In der Tat? Stellt BILD "Die richtigen Fragen"?

Screenshot: YouTube / BILD

"In der Tat". Das sagt Ali Aslan anscheinend gern, wenn ihm der Text fehlt. Zusammen mit Anna von Bayern moderiert er die Internet-Talkshow "BILD stellt die richtigen Fragen". Ja, sie heißt wirklich so. Die Talkshow und auch die Anna. Sie ist eine "Prinzessin von Bayern" aus dem Hause Sayn-Wittgenstein. Das ist immerhin deutscher "Hochadel". Regieren tut sie aber zur Zeit nicht, sondern ist "journalistisch" tätig bei BILD. Und dabei auch schon einmal aufgefallen, mit einer liebevollen Hymne auf Karl-Theodor zu Guttenberg unter dem Label "Biografie". Ja, der Baron mit der "Doktorarbeit". Und, welch Zufall: Auch bei der Premiere von "BILD stellt die richtigen Fragen" war der "Fast-Kanzler" mit Antworten wieder dabei.

Es sind solche Kleinigkeiten, die es schwer machen, ein eigentlich tolles Projekt zu loben. Weniger die vorhersehbaren technischen Kinderkrankheiten, wenn das Videoteam einer Zeitung so eine Talkshow macht. Sie müssen unter der Leitung von gestandenen Print-Journalisten arbeiten. Die sind dann wichtig und haben zu allem eine unbedingt zu berücksichtigende Meinung. Nur keinerlei Ahnung, was die da machen. Ich weiß, wovon ich da rede. Aber zurück zum Thema. Talkshow bei BILD- bemerkenswerte Anfänge gab es da ja schon.

Ja, Ali Aslan war am Anfang etwas nervös. So ist Premiere. Vor allem, wenn man als Zeitung ins Neuland aufbricht. Eine Talkshow ohne die beim "richtigen" Fernsehen vorhandene gewaltige und teure Ton- und Studiotechnik im Hintergrund. Dazu echte Live-Schaltungen mit ganz simpler und störungsanfällger Internet-Bildtelefonie. Also Skype oder sowas. Bis hinein zum österreichischen Außenminister Sebastian Kurz direkt ins fahrende Dienstauto. Der ist offensichtlich der letzte Talkshow-taugliche deutschsprachige Politiker. Alle wollen von ihm jetzt Meinungen zu allem haben. BILD bekommt ihn. Es ruckelt. Trotzdem ist das die Talkshow-Zukunft. Wäre es zumindest, wenn...

Es ging übrigens um Trumps Wahlsieg bei "BILD stellt die richtigen Fragen". Am Mittwoch, sehr früh, als die Ergebnisse noch nicht einmal vollständig waren und Anne Will, Maischberger, Lanz, Illner oder sonstige Dampfplauderer des "Alt-Fernsehens" noch schliefen. Anschauen lohnt sich- so sieht Medienzukunft aus.

Nur vielleicht nicht bei "BILD". Denn die hatten schon drei Jahre vor "Dazn" die Fußball-Bundesliga im Internet. Und haben die eigentlich tolle Idee in den Sand gesetzt. Na ja- Print-Journalisten  und bewegte Bilder. Vergesst es. Und jetzt sind sie wieder vorn. Es könnte so toll sein- Talkshow im Netz, dann wenn etwas passiert und mit Leuten, die echt etwas wissen. Man kann sie jetzt live zuschalten von überall her. Das ist interessant. Das ist spannend. Aber nicht so wie bei BILD. Statt die Möglichkeiten zu nutzen, verfolgen die da nur irgend eine Agenda. Prinzessin Anna holt ihren Lieblings-Baron aus der verdienten Vergessenheit. Von der "FDP" muss auch immer einer dabei sein. Warum, das weiß vermutlich selbst bei BILD keiner mehr. Und der Rest- nun ja, ihr wisst schon.

Irgendwann merkt es jeder Zuschauer und fühlt sich vor lauter Agenden vergessen. Und schaltet dann ab. Ich hätte gern Journalismus. Gibt es eigentlich einen deutschen Michael Moore? Und wenn ja: Würde man ihn in eine echte deutsche Redaktion reinlassen? Ich warte. Und warte noch ab.

"BILD stellt die richtigen Fragen" gibt es ab sofort jede Woche live auf der Webseite, YouTube und Facebook.

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