausgerechnet Maxdome als "Sieger", mit der trotzdem nicht besonders tollen "Note" von gerade einmal "2,8". Zweiter wurde Amazons Prime Video mit 3,0. Netflix schafft zusammen mit Telekom's Videoload 3,2. Sogar noch schlechtere Noten bekam Sky mit 4,0.

Mit 40 Prozent war bei dem "Test" die "Menge" des Angebots ausschlaggebend. So habe man bei Netflix "nur zwei von 120 gesuchten Spielfilmen gefunden". Ja klar. Wenn ich Kartoffelverkäufer vergleiche, ist es schon entscheidend, wie groß der Sack ist. Aber auch bei Serien und Filmen? Bezahle ich Netflix dafür, um Filme und Serien zu sehen, die tausend andere auch haben? Was für ein Quatsch.

Ja, Goldmedia hat Recht, die Fernsehsender wollten einst den neuen Konkurrenten bekämpfen, indem sie "Netflix die Serien wegnehmen" und so deren Angebot beschränken. Und ungewollt machten sie die neue Konkurrenz damit stärker denn je- es war für Netflix ein echtes Geschenk.

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