Der Fuchs und die Trauben- Netflix und Amazons "The Grand Tour"

Jeremy Clarkson auf "The Grand Tour" für Amazon Foto: Amazon

Die Geschichte vom Fuchs und den Trauben soll der Grieche Äsop zum ersten Mal so vor ungefähr zweieinhalbtausend Jahren aufgeschrieben haben. Weil er die zu hoch hängenden Trauben nicht erreichen kann, erklärt der Fuchs, er wolle sie gar nicht haben- weil sie zu sauer sind.

Die alten Griechen sind lange tot und sie wissen natürlich rein gar nichts über unsere heutige Welt. In der hat gerade "The Grand Tour" auf Amazon ihre zweite Runde gedreht und dabei über lange Strecken auf einem Trainingsgelände für "Special Forces" in Jordanien eher an Monty Python als an das alte "Top Gear" erinnert. Und man war dazu auch noch wenig zimperlich im Umgang mit Englands Allerheiligstem, auf einer "Rettungs-Mission" für die "Queen".

"The Grand Tour" ist eine teuer produzierte Show, auch in Teil zwei war das wieder zu sehen. Amazons großer Streaming-Rivale Netflix hat ebenfalls gerade eine neue und sehr teure neue Show am Start. Auch mit der "Queen". Während Amazon über seine neue Programm-Perle sofort Erfolgsmeldungen in alle Welt jubelt, war es zum Thema "The Crown" bis auf ein paar unautorisierte Schwarzmessungen bisher recht still. Messungen seien wichtig, so der "Content Chief" von Netflix, Ted Sarandos, gegenüber dem "Telegraph". Und ergänzend: "Aber nicht in einem kurzen Zeitraum gemessen. Das Publikum muss nicht am ersten Wochenende schauen- es ist okay, wenn die Leute im Laufe der Zeit erscheinen." Das stimmt. Nur Analysten werden es niemals verstehen.

Auch zu "The Grand Tour" hatte Ted Sarandos etwas zu sagen. "Wir kannten den Wert der Show. Wir wollten sie haben, definitiv, aber wir hatten schon jede Saison von 'Top Gear' in den meisten Regionen der Welt und damit ein besseres Gefühl als die meisten, wie das Publikum auf 'Top Gear' auf unserer Plattform reagiert." Das soll vielleicht heißen: Nicht so, dass die Tour so viel Geld wert wäre. Aber auf einer E-Commerce-Plattform, die manchmal sogar schon Autos verkauft, vielleicht schon.

160 Millionen soll die Show laut Amazon gekostet haben. Mal sagt man, es wären Dollar. Mal sagt man englische Pfund. Ted Sarandos ist beides zu wenig. Er schätzt die Kosten der Tour für Amazon auf eine viertel Milliarde Dollar. "Wir werden später herausfinden, was es war, was die Show zur Show machte. Es wird bei der Grand Tour interessant sein, zu sehen, welchen Anteil daran die Darsteller haben, die in vielen Fällen große Persönlichkeiten sind. Aber welche Elemente von Top Gear werden die Leute vermissen?"

Gar keine, so würde Jeremy Clarkson vermutlich antworten. "The Grand Tour", so witzelt er, sei einfach "Top Gear"- nur im Zeugenschutzprogramm. Und er bestreitet auch die kursierenden Zahlen. "Sehe ich etwa aus, als verdiene ich 300 Millionen im Jahr?". Amazon habe viel weniger bezahlt, als Netflix den Leuten glaubhaft machen wolle. "The Grand Tour" sei auch nicht annähernd so teuer, wie manche sagen würden.

Auch zu seiner Person wollte Clarkson gegenüber CNN noch etwas klarstellen: "Ich will nicht umstritten sein, es passiert einfach. Ich sag manchmal irgendwas und denke dann nur: 'Oh, nein.'"

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