ARD und ZDF verlieren Olympia.

Ein historischer Handschlag. Foto: obs / Discovery Networks Deutschland / Christophe Moratal

Also doch: Zumindest für Deutschland war es ein für das Fernsehen historischer Handschlag. David Zaslav, CEO von Discovery Communications besiegelt mit IOC-Präsident Thomas Bach den Deal über die europäischen Fernsehrechte für Olympia. Damals, Ende Juni, bestand für die öffentlich-rechtlichen Anstalten ja noch die Aussicht, dass es irgendwie doch weitergeht so wie immer. Gegen viel Geld aus Rundfunkbeiträgen sollten doch dafür ausreichende "Sublizenzen" zu haben sein.

Das ist jetzt vorbei. Eurosport, und damit rein privates und gewinnorientiertes Fernsehen, wird für Deutschland von den nächsten Winter- und Sommerspielen berichten. Die Geschichte von BAMTech hat jetzt ihren Sinn. Was das für eine Zeitenwende ist, kann man bestenfalls schon erahnen. Olympia ist nicht einfach nur Sport. Es war zumindest einmal die Welt-Arena für den neuen Krieg der Systeme und Länder. Mit Einmarsch, Fahnen und Gold für die Sieger. Und natürlich live übertragen vom staatlichen oder "öffentlich-rechtlichen" Sender. Das haben wir nun davon: Jetzt wird einfach jeder Spitzensport zum simplen Showbusiness.

Eurosport 1, so wird uns versprochen, werde in Deutschland "jeden bedeutenden deutschen Olympia-Moment" im Free-TV übertragen. Und für "Superfans" gäbe es "uneingeschränkten Zugang zu jeder einzelnen Minute der Olympischen Spiele"- auf allen Geräten, immer und überall. Aber beim zweiten Satz fehlt schon das "free". Und Eurosport 1 in HD ist demnächst "HDplus".

Die Verbreitung der Olympiade werde umfassend sein und "übertreffe die Anforderungen des IOC sowie die rechtlichen Vorgaben". Die Fans könnten sich auf die beliebtesten deutschen TV-Experten und Sportreporter freuen- perfekt in Szene gesetzt dank Eurosports "ausgewiesener Live-Kompetenz" und "prämierter Sportberichterstattung".

Zudem wolle man "die lange Olympia-Tradition im deutschen Fernsehen fortführen" und insbesondere die junge Generation für die Olympischen Spiele begeistern- und das nicht nur durch eine umfangreiche Free-TV-Berichterstattung, sondern vor allem durch Live- und On Demand-Angebote auf allen Geräten, so Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland. "Als weltweit führendes Unternehmen im Storytelling freut sich Discovery insbesondere auf die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie den Einzelsportverbänden, um gemeinsam die außergewöhnlichen Leistungen der deutschen Olympioniken auf ihrem Weg zu olympischem Erfolg ins Rampenlicht zu rücken."

"Eurosport wird erhebliche Investitionen tätigen, um den Zuschauern in Deutschland das ultimative Olympia-Erlebnis zu bieten", so Eurosport-CEO Peter Hutton. "Dank unserer Führungsrolle in der Berichterstattung über olympische Sportarten und mit unserer Fähigkeit neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen, gepaart mit der umfassenden Präsenz und den zahlreichen Angeboten von Discovery im deutschen Markt, werden die Zuschauer noch tiefer ins Wettkampfgeschehen eintauchen und ihre Helden hautnah verfolgen können."

Konkret heißt das, Eurosport 1 wird berichten. DMAX wird mit "zusätzlicher Berichterstattung ergänzen". Der (kostenpflichtige) "Eurosport Player" bietet "uneingeschränkten Zugang" zu den Olympischen Spielen- jederzeit und auf jedem Gerät. Und der PayTV-Sender Eurosport 2 "wird das Angebot mit exklusiven Inhalten bereichern". Da wird viel mehr als nur Fernsehen ganz anders. Es ist das Ende einer Institution.

"Wir hätten die Olympischen Spiele gerne weiterhin mit all unserem über Jahrzehnte aufgebauten Knowhow und unserer Kompetenz live und umfassend übertragen", so ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut. "Der Preis, den der US-Konzern Discovery für eine Sublizensierung bis zuletzt gefordert hat, war aber deutlich zu hoch. In jedem Fall bleiben die olympischen Sportarten aber auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil in unserem Programm."

Ich weiß nicht. Viel mehr als durch einzelne Politiker oder Rundfunkbeitrags-Gegner wird das Modell "öffentlich-rechtlicher Rundfunk" durch die technische und gesellschaftliche Entwicklung untergraben. Gleichzeitig fehlt eine überzeugende Idee für die Zukunft. Das Traumschiff driftet ab in seichte Gewässer. Wird die Richtung nicht korrigiert, läuft es irgendwann auf Grund.

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