Warum eigentlich regulieren? Laut VPRT ertrinken die Medien in Geld.

Grafik: VPRT

What a Wonderful World... Ab morgen sind "Medientage" in München und der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hat seine jährliche Marktprognose als Diskussionsgrundlage pünktlich fertiggestellt. Über alle Marktsegmente der Branche hinweg (Radio und Audio sowie TV und Video) prognostiziert man für das Jahr 2016 ein Umsatzwachstum von 6,2 Prozent bzw. 650 Millionen Euro auf insgesamt 11,1 Milliarden Euro.

Ja, es sind Medien. Also eine sehr kreative Branche, auch bei der Entdeckung von Umsätzen oder dem Finden von Gründen für Rechnungen. Aber unterm Strich bleibt festzuhalten: It's a Wonderful World- auch wenn die ewigen Nörgler natürlich ewig was zum nörgeln finden werden. Denn schon im Vorjahr waren die Umsätze um 730 Millionen Euro (+ 7,5 Prozent) auf 10,4 Milliarden Euro angestiegen und hatten damit 2015 erstmals die 10 Milliarden Euro-Umsatzmarke durchbrochen. Das war sogar noch deutlich mehr als die in der letztjährigen VPRT-Marktprognose geschätzten 5,5 Prozent. Also: Der VPRT prognostiziert allgemein sogar vorsichtig.

"Die audiovisuellen Medien gehören mittlerweile zu den wichtigsten Wachstums- und Innovationstreibern der deutschen Volkswirtschaft und wir sehen auch für die kommenden Jahre außerordentlich gute Marktperspektiven im AV-Bereich", so n-tv Geschäftführer Hans Demmel, der Vorstandsvorsitzende des VPRT. Sogar die Bundeskanzlerin soll zu den Medienbossen nach München kommen, also gibt er dazu gleich seine Wünsche mit etwas Nachdruck bekannt: "Inwieweit die damit verbundenen Wertschöpfungspotenziale allerdings am Standort Deutschland realisiert werden können, hängt in erheblichem Maße von der Schaffung fairer Bedingungen für inländische Marktteilnehmer im internationalen Wettbewerbsumfeld ab."

Ach ja. Diese Googles, Facebooks, die netverflixten Amazons und so. Die treten mit unfairen Bedingungen gegen den Standort Deutschland an und verwüsten ihn derart, dass die Medien vielleicht nur in 6,2 Prozent mehr Geld statt wie im Vorjahr 7,5 Prozent mehr schwimmen. Da besteht dringender politischer Handlungsbedarf. Den sieht der VPRT besonders bei der Schaffung eines "konvergenten Regulierungsrahmens", in "gleichen Wettbewerbsbedingungen" gegenüber den "Global Giants", so z.B. bei der Werbung, in der "Sicherung" von Zugang und Auffindbarkeit der Angebote auf Plattformen sowie in "innovationsfreundlichen" Datenschutzregeln und einem "effektiven" Schutz der Inhalte.

Für die Fernsehwerbung erwartet der Verband 2016 ein Netto-Wachstum von ca. 2,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Damit bleibt das Fernsehen erneut die mit Abstand umsatzstärkste Gattung im deutschen Werbemarkt. Für den Bereich der in Streaming eingebundenen Online-Videowerbung (Instream-Videowerbung) prognostiziert der VPRT einen Anstieg um 24 Prozent auf rund 400 Millionen Euro. Insgesamt werden die Umsätze aus Bewegtbildwerbung (linear und non-linear) nach der VPRT-Prognose um 3,9 Prozent auf rund 4,9 Milliarden Euro steigen.

Die Paid-Content-Umsätze im Bereich der audiovisuellen Medien werden zum Jahresende 2016 voraussichtlich um 13,6 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro ansteigen. Pay-TV ist dabei das umsatzstärkste Segment mit einem Umsatzwachstum von ca. 6 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Paid Video wächst voraussichtlich um 25 Prozent auf rund 0,5 Milliarden Euro, Paid Audio um 32 Prozent auf rund 0,6 Milliarden Euro.

Auch für die nächsten Jahre 2017 bis 2021 sehen die befragten Experten weiterhin eine "Wonderful World" mit steigenden Investitionen trotz zunehmender Wettbewerbsintensität. Prognostiziert wird insbesondere der weitere Ausbau non-linearer Angebote, steigende Investitionen in interaktive Angebotsformen (z.B. Smart TV, Smart Radio), die Einführung neuer Angebotsformen (z.B. Virtual Reality, 360 Grad Videos) und die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung auf immer mehr Ebenen (z.B. Adressable TV, intelligente Benutzeroberflächen, Empfehlungssysteme, Metadaten, automatisierte Buchungssysteme und Programmatic Advertising Modelle).

"Dringender politischer Handlungsbedarf"? Geht's noch, liebe Medienmacher? Seid nicht zu gierig. Könnt ihr aus eurer Erfahrung der letzten Jahre heraus irgend etwas benennen, was wirklich besser wurde, wenn "die Politik" tatsächlich "handelte"? So, wie es derzeit läuft, würde ich nichts anfassen. Seid vorsichtig. Redet mit der Bundeskanzlerin am besten nur über das Wetter und geht, statt zu handeln, nach den "Medientagen" ins Hofbräuhaus Bier trinken- und singen. Und wenn ihr Probleme mit den "Global Giants" habt, dann nehmt ihre Vertreter doch einfach mit. Da kommt mehr bei raus als bei Politik. Ein guter Deal vielleicht. Und vielleich könnt ihr dann sogar gemeinsam singen:

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