Das Jahr 2016 öffentlich-rechtlich: Danke für Nichts



Vor zwei Jahren kursierte kurz vor Silvester die Idee der Abschaffung des Rundfunkbeitrags. Dazu stand hier als "Jahresabschlussbeitrag": Gelesen, gelacht, gelocht. So war der Stand laut "Netz-TV" vor nun schon immerhin zwei Jahren:

"Ja, es gibt "gute Gründe" für eine Reform des deutschen Rundfunksystems. Sie wäre sogar dringendst erforderlich, um große Teile der deutschen Medienindustrie und damit sehr viele Arbeitsplätze für Kreative vor dem zu retten, was über die offenen deutschen Internet-Grenzen zu uns kommt und vor allem in naher Zukunft noch kommen wird. Weil Wettbewerbsfähigkeit notwendig wäre, die auf Grund fehlgeleiteter Ressourcen und eines aus analogen Zeiten übrig gebliebenen kindlichen Glaubens an "Regulierung" des Marktes für Bewegtbild-Entertainment zunehmend unmöglich wird."

Tja. Wir feiern morgen Silvester 2016. Es ist noch genauso, nur schlimmer. Die Kritiker, die die "Anstalten" für "nicht reformierbar" halten, sie behalten anscheinend Recht. Das Traumschiff beherrscht kein Wendemanöver. Die Kapelle spielt weiter lustige Lieder und der Kurs sucht den kürzesten Weg in Richtung Riff.

Auf der Brücke hofft man jetzt verstärkt darauf, dieses Internet irgendwie einzugrenzen, um Konkurrenz zu beschränken und zu verbieten. In einem Industrieland des 21. Jahrhunderts. Darauf ein fröhliches "gelesen, gelacht, gelocht" 2016. Und weiterhin guten Flug.

Derweil kracht es im Maschinenraum längst ganz gewaltig. Trotz schwindelerregender Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag fehlt Geld. Das Schauspiel erinnert an den alten DDR-Witz mit der Frage, was passiert, wenn man das SED-Politbüro in die Sahara verbannt. Die Antwort war: Jahrzehntelang nichts- aber dann wird der Sand knapp. So funktioniert eine reformunfähige Struktur.

Der Rundfunkbeitrag wurde im Oktober nicht, wie eigentlich nach den Regeln erforderlich, noch einmal um ein paar Cents gesenkt. Man "wolle Rücklagen schaffen", um eine zukünftig sonst erforderliche zu starke Erhöhung zu verhindern. So so. Schon Tage später beschlossen etliche Anstalten Haushalte mit "geplantem" Defizit für 2017. Die "Rücklagen" werden längst für unglaubliche Pensions-Verpflichtungen gebraucht und geplündert. Die hoffen und beten nur, dass wir auch die nächste Erhöhung widerstandslos bezahlen. Es geht nur noch darum, den Moment irgendwie hinauszuschieben, in dem es knallt.

Ja, die AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, so wie er ist, abschaffen. So weit weg, wie viele noch denken, ist das gar nicht. Für die Torpedierung des Rundfunk-Staatsvertrages reicht möglicherweise eine Regierungsbeteiligung in nur einem der Bundesländer. Entsprechende (noch) aussichtslose Anträge aus der Opposition heraus wurden in diesem Jahr erstmals in Länderparlamenten gestellt. Meine düstere Prognose aus den Erfahrungen dieses Jahres heraus ist aber: Es braucht gar keine AfD für ein Ende mit Schrecken. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland implodiert aus systembedingter Ineffizienz in absehbarer Zukunft ganz von selbst.

Denn, obwohl die Traumschiff-Kapelle noch fröhlich spielt, mehren sich bedenkliche Zeichen. Nicht nur die des Geldmangels- obwohl die Ideen zur verstärkten Abzockerei beim Beitragszahler wohl aus wachsender Verzweiflung immer skurriler werden. Das IOC ist ein fragwürdiger Verein, ja. ARD und ZDF haben Olympia verloren. Und noch immer fragt sich dort niemand, warum selbst das nicht gerade jugendliche Olympia-Gremium die tolle deutsche öffentlich-rechtliche Berichterstattung für nicht mehr zukunftsfähig hält.

Sich die Zukunft per teuer eingekauftem "Gutachten" bescheinigen zu lassen oder sich gleich selbst "wissenschaftlich" zu bestätigen, dass alles in Ordnung sei- es wird nicht mehr lange weiterhelfen. Realität ist real. Und die Realität ist ein immer mehr verlotterndes öffentlich-rechtliches Programm-Angebot aus Hosenträger-Horsten, billigen Fließband-Krimis, Degeto-Seifenopern und Talkshows, die das Land erschrecken, falls dort wirklich einmal etwas außer Publikums-Sedierung passiert.

Gab es 2016 irgend etwas, was wenigstens eine kleine Hoffnung auf Besserung verspricht? Vielleicht "funk", das neue und "junge Angebot"? Nein. Oder? Nein, definitiv nicht. Schaut euch dieses Interview von "turi2.tv" an. Sophie Burkhardt, Vize-Chefin von "funk", ist eigentlich noch jung. Längst denkt sie nur noch in vorgegebenen Schienen, wie Gremien halt denken. Diese Frau ist also eine wichtige Hoffnung im öffentlich-rechtlichen Kampf gegen Google und Facebook. Es ist ungerecht, ja. Denn jeder kann nur in einem ihm vorgegebenen Rahmen handeln. Aber es ist aussichtsreicher, eine 80-jährige Oma zur Olympiade zu schicken. Es muss nur jemand dabei sein, um ihr vor dem Stadion über die Straße zu helfen.

Danke für Nichts, liebe Gremien und Intendanten. Für alle, denen ein funktionierender öffentlich-rechtlicher Rundfunk auch in der Zukunft wichtig ist, war 2016 ein völlig verlorenes Jahr.

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