Wunsch und Realität - werden Sie Intendant, dann wächst das zusammen



Intendant müsste man sein. Also Intendant beim öffentlich rechtlichen Rundfunk, nicht bei diesen ewig prekären Theatern. Dann bekommt man alle Wünsche erfüllt. Sogar so mysteriöse Dinge wie die Cloud kann man sich als Intendant von echten Wissenschaftlern per Studie so zurechtbiegen erklären lassen, dass sie einer sorgenfreien Zukunft nicht im Wege stehen.

Oder eben als Intendantin. Wie zum Beispiel Karola Wille vom MDR. Dann bekommt man 275.000 Euro im Jahr und nach getaner Arbeit 17.000 Euro im Monat Pension. Das ist deutlich mehr als irgend so ein Bundeskanzler, der bloß Deutschland wiedervereinigt hat.

Da wollen wir mal nicht neidisch sein- immerhin muss Karola Wille beruflich sicher hin und wieder mindestens eine MDR-Schlagersendung mit Ross Antony bis zum Ende anschauen. Es gibt meines Wissens nach keine Studien über eventuell mögliche Spätfolgen. Sie geht da voll und ungeschützt ins Risiko. Und sie ist die erste Intendantin, die ihre Bezüge offen gelegt hat. Es gibt ein ganze Reihe schweigsamerer öffentlich-rechtlicher Intendanten in Deutschland.

Und überhaupt. ARD-Vorsitzende ist Karola Wille ja derzeit auch noch. Und Reformerin. "Der Spardruck bleibt bestehen", so hat sie nun im Rahmen dieser Nebentätigkeit verkündet und sie will sogar das Modell zur Festsetzung des Rundfunkbeitrages "modernisieren".

Toll. Dass "der Spardruck bestehen" bleibt, ist bei Pensionsverpflichtungen in Höhe von 1000 Rundfunkbeiträgen aus den Taschen von allein erziehenden Frauen, Rentnern oder Schichtarbeitern erst einmal völlig verständlich. Es geht darum, weiter so sorgsam mit den erwirtschafteten Geldern umzugehen.

Dabei hilft der vielbeschäftigten Intendantin eine Arbeitsgruppe der Bundesländer mit dem schönen Titel "Auftrag und Strukturoptimierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks". Sogar "Strukturen" sollen jetzt "optimiert" werden. Es geht voran. Es geht ums Ganze. Vielleicht bekommen wir sogar irgendwann UHD-Fernsehen wie in Italien.

Das wiederum geht natürlich nur "längerfristig". Und dafür braucht man "Planungssicherheit". Bei den Einnahmen. Also den Rundfunkbeiträgen. Bisher gibt es da ja bei jeder läppischen Erhöhung jedesmal wieder einen Riesenzirkus. Landauf, landab hört man da von zu teuer eingekauften Sportrechten, schlechten Filmen oder viel zu viel Fernsehprogrammen und Dudelwellen im Radio. Oder gar von zu hohen Pensionsansprüchen.

Ist doch alles nicht wahr. Das nervt. Und Intendanten bekommen alle Wünsche erfüllt. Vielleicht auch diesen: Der Rundfunkbeitrag solle einfach an einen Index wie den "BIP-Deflator" geknüpft werden, so Karola Wille. Der "BIP-Deflator", so lernen wir bei Wikipedia, ist "ein Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der als sogenannter impliziter Preisindex als Quotient aus nominalem (in jeweiligen Preisen) und realem (preisbereinigten) BIP errechnet wird".

Wir als einfache Zuschauer müssen das nicht verstehen. Es reicht, zu wissen: Alles wird teurer. Und der Rundfunkbeitrag eben auch. Schluss mit dem ewigen Genörgel. Intendanten bekommen alle Wünsche erfüllt. Und falls es immer noch Nörgler gibt: Ich erstelle gerne für ein läppisches Intendanten-Jahresgehalt eine hochwissenschaftliche Studie, die zweifelsfrei belegt, dass das alles unbedingt notwendig, zeitgemäß, richtig und gut für uns alle ist.

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