"Wataha" und die arrogante Ignoranz nach Osten - Europa kann Serie (7)

Screenshot: HBO Europe

Ralph Herforth heißt eigentlich Ralph Schwachmeier und wurde einst in Herford geboren. Er ist ein vielbeschäftigter Schauspieler in der öffentlich-rechtlichen deutschen Billigfilm-Massenproduktion. Wobei "billig" in diesem Fall eher auf die Inhalte als auf die Kosten zutrifft. Zur Zeit ist er unter anderem als neuer "Zoodirektor" und Gegenspieler der edlen "Tierärztin Dr. Mertens" im ARD-Hauptprogramm zu sehen. Und sicher in zahllosen Wiederholungen regional rund um die Uhr.

Es gibt eben eine Reihe Gesichter, die gehören dazu und dürfen dann auch mal mit dem Traumschiff nach Samoa. Sie sind nicht wie der da. Sie kennen die Welt. Bis Samoa. Und bis Leipzig. Da spielt die ARD-Seifenoper "Tierärztin Dr. Mertens". Und die, die danach kommt, "In aller Freundschaft". Leipzig ist über viele Autobahnen sehr gut erreichbar. Danach endet für viele die Welt, die sie kennen. Dahinter ist "Osten". Ein unbekanntes Terrain hinter neuen und virtuellen Mauern. Da gibt's nichts zu sehen. Aus dieser Welt kommen höchstens Neandertaler. Wahrscheinlich haben die noch gar keinen elektrischen Strom.

Arroganz, Ignoranz und völlige Ahnungslosigkeit sind für deutsche Medienmacher zu diesem Thema wohl die politisch korrekte Regel. So, wie sie eben Ralph Herforth geradezu musterhaft im Gespräch mit dem "Sachsen" Uwe Steimle demonstrierte- kürzlich, im "Riverboat".

Hier dagegen war kürzlich zu lesen, für ein besseres Programm zu geringeren Kosten könnten öffentlich-rechtliche Anstalten ja zum Beispiel auch kooperieren. Unter anderem mit Ländern wie Polen. In den Gremien würde man für diese Idee wahrscheinlich eher ausgelacht. Polen? Das kommt ja noch hinter Leipzig. Sogar hinter Dresden. Und nur heimlich, weil politisch unkorrekt, werden nicht wenige denken: "Haben die überhaupt schon Strom?"

Da deutsche Überheblichkeit und Arroganz nun wieder allseits zum "Mainstream" geworden sind in unserem Land, kümmern sich jetzt eben andere "ums Geschäft". Fernseh-Europa im Osten, das früher sehr viele deutsche Produktionen konsumierte, wird so langsam zum "HBO-Land". Das ist schade. Da wären so viele Potentiale zu finden. Selbst Ralph Herforth ist sicher einst mit "Pan Tau" oder dem "Maulwurf" groß geworden. Wahrscheinlich hält er beides heute für eine ARD-Produktion.

HBO produziert in Polen gerade die zweite Staffel "Wataha". Für deutsche Fernsehzuschauer also eher ein "Wat" als ein "aha". Unsere kleine TV-Welt endet eben irgendwo hinter Leipzig. Wir wissen genau: Weiter östlich gibt es bestimmt nicht mal Strom. "Blinded by the Lights" soll nun die zweite Staffel "Wataha" heißen. HBO Europe will die "lokale Produktion" weiter stärken. Und glaubt sogar, solche Serien "begeistern" auch ein internationales Publikum. "Geblendet vom Licht"? HBO arbeitet im dunklen Polen bestimmt mit zu viel Strom von eigenen Generatoren. Viel zu teuer. Das haben sie nun davon.

Die erste Staffel von "Wataha" spielt an der polnischen Ostgrenze in den Beskiden. Für Medienmacher steht hier, was "Beskiden" ist. Es gibt einen Bombenanschlag, bei dem Offiziere einer Grenzschutzeinheit getötet werden. Aufklärer wollen aufklären was war und andere wollen es nicht. Das ist jetzt nichts so umwerfend Neues. Neu ist, dass die polnische Fernseh-Serie "Wataha", sicher auch dank HBO, qualitativ deutlich besser und moderner ist als eine deutsche Durchschnittsproduktion. Viele wollten das sehen. In Polen. Aber selbst in Großbritannien lief die Serie "Wataha" schon.

Schon beim bulgarischen "Undercover" habe ich mich sehr über die Ignoranz der deutschen Einkäufer geärgert. Aber okay, "Undercover" war nur sehr spannend und auf liebevolle Weise altmodisch erzählt. Für Zuschauer: Vier Staffeln davon sind bei Amazon immer noch "Prime". Und für Amazon: Vielleicht will Sky bei "Wataha" ja nicht "Home of HBO" sein. Fragt doch mal nach. Bitte synchronisiert die Serie und stellt sie dann rein. Es wäre sehr wertvoll für Deutschland, zu sehen: Sogar in den Beskiden haben sie jetzt Strom.



Update 05.01.17: "Wataha" gibt es jetzt bei "Sky KRIMI". Na, wenigstens was.

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