Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Januar

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse Foto: Netflix

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse? Ist das Januar-Programm eigentlich nicht. Es fängt stark an und steigert sich bis zum Schluss, versprochen. "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" von "Lemony Snicket" (alias Daniel Handler) ist ein etwas düsterer Kinderbuch-Klassiker und Netflix hat ihn als Serie verfilmt.

Überhaupt: Bei Netflix im Januar sollte man Kind sein. Egal, wie alt. Der "legendäre Verteidiger Voltron" geht in die zweite Staffel. Jede Menge Disney-Filme von "Die Schöne und das Biest" bis "Schlümpfe 2". Zum "Duell der Magier" gesellt sich noch "Hannah Montana und Miley Cyrus - Best of both World's Concert". Wer eine Tochter im dazu passenden Alter hat: Haltet sie fern davon, so lange es geht. Hannah-Miley ist wie ein Atomkraftwerk. Ja, es hat Strom und die Lampe brennt hell. Aber die Nachfolgekosten sind unkalkulierbar und ruinös.

Und für uns Erwachsene? Wir sind noch lange nicht dran. "Degrassi: Next Class" liegt irgendwo dazwischen und bekommt die dritte Staffel. "Atlantis - Die Rückkehr" und "Bedtime Stories" mit Adam Sandler sind B-Ware von Disney. Kann man sich anschauen. Muss aber nicht sein. Aber Disney, Disney, Disney... bahnt sich da etwa doch eine neue Freundschaft an?

Weiter geht es mit "Shadowhunters - The Mortal Instruments". Da gibt es bei Netflix ab Januar jede Woche eine neue Folge von Staffel zwei. Die Serie beruht auf den "Chroniken der Unterwelt". Also für Teenies. Lustig ist: Das ist eine Constantin Film-Produktion (!) für den ABC-Kabelsender "Freeform" und wird uns in Deutschland als "Netflix-Original" verkauft. Und es geht immer noch weiter: "Riverdale" ist eine Mystery-Serie auf der Basis von Comics. Auch die ist nur bei uns "Netflix Original" und für die Zielgruppe "Teens". "Coin Heist" ist ein neuer Netflix-Film und es geht um (Überraschung!) Highschool-Teenies. So langsam bin ich reif für "Clinical". Auch das ist ein neuer Netflix-Film und er handelt von einer Psychiaterin mit eigenen Traumata. Das passt.

So, jetzt aber endlich für uns: "The Investigator: A British Crime Story" erzählt uns genau das, was uns der Titel verspricht. "One Day at a Time" ist Sitcom mit Exil-kubanischem Hintergrund und Sitcom mag ich schon bei Amazon nicht. Gibt es etwas, was ich noch weniger mag? Na klar, "Reality TV". Auch diese Pest geht jetzt bei Netflix los und heißt "Terrace House Aloha State". Wenigstens steht das "Terrace House" (also der Big Brother-Container) in einem Luxus-Resort auf Hawaii. Mal sehen. Ich eher nicht.

In "You Me Her" erwartet uns eine lustige Dreiecksbeziehung in Serie. Kennt ihr Apple-"Fanboys"? Für die könnte die Netflix-Eigenproduktion "iBoy" der ultimative Film sein. Tom wird darin durch ein aus dem 30. Stock herabfallendes iPhone 3GS am Kopf getroffen. Bei der anschließenden Operation können nicht alle Teile des Smartphones entfernt werden. Durch die Technik, mit der er nun verwachsen ist, entwickelt er außergewöhnliche Fähigkeiten. Mit einem Android-Handy wär das gewiss nicht passiert.

Okay, es gibt noch jede Menge "Stand Up"-Komödianten zu sehen, aber das Beste an Netflix im Januar sind doch die zugekauften Filme. Sogar ein deutsches Werk ist dabei- Dieter Hallervorden hat ab dem 24. Januar dort "Honig im Kopf". Mit "American Sniper" und "Avengers: Age of Ultron" gibt es echte Blockbuster und mit "Letters from Iwo Jima" auch ein Meisterwerk von Clint Eastwood. Er zeigt die Schlacht um Iwojima aus japanischer Sicht, nachdem er vorher in "Flags of Our Fathers" das gleiche Ereignis aus US-Perspektive auf die Leinwand gebracht hatte.

Aber nun zu Amazon. Schon wieder müssen wir danke sagen. Der Film aller Filme kommt im Januar ins Prime-Angebot. "Apokalypse Now", und zwar in der letzten, der "Redux"-Fassung. Drei Stunden dauert das und noch etwas dazu. Da ist dann alles drin, was die wohl irrsinnigste Produktion aller Zeiten zu bieten hat. Marlon Brando, ein noch völlig knitterfreier Harrison Ford und der Ritt der Hubschrauber-Walküren, natürlich. Leider bin ich zu alt, um so lange vor dem Fernseher zu knien.

Mit "Ex Machina" gibt es ein weiteres Meisterwerk- ein sehr neuzeitliches mit einer atemberaubenden künstlichen Intelligenz. "13 Hours", der brandaktuelle Polit-Thriller zum Thema Benghazi. Bryan Cranston, also Walter White himself, ist "Trumbo". Etwas Grusel mit "Die Frau in Schwarz 2". "Pitch Perfect 2" und ein Film für die Frankreich-Freunde mit "Verstehen Sie die Béliers?" Ron Howards neue Beatles-Dokumentation mit bisher nie gesehenem Material der Firma Apple. Nein, nicht die Firma Apple, sondern die echte "Apple Corps Ltd." aus dem Jahre 1968- an die irgendeine Computer-Klitsche mehrfach Millionen wegen Verwendung des Firmennamens gezahlt hat.

Amazon soll übrigens Amazon heißen, weil der Amazonas bei der Gründung als der größte Fluss der Welt galt. Vielleicht hat der schlaue Jeff Bezos damals auch schon bedacht, dass Flüsse niemals Klagen einreichen. Auf jeden Fall ist das "Prime"-Spielfilmangebot im Januar erste Sahne. Und die öde Selbstverstümmelei bei "Saw I - VII" hätte es da gar nicht gebraucht.

Auch Eigenes kommt von Amazon zu Prime. Natürlich vor allem erst einmal die deutsch synchronisierte Fassung der Staffel zwei des "Man in the High Castle". "Mozart" ist nicht nur "in the Jungle", sondern jetzt auch schon in der dritten Staffel. "Falling Water" hat bei Amazon Deutschland-Premiere und "Blindspot" hat Amazon nach der sicher weitgehend unbemerkten Premiere bei "Sat.1 emotions" ziemlich exklusiv.

Staffel neun von "The Big Bang Theory", fünf Staffeln "Shameless" und Staffel sieben von "Navi CIS LA" runden das Prime-Serien-Angebot ab. Ein starker Monat für Amazon. Netflix wird es beruhigen, dass man ab Februar einen "Ultimate Beastmaster" hat.

Ein Rennen aber haben Netflix und Amazon zusammen verloren: Die erste deutsche für Streaming-Plattformen produzierte Serie kommt von keinem der beiden- sondern von Maxdome. "Jerks" mit Christian Ulmen und Fahri Yardim startet am 26. Januar.

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