Auf Plätzen, im Netz und "Echo": Amazons "The Grand Tour" schlägt ein.

Foto: Amazon

Ein roter Toyota Prius ragt an einem der belebtesten Plätze der Hauptstadt, dem Hackeschen Markt, senkrecht in die Luft, das Heck tief in den Boden gebohrt. Vom verlassenen Fahrzeug hängt das personalisierte Nummernschild "H4MMOND". Amazon bewirbt "The Grand Tour", die morgen startet, massiv auf vielen Kanälen. Sogar das Klebeband der Pakete weist auf die neue Show hin. Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May können sich freuen. Das einstige "Top Gear" der BBC mit den Herren musste sich global erst herumsprechen. "The Grand Tour" hat noch keine Folge "gesendet". Trotzdem weiß die ganze Welt schon davon.

Autos schlagen auf in Berlin, London oder Los Angeles. So weit, so gut. Ist halt Werbung. Für Amazon. Es ist aber noch lange nicht alles. Das soll mehr als nur eine "Show" werden. Amazon plant mit den drei Herren ein globales und digitales Event.

Für global braucht man mehr als eine Handvoll Länder mit "Amazon Prime Video". Gestern traten die drei Herren vor die "social mediale" Kamera. Mit einer "Message" für ihre Fans. Man habe Post erhalten. "Screw you", habe da jemand geschrieben. Das ist nicht ganz einfach zu übersetzen. Google entscheidet sich für "fick dich ins Knie". Der böse Fan wohnt in einem Land ohne Prime Video. Und ist sauer, weil er nicht zuschauen kann. Da gibt es noch viele. Genauer: Bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich alle. Ab Dezember soll man nun in "200 und mehr" Ländern "The Grand Tour" von den Amazon-Servern streamen können. Ihr wollt es- ihr kriegt es. Clarkson, Hammond und May sind jetzt mehr als nur Auto-Tester. Sie sind Testimonials für Amazon.

Die "nicht-Primer" bezahlen kein Abo. Zu ihrem finanziellen Beitrag zur Deckung der nicht geringen Kosten der Show habe ich so eine Ahnung. Amazon Video kann ja auch Werbung. Vielleicht nicht gleich. Aber ganz gewiss bald: "The Grand Tour" wird gar keine Amazon Prime-Show. Sondern globales, werbefinanziertes Amazon Free-TV on demand. Das ist aber immer noch lange nicht alles. "The Grand Tour" bekommt auch ein eigenes "Echo". Und da wird es wirklich interessant.

Alle Geräte, in denen "Alexa" drin ist, bekommen mehr von "The Grand Tour". Also auch die "Echos". Man muss die speziellen "Skills" nur einschalten. In den USA kann, wer es es schnell macht, sogar was gewinnen. Und dann melden sich die Stimmen der drei Herren beim Kunden im Wohnzimmer über die "Alexa Voice Services" persönlich. Mit einer "Vorschau" auf die Shows am Donnerstag. Und einem "Rückblick" a'la Clarkson, Hammond und May am Samstag danach. Amazons "künstliche Intelligenz" soll Fans bedienen und erschaffen, die "wirklich mit auf Tour sind". Was für ein Experiment.

"The Grand Tour" wird die Welt noch nicht verändern. Zumindest nicht gleich. Es wird auch nicht alles funktionieren. Sonst wären es ja auch nicht gerade diese drei Herren. Wie die Show wirklich wird, weiß noch keiner. Aber die Medienwelt sollte aufmerksam zuschauen. Da wächst etwas Gigantisches zusammen. Wir werden in Zukunft nicht mehr werben, verkaufen und zuschauen wie früher. Und einen kleinen Blick in diese neue Welt zeigt uns "The Grand Tour" nun schon.

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