Viva la Zombies! Sind wir nicht alle ein wenig "The Walking Dead"?

"Fear the Walking Dead" Foto: Amazon, @ 2016 Richard Foreman / AMC

Zombies, Zombies, Zombies- und es geht immer noch weiter. "Game of Thrones", ja, schön und gut- aber die wahre Serie unserer Zeit sind sicher "The Walking Dead". Es gibt sie in der "philosophischen Version". Da heißen sie "Fear the Walking Dead", bei uns zu sehen auf Amazon Prime. Aber das ist nicht das Original. Der Neuseeländer Cliff Curtis stolpert dort von Folge zu Folge eher hilflos von einer philosophischen Grundsatzdiskussion zur anderen und braucht zwei Staffeln Anlauf, nur um einmal richtig böse und wütend zu werden. Seine leicht polynesischen Augen gucken immerfort hilflos auf diese neue und zunehmend zerstörtere Welt- und das war es dann im wesentlichen auch schon. "Fear the Walking Dead" ist nicht "The Walking Dead". Auch wenn uns die Serie das immer mal wieder mit einer schön geschmacklosen Zombie-Splatter-Szene einzureden versucht.

Aber jetzt ist Oktober, und jetzt wird es wieder richtig ernst. Das Original kommt zurück. Wie schon vermutet, gibt es Staffel sechs von "The Walking Dead" ab sofort im Programm von Netflix wie auch von Amazon Prime. So beschrieben ist es vielleicht noch kein Spoiler: Die beginnt mit ganz vielen Zombies im Steinbruch und endet mit Negan, Lucille und einem viel diskutierten Kinderreim. Ene, mene, muh und raus bist du. Und wer nun raus ist, darüber diskutiert bis zur Premiere von Staffel 7 am 23. Oktober wahrscheinlich noch die halbe Welt.

Was ist der Grund für einen solchen Mega-Erfolg? Natürlich, "The Walking Dead" wird von den besten Profis mit mittlerweile sehr ordentlichen Budget und erstklassigen Drehbüchern produziert. Das ist jede Minute spannend. Manchmal Nerven zerreißend. Aber ist das noch Unterhaltung?

Denn da sind nicht nur Negan, Lucille und der Kinderreim. Eigentlich in jeder Staffel "The Walking Dead" gibt es so eine Szene, die unsere finstersten Alpträume der Gewalt beängstigend perfekt inszeniert und dabei bewusst bisher geltende unsichtbare Grenzen der Darstellung von Brutalität, Intensität und Gnadenlosigkeit überschreitet.

Ich halte eigentlich gar nichts von den vielen Moralisierern unserer Zeit. Sie wollen uns ihre Sicht der Dinge vorschreiben, was "gut" und was "böse", was "richtig" oder "falsch" ist, und ihr pausenloses Geschrei wird immer schriller. Aber vielleicht ist es auch ein Warnzeichen. Es hat sich etwas verändert. Negan, Lucille und der Kinderreim- wo die meisten von uns einst entsetzt abgeschaltet hätten, da schauen wir heute fasziniert und gefesselt zu.

Keine Ahnung, was das bedeutet. Keine Ahnung, wohin es führt. Aber nachdenklich stimmt es mich schon. Sind wir nicht alle ein wenig "The Walking Dead"?. Auch bei Staffel 7 schaue ich jedenfalls sicher wieder fasziniert und gefesselt zu.

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