Völlig losgelöst: Apple soll aktuelle Kinofilme per iTunes streamen

Foto: Amazon © Warner Bros. Entertainment

Trotz eher vernichtender Kritiken waren die Superhelden der "Suicide Squad" an den Kinokassen dann doch die glorreichen Sechs. Jetzt sind die derzeit branchenüblichen nur noch 90 Tage des Kino-Monopols vorbei und ab 19. Dezember kann man sie bei Amazon Video zum Streaming kaufen oder leihen. Sicher auch woanders. Bei Google Play. Oder Apple iTunes. Oder meinetwegen den gefühlt tausend weiteren Anbietern von Maxdome bis Wuaki.tv.

Andere Blockbuster, wie zum Beispiel den letzten StarTrek "Beyond", kann man bei Amazon die ersten zwei Wochen nur kaufen und erst dann leihen. Es gibt verschiedene Strategien, um im unerbittlichen Preiskampf die maximale Zahl an Euros oder Dollars aus dem nach frischem Entertainment suchenden Zuschauer herauszuholen. Die Preise haben sich zum Streaming-Start bei 5 Euro für Leihen und 14 bis 17 für kaufen eingependelt. Nach dem Start geht es meist zügig bergab.

Da muss mehr gehen, so dachte sich wohl vor etwa einem Jahr der Milliardär Sean Parker. "The Screening Room" hieß sein Start-Up. Für schlappe 150 Dollar sollten sich die Kunden eine Streaming-Box kaufen und dann 50 Dollar für einen Film zahlen. Dafür hätte man dann Blockbuster sehen können- und zwar sofort, also dann, wenn die Leute den Film auch im Kino schauen.

Der Kampf um die Premiere zwischen Kino und Streaming ist für die Branche kein neues Thema. Aktuell hört man von "The Screening Room" nichts mehr. Dafür soll Apple jetzt interessiert sein. Laut Bloomberg sprechen sie mit den Studios. Sofort geht die Nachricht als große Welle durchs Netz.

Denn Apple ist anscheinend die Marke für Journalisten. Die haben immer noch iPhones und kennen sich aus. Jedes "Event" von dort wird begeistert verbreitet. Aber iTunes ist in die Jahre gekommen und irgendwie uncool. Warum, wieso- wirklich hinterfragen tut die Apfel-Ideen trotzdem immer noch so gut wie keiner. Aber alle kennen sich gut damit aus.

Sicher werden die Filmstudios mit Apple darüber reden. Warum auch nicht. Die Blockbuster aus den "Film-Universen" werden tendenziell immer teurer. Sie freuen sich über jede zusätzliche Einnahme-Idee. Nur: Schon am "zusätzlich" kann das Ganze schnell scheitern. 25 bis 50 Dollar für das Streaming von einem neuen "StarWars"-Film schon 14 Tage nach der Premiere- das würden etliche Fans sicher zahlen. Nur würde ein nicht geringer Teil des Geldes dann bei den Kinoeinnahmen fehlen. Im "zusätzlich" liegt das Problem.

Das ist aber noch lange nicht alles. Es wäre eine "Suicide Squad", zu glauben, andere große Verkaufsplattformen würden dieses Geschäft, so es in der Zukunft denn kommt, einfach Apple und iTunes überlassen und sich auf die "Resteverwertung" nach 90 Tagen beschränken. Das wäre vor Jahren vielleicht möglich gewesen. Zwar braucht Apple dringend auch ein "zusätzlich" für mehr Ruhe unter den Aktionären. Nur müssen die Filmstudios jetzt zumindest alle "Großen" gleich behandeln. Alles andere wäre "Suicide Squad".

Wenn die "Kinopremiere" daheim wirklich kommt, dann sind Apple und iTunes nur einer von vielen Anbietern. Das große Geschäft damit werden eher Amazon und die asiatischen Plattformen machen. Denn Apple hat schon viel früher beim "Apple TV" dieses Rennen verloren. "Exklusivität" können, wenn überhaupt, höchstens Marktführer verlangen. Das ist Apple beim Streaming TV längst nicht mehr.

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