Verloren im Kliemannsland? "funk" sucht noch nach dem Weg.

Foto: funk / Stefan Hoederath

Erfolge, Erfolge, Erfolge... Natürlich ist auch "funk", das neue "junge Angebot" von ARD und ZDF, irgendwie ein Erfolg. Seit dem Start am 1. Oktober erzielten die Inhalte von funk auf allen Plattformen insgesamt etwa 25 Millionen Views, so "Programmgeschäftsführer" Florian Hager heute auf der ARD-Intendantenkonferenz in München. Aktuell haben alle funk-Kanäle auf YouTube und Facebook zusammen ca. 1,27 Mio. Abonnenten (Mehrfachabonnements sind möglich). Die funk App wurde 100.000 Mal heruntergeladen. Ist das nun ein Erfolg?

So ganz sicher ist sich Florian Hager da vielleicht auch nicht: "Die positiven Reaktionen zum Start haben uns natürlich gefreut, uns ist aber auch bewusst, dass wir uns nicht darauf ausruhen dürfen. In den ersten Wochen haben wir gelernt, dass es kein eingängiges Erfolgsrezept für Reichweite im Netz gibt. Wir wollen zusammen mit unseren Nutzern daran arbeiten, unser Angebot zu optimieren sowie auszubauen."

"Kliemannsland" mit Fynn Kliemann ist sicher ein Erfolg und steht mit seinem funk-YouTube-Kanal schon allein für mehr als sechs Millionen Abrufe. Fynn Kliemann war aber schon vorher mit seinem eigenem Kanal eine große YouTube-Nummer und hätte "funk" vielleicht gar nicht gebraucht. Andere "funk"-Projekte wie "Jäger und Sammler" sind dagegen beim Publikum offenbar durchgefallen.

Dann gibt es noch Serien mit David Hasselhoff, Fargo und mit "Wishlist" ein wirklich interessantes eigenes Webserien-Projekt. Das ist für die eingesetzten Rundfunkbeitrags-Millionen eigentlich noch zu wenig. Oder doch nicht? Keine Ahnung. Eigentlich ist mir nicht einmal klar, was denn überhaupt zu erwarten wäre. Und gefühlt, statt offen gesagt, bin ich da gar nicht allein.

Machen die Macher was falsch? Nein. Es sind wohl eher, wie erwartet, die Tücken des Apparats. Wenn "funk" sich nach ein paar Wochen mit Abrufzahlen und "Reichweite" schon vor den Intendanten verantworten muss, dann wird das nichts. Sie werden noch stärker bei Facebook, YouTube und Co. auf die Jagd nach noch mehr "Views" gehen. Und keine Zeit mehr haben für den einzigen Sinn des Projekts.

Was könnte öffentlich-rechtlicher Rundfunk für Millennials sein? Wozu könnten sie ihn brauchen? Darüber nachzudenken und zu experimentieren- nur dann hat "funk" einen Zweck. Fynn Kliemann kann helfen, dass die Experimente von der Zielgruppe auch bemerkt werden. Aber selbst das ist nicht sicher. Denn im Finden ist die Zielgruppe unschlagbar. Sie finden das, was sie brauchen und was sie interessiert. Und der Rest? Der kann weg.

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