"Die Rekruten": Warum die Bundeswehr als YouTuber manche so aufregt

Foto: Bundeswehr

Gut, dass "PewDiePie" die "Trends" auf YouTube Deutschland nicht sieht. Sonst schließt er seinen Kanal vielleicht sogar ernsthaft zu. Die deutschen YouTuber haben aber jetzt noch mehr Grund zum Jammern. Denn die Bundeswehr produziert anstelle von herkömmlicher und klassischer Rekruten-Werbung nun plötzlich YouTube-Videos. "Die Rekruten" heißt das dann und es ist eine Web-Serie. So weit, so gut. Viele Firmen machen das auch, nur ohne dass es irgendjemand bemerkt.

Bei "Die Rekruten" schaut aber ein Millionen-Publikum zu und spült die Videos bis hinauf in YouTubes umstrittene Trends. Knapp 270.000 haben in nur sechs Wochen den Youtube-Kanal abonniert. Rund eine Million Views am Tag hatte der Kanal in den ersten Wochen. Insgesamt etwa 30 Millionen Mal sind die Videos bisher aufgerufen worden. Was ist da los?

Ganz einfach: Die Videos sind wirklich grandios gemacht. Statt hölzern gestellter Szenen marschiert der Spieß mit dem Selfie-Stick selbst los und erklärt militärisch, was militärisch passiert. Das ist modern. Das wirkt authentisch. Da waren keine klassischen Werber, sondern da war die Zukunft am Werk.

Natürlich gefällt das nicht allen. Schließlich wirbt da die Bundeswehr um neue Soldaten. Der Friedensbewegung kann es, egal wie gut, prinzipiell nicht gefallen. Aber die Menge und Art der Kritik an diesem Projekt überrascht und sie hat manchmal einen recht schalen Nachgeschmack.

Wenn etwas gut gemacht und erfolgreich ist, aber man es trotzdem nicht leiden kann- na, dann kritisiert man eben die Kosten. Die Produktion der Serie kostete knapp 1,7 Millionen Euro, meldet die Bundeswehr. Und hält den Kritikern entgegen: Durch den Erfolg der Serie habe das Gesamtwerbebudget für Social Media von 6,2 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro reduziert werden können. Allerdings wurde der Erfolg der Serie auch mittels klassischer Werbung sichergestellt.

"Die Serie ist zum Pausenhofgespräch auf vielen Schulhöfen in ganz Deutschland geworden", so Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr im Bundesministerium der Verteidigung. "Und die kontroverse Diskussion zum Serienstart zeigt, dass den jungen Menschen die Bundeswehr gar nicht so egal ist, wie gerne behauptet wird. Die Zugriffszahlen auf das Bewerbungsportal 'Bundeswehrkarriere.de' sind seit dem Start der Serie um 40 Prozent angestiegen. Bei der Karrierehotline gehen mehr als 25 Prozent mehr Anrufe ein. Die Serie hat sich in der Zielgruppe der 17-bis 25-Jährigen fest etabliert. Wir trauen uns daher zu, trotz Sparsamkeit bei den Werbekosten unsere Ziele zu erreichen. Unser Dank gilt allen Fans von 'Die Rekruten', die die Serie so fleißig weiterverlinkt haben."

Warum fällt mir in diesem Zusammenhang ein, dass große Werbekunden mittlerweile so stark wie nie an der Effizienz ihrer Ausgaben zweifeln? Sich fragen, ob ihr teurer TV-Spot oder die teure Anzeige ihre Zielgruppe erreicht? Okay, staatliche Institutionen wie die Bundeswehr waren immer treue und ausgabefreudige klassische Werbekunden. Und "Die Rekruten" haben extrem erfolgreich eine mögliche Alternative mit "Content-Marketing" aufgezeigt.

Aber mit der Angst einiger Medien und Werber um ihre schönen Pfründe hat die Kritik an den "Rekruten" rein gar nichts zu tun. Die Kritiker sorgen sich doch nur um unser Steuergeld und den Weltfrieden. Schließlich haben wir die ständige Empörung wegen überteuerter Zeitungsanzeigen noch alle im Ohr.

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