Netflix will 2017 noch mehr produzieren- und den "Ultimate Beastmaster"

Foto: Netflix

Wir Ottonormal-Kapitalbesitzer stellen uns eine große Firmenübernahme ja in der Regel etwas naiv vor. Da kommt eben einer ins Chefbüro mit einem Scheck, auf dem irre viele Nullen drauf stehen. Dann wird vielleicht noch bei der Bank nachgefragt, ob das alles seine Richtigkeit hat. Und dann bekommt er den Schlüssel.

So ist es aber nicht. Es ist ja in der Regel nicht das eigene Geld, von dem an der Börse Firmen gekauft werden. Die großen Summen kommen von Investoren, Fonds, Geldverwaltern, Banken oder sonstigen Verrückten. Bevor sie kommen, gibt es viele Arbeitsessen, geheime Essen, vielleicht Partys in exklusivem Ambiente und vor allem: Sitzungen mit Präsentationen. Kein Mensch kauft eine Firma. Wenn sie kaufen, dann kaufen sie eine Idee.

Zuletzt wurde ziemlich viel über eine mögliche Übernahme von Netflix durch den Disney-Konzern diskutiert. Welche Idee könnte Disney da kaufen? Noch stärker zu sein im Imperien-Monopoly, natürlich. Mehr tolle Filme und Serien im Disney-Angebot und mehr Möglichkeiten, die vorhandenen Werke durch die gigantische weltweite Netflix-Abonnentenplattform an zahlende Zuschauer zu bringen. Und vielleicht sogar die Idee, einen geeigneten Disney-Chef für eine noch glanzvolleren Zukunft für die Enten mit dem Geldspeicher zu finden.

Was könnte den Verkauf einer solchen Idee stören? Natürlich zuerst die Aussicht, dass sie nicht funktioniert. Ted Sarandos, der mächtige "Content Chef" von Netflix, sagte dazu gerade: "Der Kauf durch eine größere Medien-Firma würde uns lähmen". Natürlich hat das alles nichts mit gar nichts zu tun. Auch wenn die Ansage vor Investoren auf einer "UBS Global Media and Communications Conference" kam.

In einem großen Medienkonglomerat, so Sarandos, würde eine Abteilung das Programm bestimmen, eine andere einkaufen aber nicht selbst verkaufen können. Das erzeuge Konflikte und Abstimmungsbedarf und "würde es uns schwer machen, zu bleiben, was wir sind". Sarandos sagte auch: Eine Konsolidierung sei in der Branche notwendig, da Pay-TV mit Problemen kämpfe und die Einnahmen aus der klassischen TV-Werbung in den USA sinken. Ja, ich glaube auch, uns erwartet ein spannendes Jahr 2017. Und das nicht nur in den USA.

Da widmen wir uns alle statt irgendwelcher Ideen doch lieber wieder dem normalen und gut laufenden Geschäft. Mehr als 1000 Stunden eigenes Programm will Netflix seinen Abonnenten 2017 laut Ted Sarandos bieten- das wäre doppelt so viel wie in diesem Jahr. Und ein neuer Schwerpunkt neben den bewährten Serien und Filmen werde "Unscripted" sein. Also Reality-TV wie der "Ultimate Beastmaster". Auch ein Deutscher wird bei der von Sylvester Stallone produzierten Show unter den Kandidaten aus sechs Ländern mitkämpfen. Netflix hat möglicherweise Ideen für Deutschland im kommenden Jahr.

20 "Unscripted Shows" werde Netflix 2017 produzieren. Die 2016 für eigene Produktionen ausgegebenen sechs Milliarden Dollar hatten ja schon für reichlich Branchenwirbel gesorgt. Die Konkurrenz bekommt keine Atempause. Für 2017 sind sieben neue Milliarden geplant.

Ted Sarandos will wohl nicht übernommen werden. Er hat noch jede Menge eigene Ideen. Vielleicht ein, vielleicht zwei Jahre muss der Streaming-Konzern noch bangen. Dann heißt die Frage vielleicht nicht mehr: "Wer übernimmt Netflix?" Sondern: "Wer übernimmt wen?"

Können Enten auch "Beasts" sein? Dann passt das ja mit dem "Ultimate Beastmaster" füt 2017 bei Netflix- irgendwie. Disney hat Darth Vader und immer mehr Jedis. Wie gesagt: Uns erwartet ein spannendes Jahr.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: