Epischer Auftakt: "The Grand Tour" und Amazon gegen das Fernsehen

The Boys Are Back. Foto: Amazon

I can see clearly now, the rain is gone. I can see all obstacles in my way... Eigentlich sind wir bei Netz-TV seit gestern mit Amazons "The Grand Tour" fertig. Aber das ist geradezu episch. Wenn es die epische Form des herausgestreckten Mittelfingers überhaupt gibt.

Gerade ist Jeremy Clarkson aus dem Londoner Bürohaus herausgetreten und steht im Regen. Er gibt seinen Mitarbeiter-Ausweis einem Portier, der ein betretenes Gesicht macht, steigt ins Taxi und fährt zum Flughafen. Das Radio vermeldet sein Aus als Moderator. Er fliegt nach Los Angeles ins sonnige Kalifornien. Dort erwarten ihn ein "Top Gear"- gerechter Mietwagen, ein positiver Wetterbericht, die leere Autobahn- und die passende Musik.

Gone are the dark clouds that had me blind. It's gonna be a bright, bright Sun-Shiny day. 
I think I can make it now, the pain is gone... Der Blickwinkel der Kamera auf das fahrende Traum-Auto weitet sich. Von hinten schließen zwei weitere Traum-Autos zu Clarkson auf und setzen sich auf die freien Spuren rechts und links neben ihm. Am Steuer sitzen Richard Hammond und James May. Man lacht sich zu, grüßt und freut sich.

"All of the bad feelings have disappeared. Here is the rainbow I've been praying' for. It's gonna be a bright, bright Sun-Shiny day." Die drei Herren geben Gas und es geht hinaus in die platte Wüste. Und plötzlich sind sie nicht mehr allein. Jede Menge offensichtliche PS-Freaks mit den merkwürdigsten Fahrzeugen vereinen sich mit den drei Herren zu einer Art fröhlichem "Mad Max"-Konvoi, der zusammen an einer aufgebauten großen Bühne mit zahlreichen Zuschauern ankommt. Begeisterter Emfang für May, Hammond und Clarkson. Sogar eine stattliche Fliegerstaffel donnert im Formationsflug über das Event.

Na ja, werden die Kritiker sagen. Das ist ja gar nicht "The Grand Tour", sondern "Burning Man" in Nevada. Macht nichts. Man sei ja jetzt im Internet und könne es nun sogar mit Pferden oder Hunden treiben, so Clarkson. Da sind sie wieder, die gewohnt unkorrekten Witze. Und dann geht es rein ins Zelt, zur neuen Show.

Für die BBC-Leute muss es sein wie ein weiterer Faustschlag. Und auch was danach kommt, bessert es nicht. Denn es ist das alte und von vielen Fans weltweit vermisste "Top Gear"- nur noch besser. Sofort rollt eine Welle der Begeisterung durch das Netz. Fast 200 Millionen US-Dollar zahlt Amazon für 36 neue Folgen. Und das sieht man. Es ist ein PS-Porno mit ganz großen Bildern. Und herrlich schlechten Witzen. Nehmt das, ihr verknöcherten alten Fernsehsender. Das habt ihr nun davon.

Amazon meint es viel ernster, als es dort viele noch glauben. Und es ist nicht nur der Aufruhr um "Top Gear". Gerade hat Amazon Robert de Niro und Julianne Moore unter Vertrag genommen. 160 Millionen darf die neue Serie für zwei Staffeln mit je acht Folgen kosten. Dafür kommt nun sogar ein Robort de Niro ins Amazon-Fernsehen und zurück im Mafia-Kostüm.

In Australien gehen gerade die IP-Schranken für Amazon Prime Video hoch. "The Grand Tour" soll ab Dezember in "200+" Ländern laufen. Die globale Expansion von Prime Video ist nicht so ganz einfach. Das sah man schon so bei Netflix- streamen allein reicht nicht, man braucht auch für alle Länder die Rechte. Aber die schaffen das schon.

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