"Journalismus" zum Fremdschämen: Die ARD-"Tagesschau".

Screenshot: Facebook / Tagesschau

Eigentlich wollte ich dazu nichts berichten. Es ist alles gesagt und von allem zu viel. Die Tagesschau hat auch nicht berichtet. Jetzt gibt es dafür richtig Prügel- und zwar völlig zu Recht. Auch wenn es noch gute Freunde unter uns selbsternannten "Medien-Journalisten" gibt, die das Offensichtliche tapfer gegen jede Realität bestreiten. Am Sonnabend arbeiteten in der Redaktion der "Tagesschau" furchtbare Versager. Da hilft auch kein "Facebook LIVE" mehr. Hilflos versucht der Chef, zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Es gibt da eigentlich keine offenen Fragen mehr.

Denn dass privat finanzierte Journalisten Angst vor der Realität haben, dafür kann man bei der wirtschaftlichen Lage der Medien noch ein wenig Verständnis haben. Aber bei den mehr als reichlich mit Rundfunkbeiträgen ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Nachrichten-Flaggschiffen ist das ein bis auf die Knochen blamabler Skandal.

Wer es noch nicht weiß: Die Tagesschau hat am Samstag Abend die Aufklärung des Todes von Maria in Freiburg einfach verschwiegen. Weil der Fall, so die nachträglich bei Facebook veröffentlichte Begründung, nur "regional interessant" und das Verschweigen zum Schutz des 17-jährigen Täters ohnehin notwendig sei.

"Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen", soll Marie Antoinette einst im Hinblick auf hungrige Untertanen in Revolutions-Stimmung gesagt haben. Die Historiker meinen, das wär gar nicht wahr. So arrogant und weltfremd kann wohl nicht einmal eine französische Königin sein. "Die Tagesschau" anscheinend schon. Da bleibt jetzt uns nur der hilflose Wunsch, es wär gar nicht wahr.

Seit Monaten tobt die Diskussion um Asyl und Einheimische durch das Land. Seit Wochen speziell zum Thema Freiburg. Social medial hauen sich Millionen (!) rhetorisch die Köpfe ein. Die da kommen, sind das ultimativ Böse, so sagen es manche. Sie wollen eure blonden Töchter holen und töten. Sie sind in der Stimmung wie einst die Revolutionäre in Frankreich. Wer Marie tötete und warum- das wussten sie schon ganz genau vorher. Dann gibt es eine landesweit angekündigte Pressekonferenz der Polizei mit einem Ergebnis. Und scheinbar haben sie in allen Punkten Recht.

Der Haupt-Nachrichtensendung (!) des öffentlich-rechtlichen Fernsehens fällt dazu nur peinliches Schweigen ein. Genau an der Stelle, an der sie hätte ausführlich informieren müssen. Ihrer Aufgabe nachkommen. Berichten und einordnen. Statt dessen räumt die "Tagesschau" das Feld und überlässt es denen, die es schon immer gewusst haben. Das ist der schlimmstmögliche Verrat an allen, die an "socialen" und realen Stammtischen versuchen, die Reste der Zivilisation zu retten. Und die Tagesschau behauptet auch noch, das wäre richtig. Dazu fehlt mir eigentlich jedes passende Wort.

Mittlerweile sind wir soweit, dass eine 20 Prozent-Partei in Landtagen zumindest schon die Diskussion über ein Ende des Rundfunk-Staatsvertrags erzwingen kann. Was Medien wie "Breitbart", wenn sie denn wirklich kommen, mit solch toll qualifizierten "Journalisten" wie bei der Tagesschau machen, kann ich euch sagen. Sie werden sie in der Pfeife rauchen. Dann, wenn wir sie vielleicht einmal wirklich brauchen, wird ihnen niemand mehr glauben. Es bleibt der Wunsch, es wär gar nicht wahr.

Herr Gniffke, ich habe dazu keine Fragen mehr. Erklären sie mir, warum es gar nicht passiert ist. Oder machen Sie Platz für jemand, der diesen Job auch kann. Was jetzt kommt, ist keine gute Zeit für Schlafmützen. Das da ist ein Dokument grandiosen Versagens. Unter ihrer Verantwortung. Schauen Sie es sich an.



Update 17 Uhr.: Wie zu erwarten war, waren die "Antworten" von Kai Gniffke, wie die Tagesschau sagen würde, "nicht relevant". Dafür kann man live darunter beobachten, wie das Social Media-Team verzweifelt um eine für Herrn Gniffke erträgliche Kommentarspalte kämpft- unter Einsatz von allem, inklusive löschen, bearbeiten und Freundeskreis.

Update 2, 06.12., 15 Uhr: Es wird immer toller. Weil die Tagesschau alles richtig macht, wird es jetzt einen "ARD-Qualitätsmanager" geben. Also jemanden, der das macht, wofür Kai Gniffke bei der Tagesschau eigentlich bezahlt wird. Geld ist ja genug da. Der Tagesschau-Sender NDR blickt laut DWDL mit einem "geplanten" Fehlbetrag von 103.000.000 Euro für 2017 "optimistisch in die Zukunft".

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