Man muss es halt können. "The Crown" bei Netflix ist da.

Foto: Netflix /Alex Bailey

Sie ist da. "The Crown" ist auf Netflix. Und die Welt jubelt. Jetzt gibt es auch eine britische Version des "House of Cards" und schließlich ist sie auch nicht überraschend zu uns gekommen, denn genauso ist es ja schon lange von den Netflix-Verantwortlichen angekündigt. Und mit Elizabeth II. hat die neue Serie natürlich auch eine positivere Identifikations-Figur als Präsident Underwood, die sich dazu noch uns Zuschauern auf einer viel opulenteren Bühne präsentieren kann.

So weit, so gut. Aber die eigentliche Nachricht ist: Es ist gelungen. Sicher werden wieder viele Kritiker bedeutungsschwer nachfragen, ob "The Crown" nicht viel schöner ist, als es irgendeine Realität jemals gewesen sein kann. Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist: "The Crown" ist einfach großartiges Fernsehen, nein, eher schon Kino für zu Hause und allerbeste Unterhaltung dazu. Und genau das und kein Lehrbuch für Geschichte sollte die Serie ja auch sein.

Gut 100 Millionen Euro soll "The Crown" Netflix gekostet haben- und man sieht das auch. Großartige Schauspieler, großartige Ausstattung und auch ein Drehbuch, das lebt. "Kunst kommt von Können- sonst hieße es ja Wunst" war ein Lieblings-Kalenderspruch meines Opas und genau das ist der Punkt. Geld allein genügt nicht. Man braucht das KnowHow, es zu machen und genau dies ist bei Netflix offensichtlich auch da. Und wenn es auch nur das KnowHow ist, das Geld statt an gut vernetzte Freundeskreise an die zu geben, die es machen können. Das ist nicht selbstverständlich. Hierzulande schon gar nicht. Auch nicht in den USA.

Spannend wird es sein, zu sehen, ob die Rechnung dieses Mal aufgeht. Das Netflix-Publikum ist jung und schaut eher "Stranger Things" oder Marvel statt "House of Cards". Genau wie Präsident Underwood ist aber auch "The Crown" ein eher für eine zumindest etwas ältere Zielgruppe verlockendes Serien-Angebot. Das ist aber genau die Zielgruppe, in der Netflix noch die meisten Abonnenten-Reserven zu gewinnen hat.

Denn genauso soll es bei Netflix weitergehen- immer mehr und immer aufwändigere eigene Produktionen sollen noch größere Scharen an Zuschauern weltweit zum Abo locken. Das große Spiel wird auf Kredit finanziert. Wie eine Autofabrik ihre Maschinen, so bilanziert Netflix auch seine Serien. Man schreibt die Produktionskosten als Investition über Jahre hinweg ab.

Gerade hat man sich an der Börse eine neue Milliarde Risiko-Kapital für das Content-Rennen besorgt. Nach den guten letzten Quartalszahlen war das auch einfach. Aber das kann auch mal schief gehen. Und dann stürzt man ab.

Im Moment aber sieht das noch richtig gut aus. "The Crown", das steht praktisch schon fest, war ein gewinnbringendes Investment. Obwohl oder gerade weil die Serie so teuer war. Man muss es halt können. So wie Netflix. Elisabeth, wir wissen es, sie wird Königin. Und auch für Netflix ist die Krone im weltweiten Reich der Bildschirme fast schon zum Greifen nah.

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