La La Land - Hollywood als Museums-Kulisse der globalen Filmindustrie

Screenshot: criticschoice.com

Gestern gab es drüben in Kalifornien "Critics' Choice Awards". Preise gibt es überall und man muss auch nicht über jeden berichten- aber die "Critics' Choice Awards" wurden in diesem Jahr sogar schon ein zweites Mal verteilt. Hollywoods Filmkritiker haben ihren Preis einfach nach vorn verlegt. Dann, so hoffen sie jedenfalls, werden sie im Reigen all der goldenen Globes, Emmys und goldenen was weiß ich noch mehr beachtet. Ihre "Auswahl" wird vielleicht im Rennen um den Preis der Preise, den "Oscar", eine größere Bedeutung finden. Wenn nicht: Es war sicher ein schöner Abend für alle, die da waren. Mit ganz viel "Networking". Was will man noch mehr.

Wie überall gibt es auch bei den Kritikern sehr viele Preise, "Game of Thrones" bekam was oder HBO's neue Serie "Westworld". Sogar das neue Netflix-Megaprojekt "The Crown" ging nicht ganz leer aus. John Lithgow wurde für seinen Churchill "bester Nebendarsteller in einer Serie". Eine Art Trostpreis? Auf jeden Fall besser als gar nichts und neue Promotion. Vielleicht gucken die "Netflixe" ja jetzt.

Wirklich neu und interessant am "Critics' Choice Award" ist aber nur der "beste Film". Denn "La La Land" ist sogar in der seltenen Übereinstimmung von Kritikern und Zuschauern großartig. Einer der ganz großen Favoriten für einen Oscar. Und weil "La La Land" so unglaublich toll ist, werden gerade weltweit sehr ungewöhnliche Entscheidungen getroffen. Der Oscar-Favorit kommt sogar in einige ausgewählte Kinos. Sicher meist kleine Kinos. Aber haltet Euch fest: Den nach Meinung von vielen besten Film des Jahres werden jetzt einige sogar wirklich im Kino sehen.

Das ist noch nicht alles- es kommt noch ultimativ härter. Denn "La La Land" ist ein Liebesfilm. Ein Liebesfilm ohne wirkliches Happy End. Und vor allem ist es eigentlich ein "Musical". Also so etwas wie einst "Singin' in the Rain" mit Gene Kelly. Hoffentlich ist der Santa Monica Boulevard jetzt nicht noch rissiger. Vielleicht lachen die "Transformers" irgendwo noch.

Denn "La La Land" ist ein Film, der so eigentlich gar nicht mehr geht. Und dazu auch noch mit echten Stars gut besetzt. Emma Stone hat als Freundin von "Spider Man" sogar schon einen festen Platz im Film-Business der Jetzt-Zeit gefunden. Ryan Gosling noch nicht. Aber ich wette, sie kriegen ihn noch.

Am Hollywood Boulevard wurden am Wochenende die Kulissen abgebaut. Nein, nicht die vom "Critics' Choice Award". Der war draußen in Santa Monica. Es waren die Kulissen der Premiere von "Rogue One: A Star Wars Story", sogar ein Düsenjet für Jedis stand in Lebensgröße da herum. Die neueste "Star Wars Story" wird jetzt in allen großen Kinos gezeigt. Kritisieren dürfen die Kritiker die Jedis erst einige Tage nach der Premiere. Dem echten Filmgeschäft der wuchernden Film-Universen sind die Kritiker wohl mittlerweile ziemlich egal.

Dwayne Johnson und Vin Diesel hatten sicher keine Zeit für Preise in Santa Monica. Okay, das sind Helden unserer Zeit. Helden, bei denen Filmkritiker sowieso stirnrunzelnd wegschauen und so gut wie nie Preise vergeben. Dwayne Johnson und Vin Diesel feierten statt dessen gestern mit mehr als drei Millionen Zuschauern bei Facebook live die Premiere eines Trailers (!) für "Fast & Furious 8".

Es ist längst egal, ob die Kritiker in Hollywood ihre Auswahl einen Monat früher oder später bekanntgeben. Das Publikum hat sie längst getroffen und die Kinos sind reserviert. Der wirkliche Oscar wäre ein Raum voll mit Jedi-Rittern, bekloppten Auto-Fahrern, Aliens und Avengers. "La La Land" ist ein wehmütig schöner Blick in eine Welt, die es längst gar nicht mehr gibt.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: