Good Girls Revolt- auch gegen Amazon

Foto: Amazon

"Die Amazon-Unternehmenskultur, das weiß jeder, ist hart und es ist kein guter Ort für Kreative. Sie sortieren manche Leute einfach aus." Dana Calvo ist sauer. Ziemlich sauer. Denn sie ist Produzentin der Serie "Good Girls Revolt" für Amazon- und die wurde nach Staffel eins von den Amazon-Studios einfach aussortiert. Und in der Branche gilt für alle Profis eigentlich das gleiche ungeschriebene Gesetz. Immer lächeln- egal, was passiert. Die maximal mögliche Kritik an Auftraggebern bei solch unangenehmen Entscheidungen ist normalerweise das Schweigen. Erwartet wird eigentlich ein begeistertes Dankeschön für die unglaublich tolle Zusammenarbeit.

Aber es geht eben nicht um irgendeine Serie. "Good Girls Revolt" ist einer der Sieger der Amazon Pilot-Season 2015 und wurde von Sony für die Amazon-Studios produziert. Es geht um Amerika in den 60ern. Die Welt erlebt eine kulturelle Revolution, aber in der Nachrichtenredaktion von "News of the Week" bleibt alles beim Alten. Nach tatsächlichen Ereignissen erzählt das "Amazon Original" aus einer Zeit, in der Journalismus noch eine Männerdomäne war- und von drei jungen Frauen, die sich dagegen auflehnen. Und irgendwie ist es 50 Jahre später jetzt wieder so weit.

"Good Girls Revolt" ist großes Serien-Kino und sogar Jim Belushi spielt mit. Die Ausstattung ist einfach toll und bringt die Swinging Sixties zurück. Und noch merkwürdiger ist: Symphony Advanced Media meldete die Amazon-Serie als Publikums-Erfolg. 96 Prozent drückten beim "Audience Score" von "Rotten Tomatoes" auf "like it". Auch das ist ein Spitzen-Wert.

Da klingt dieses Statement doch irgendwie komisch: "Wir hatten große Hoffnungen in die Serie gesetzt und haben großen Respekt vor den Schöpfern, dem Cast und Sony", so Joe Lewis, Amazon-Chef für, wie passend, "Comedy und Drama". "Aber ich kann Ihnen sagen, dass die Symphony-Zahlen falsch sind und dass die Show nicht auf den von uns erhofften Levels war - weder in den Zuschauerzahlen noch der Anzahl der Zuschauer, die sie komplett geschaut haben."

Dana Calvo jedenfalls stellt Amazon Studio-Chef Roy Price kein gutes Zeugnis aus. "Wir hatten nicht erwartet, dass Roy Price sich gar nicht um die Serie kümmert. Ich weiß nur, dass er in der Präsentation zur Staffel zwei gebeten hat, die Charaktere auf die Namen der Schauspieler zu beziehen, weil er ihre Rollen gar nicht gekannt hat."

Sony hat noch nicht aufgegeben und will die Serie weiter verkaufen. Richtig lustig wäre der Fall: Netflix greift zu.

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