"Heute-Show" und YouTube: Keine "Goldenen Vollpfosten" beim ZDF?

© ZDF

Ich mag Gernot Hassknecht. Wir sind uns mental ziemlich nah. Er sagt, was gesagt werden muss. Und er sagt es endlich mal klar.

Gernot arbeitet beim ZDF für die "heute-Show". Da verleiht Oliver Welke diese Woche im "Jahresrückblick" die "Goldenen Vollpfosten" für besonders herausragende Leistungen in diesem Jahr. Im Bereich "Netz-TV" hätte ich ihm im Vorjahr davon noch abgeraten. Egal welche Sparte und egal welcher Bereich- die "Goldenen Vollpfosten" hätten zum Thema Internet-Fernsehen oft im eigenen Haus verteilt werden müssen. Das ist 2016 anders. Es ist eines der Wunder des Jahres. Und nur wer öffentlich-rechtliche Strukturen kennt, vermag zu erahnen, wie groß dieses Wunder war.

Ob es an diesem "funk" liegt? Ein geheimer Know-How-Transfer? Denn anscheinend gibt es beim ZDF jetzt sogar etwas Kompetenz zum Thema YouTube. Jemand muss da erklärt haben, wie das funktioniert. Und noch mysteriöser: Jemand im Haus hat es begriffen. Und darf anscheinend sogar etwas tun, so dass geradezu Unglaubliches passiert.

"Wir senden im Internet mit der Mediathek und YouTube ist ein anderer Sender"- so war das öffentlich-rechtliche Verständnis bisher. Was eine "Plattform" bedeutet und eigentlich ist, verstanden sie nie. Die "Germanys Gold"-Idee wurde einst ganz schnell wieder begraben. Und "öffentlich-rechtliche" deutsche Inhalte auf diesen Amerikaner-Plattformen? Gott sei bei uns. Das geht doch nicht.

Seit kurzem nutzt die ZDF "heute-Show" das Content Management-System von YouTube, um die zahllosen illegalen Uploads und ihre Millionen von Abrufen dort zu bekämpfen. Und stellt sogar selbst eigene Inhalte auf die Plattform. Ich würde den Macher gern kennen lernen. Statt des "Goldenen Vollpfosten" hat er die unbedingt noch zu schaffende "Rettungsmedaille für öffentlich-rechtlichen Rundfunk" verdient.

Ja, noch müssen sie sich entschuldigen. "Liebe Leute", so schreibt der YouTube-Kanal der Show, "wir freuen uns sehr über die große Nachfrage nach unserer Sendung - das Problem ist: Rechte für Drittplattformen wie Youtube sind eine ganz andere Nummer als Rechte für eine Mediathek, die wir selbst betreiben. Das betrifft vor allem die vielen Clips von anderen Fernsehsendern (ARD, RTL...), für die wir hier schlicht keine Nutzungsrechte haben." Und man macht ordnungsgemäß Werbung per Link für die Mediathek: "Aber die ganze Sendung ist stets nur einen Klick entfernt!"

Die Frage der ungeklärten Rechte ist natürlich richtig und wichtig. Auf diesem Gebiet könnte man auch sehr viele "Goldene Vollpfosten" verleihen. Aber vielleicht müsste man bei "ARD, RTL..." nur danach fragen und die Plattform YouTube von Anfang an konsequent in die Planung mit integrieren. Zur Not vielleicht öffentlich-rechtlich systemgerecht tricksen. Dann ginge vielleicht vieles, was aus der Sicht eines Apparates immer noch völlig unmöglich scheint. Wenn nicht, und es unbedingt sein muss, dann pappt halt ein "funk"-Etikett drauf.

Ich würde sogar auf den Schalter für "Monetarisierung" bei YouTube drücken. Gott sei bei uns. Das geht doch nicht. Warum eigentlich? In Rundfunk-Staatsverträgen und öffentlich-rechtlichen "Aufträgen" ist das explizit sicher gar nicht verboten. Okay, vieleicht nur deshalb, weil die Macher beim vertragen und auftragen gar nicht wussten, was sowas ist. Und es mag sein, dass es da Regeln für "Werbung" gibt, die so auf den ersten Blick gar nicht passen. "Probleme" sind out. "Herausforderung" nennt man das jetzt.

Dann müsst ihr reden. Und ändern. Kann sein, dass das etwas dauert. Aber es ist besser, als Chancen zu verpassen, die zu verpassen einfach nur ein Zeichen für die Anwesenheit "goldener Vollpfosten" ist. Gebt den Zuschauern ein "Carpool-Karaoke" mit Gernot Hassknecht am Steuer. Sie werden es lieben. Und vielleicht irgendwann auch wieder Euch.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: