Die Mauer ist weg: YouTube und die GEMA haben einen Friedensvertrag

Sceenshot: YouTube

Ruhe sanft. Aber bleib weg- wir werden dich nicht vermissen. Die berühmt-berüchtigte YouTube-Sperrtafel für Deutschland muss sterben. Die Musik-Mauer ist weg. Und es tut uns kein bisschen leid. Selbst in wichtigen Nachrichtensendungen wird die Sensation heute verkündet: YouTube und die GEMA haben sich geeinigt. Auf Twitter habe ich beide Parteien sogar schon als Vorschläge für den Friedens-Nobelpreis gelesen. Aber die allgemeine Freude im Netz auf viel mehr Musik ist vielleicht etwas verfrüht.

Ab sofort und auch rückwirkend, so die GEMA, werden deren Mitglieder nun für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken auf der weltweit reichweitenstärksten Online-Video-Plattform vergütet. "Nach sieben Jahren zäher Verhandlungen markiert der Vertragsabschluss mit YouTube einen Meilenstein für die GEMA und ihre Mitglieder", meint Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der Verwertungsgesellschaft. "Unserem Standpunkt, dass Urhebern auch im digitalen Zeitalter eine angemessene Vergütung zusteht, sind wir trotz aller Widerstände treu geblieben. Entscheidend ist, dass der jetzt erzielte Lizenzvertrag sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit abdeckt. Mit diesem Abschluss können wir unseren Mitgliedern die Tantiemen sichern."

Die Höhe der Vergütung sei "angemessen". Mehr wird darüber nicht gesagt. Sicher wird sie nicht so hoch sein wie die oft genannten 0,375 Cent pro Video-Abruf. Das große "aber" aber wird bleiben. Denn so niedrig, dass bei den auf der YouTube-Plattform gängigen Werbepreisen ein Geschäftsmodell übrig bleibt, welches sich dann auch für YouTube rechnet- so niedrig kann sie kaum sein. Und auch weiterhin bestehen unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen YouTube und der GEMA darüber, ob YouTube oder die Uploader für die Lizenzierung der genutzten Musikwerke verantwortlich sind.

Warum war eine Einigung trotzdem jetzt plötzlich möglich? Ganz einfach: YouTube will mit "Red" auch nach Deutschland. Der Idee, dass bei einer kostenlosen "Plattform" der Uploader für Lizenzen verantwortlich ist, können viele Richter ohne Problem folgen. Bei einem per Abonnement finanzierten Dienst jedoch sicherlich nicht.

Und da steht es auch schon im "Kleingedruckten": "Die Vereinbarung deckt neben dem herkömmlichen werbefinanzierten Dienst auch den neuen Subscription-Service ab, den YouTube bereits in den USA anbietet und der auch in Europa starten soll."

Mit der aus Sicht von YouTube weiterhin bestehenden Verantwortung der "Uploader" kann man dann sicher die GEMA-Kosten der freien und werbefinanzierten Plattform ganz prima steuern. Bis irgendwann die wichtigen Künstler alle hinter der "Red"-Schranke sind.

Freuen wir uns aber erst einmal auf ein YouTube Deutschland ohne Schranken und dann auf die neuen Angebote von "YouTube Red". Sollen wir uns freuen? Ja. Es werden nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen und hier und da wird es auch Geld kosten. Aber der Weg in die Zukunft des Streaming ist damit für einen weiteren wichtigen Anbieter endlich frei.

Thomas Theune (Direktor Sendung und Online der GEMA) erklärt es uns hier noch einmal ganz genau:

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