"Fargo" kommt zu ZDFneo- und online zu "funk"

Martin Freeman ist Lester Nygaard in Staffel 1 von "Fargo" Foto: ZDF / Chris Large

"Fargo" ist mehr als ein Film. Fargo ist mehr als eine Serie. Es ist ein ganz spezielles Film-Universum, in dem sich an einem grauen November-Tag die ganze philosophische Sinnlosigkeit unseres Daseins perfekt widerspiegelt. Wir alle sind Fargo. Denn wir alle glauben doch wider besseren Wissens, wir hätten zumindest teilweise unser lächerliches Leben in diesem surrealen Kosmos im Griff.

Hab ich das nicht schön gesagt? Ihr Feuilletons dieser Welt, ich nehme gut dotierte Aufträge gern an. Aber nun zum Thema. Die Serie "Fargo" ist, was bis dahin eigentlich als unmöglich galt, fast so gut wie der Film der Brüder Ethan und Joel Coen aus dem Jahr 1996. Bei uns ist sie ein "Netflix-Original". Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Die Produktion des US-Kabelsenders FX Network ist bei uns nur an Netflix verkauft. Und deshalb jetzt, immerhin zwei Jahre nach der Premiere auf Netflix, nun auch im "Free-TV" bei ZDFneo zu sehen. Also ohne Zuzahlung außer dem Rundfunkbeitrag. Und dazu noch werbefrei.

Martin Freeman spielt in der ersten Staffel den schüchternen Versicherungsvertreter Lester. Der trifft mit gebrochener Nase in der Notaufnahme auf den Berufskiller Lorne Malvo (Billy Bob Thornton). Der wiederum tötet für ihn dann irrtümlich Sam Hess, seinen mobbenden Schul-Feind. Und Lester im ersten echten Wutanfall seines Lebens seine furchtbare Frau. Polizistin Molly Solverson (Allison Tolman) untersucht das alles, auch gegen Widerstände. Auf ihre ganz eigene Art. Mehr Spoiler muss hier nicht sein.

In Staffel zwei wechselt der surreale Kosmos "Fargo" ohnehin zu anderen Personen in einer anderen Zeit. Bis das dann ins Free-TV kommt, ist aber sicher noch Zeit.

Wir haben ein echtes Netflix-Programm! So dachte man wohl öffentlich-rechtlich. Das passt zu ZDFneo. Und in die junge "funk"-App in dieses Internet. Schon ist es passiert. Das Grauen für die Privaten beginnt. Die öffentlich-rechtlichen greifen nach den ganz großen US-Serien. Und stellen sie dann unter der Tarnung "Jugendkanal" online zum Streaming ins Netz für frei.

Wer von uns Zuschauern die erste Staffel Fargo noch nicht gesehen hat: Unbedingt anschauen. Ab heute immer donnerstags auf ZDFneo. Und danach ist Lester in der "funk"-App des "jungen Angebots" von ARD und ZDF online verfügbar. Wie lange, das wird vom ZDF (noch?) nicht verraten. Das verdient Beobachtung. So wie das neue "junge Angebot" insgesamt auch.

Bisher ist "funk" vor allem das erwartete YouTube-Geblödel auf der Basis von Rundfunkbeitrag. Aber es ist noch zu früh für ein abschließendes Urteil. Denn ein wenig ist es auch ein surrealer Kosmos des Unvorhersehbaren wie "Fargo". Mindestens zwei- oder gar dreimal habe ich sogar wirklich gelacht.

Und "Wishlist", die "junge Angebots-" Serie finde ich ehrlich bemerkenswert. Die Story, na klar, ist für Teenies. Aber wie das "in Szene" gesetzt wird, das ist wirklich anders. Die Macher haben die großen Vorbilder "von drüben" gesehen. Und kopieren nicht einfach, sondern setzen die neuen Ideen mit viel Liebe zum Detail und frischen Ideen auch an der passenden Stelle ein.

Es besteht also noch Hoffnung. Wir alle sind Fargo. Da weiß man nie, was als nächstes passiert. Wechselt die Macher von "Wishlist" doch einfach mal bei den "Rosenheim-Cops" ein.

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