"Virtual Social Media": Mark Zuckerberg auf der "Oculus Connect"

Mark Zuckerberg zeigt "Virtual Social Media" auf der "Oculus Connect". Screenshot: Facebook

Man sollte es gesehen haben. Die Virtual Reality-Macher von Oculus hatten gestern zu ihrer dritten Hausmesse geladen. Entwickler-Konferenz ist das vielleicht richtigere Wort und Silicon Valley-typisch abgekürzt heißt das dann OC3. Und natürlich gibt es immer eine Keynote vom Chef und der wirkliche Chef von Oculus ist ja jetzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Und sein Auftritt war wieder einmal richtig stark.

Die Techblogs und sonstige Nerd-Medien schreiben nun wie üblich rauf und runter, dass es jetzt einen "Motion Controller" für die Oculus Rift gibt, dass er "Oculus Touch" heißt und 199 Dollar zur ohnehin schon teuren Brille dazu kostet. Und dass man für die HTC Vive als Konkurrenzprodukt insgesamt ein paar Scheine weniger braucht.

Alles nicht wichtig. Wie schon im Vorjahr war Zuckerbergs Auftritt das wirkliche Event. Und von Haus aus sei er ja ein Ingenieur, so verriet uns der Herr der sozialen Medien. Deshalb wisse er: Es gebe nichts, was man nicht noch sehr, sehr viel besser machen könnte.

In der nächsten Phase der Entwicklung von Virtual Reality gehe es nun vor allem darum, tolle Software für das neue Erlebnis zu entwickeln. Und dabei gelte ein Grundsatz, der schon bei Facebook zum Erfolg geführt habe: "People first"- zuerst die Menschen. Nicht die tollen neuen Möglichkeiten für Computerspiele, nicht die gigantische Spielwiese, die sich mit Virtual oder Augmented Reality für alle Arten von Medien auftut. Sondern "People first".

Dazu hatte er natürlich gleich eine tolle Demo parat, in der er seine zukünftigen "Virtual Social Media"-Möglichkeiten demonstrierte. Und damit vielleicht ungewollt aufzeigte, warum Facebook so von Erfolg zu Erfolg eilt und viele "klassische Medien" langsam sterben.

Das fängt an bei dem klassischen Medium überhaupt: Den Zeitungen. Die "Ruhrbarone" haben zum Beispiel gestern einen sehr schönen Artikel zum Lokaljournalismus veröffentlicht. "Warum mich der Lokaljournalismus anekelt" schreibt dort Anna Mayr - und sie hat mit allem recht. Und zeigt gleichzeitig, warum sie und ihre journalistische Zunft ebenso völlig zu Recht keinerlei Zukunft haben. Sie denken nicht "People first". Sie denken "ich will". Dass meine Arbeit besser anerkannt wird. Dass ich das, was ich schon immer mache, in Zukunft zu besseren Bedingungen in alle Ewigkeiten so fortsetzen kann. In diesem Denken kommen die anderen "People" nicht vor. Sie sollen es nur gefälligst bitte lesen, wertschätzen und natürlich auch finanzieren.

Es ist das gleiche Problem wie beim neuen "Jugendkanal" von ARD und ZDF. Oder wie es richtig heißt: "Junges Angebot" mit dem schönen Namen "funk". Die neuen digitalen Möglichkeiten werden nur als neuer Transportweg für die alten Inhalte begriffen. "People first"- das würde dort zwar sofort jeder unterschreiben. Aber die Wahrheit ist: Auch dort entscheidet nur irgendein "ich", was die "People" da draußen angeblich wollen. Die wollen aber nicht mehr, dass andere das entscheiden. Sie wollen wirklich "first" sein. Und die neuen digitalen Möglichkeiten machen ihnen den Weg dafür frei. Deshalb wird "funk" wohl nicht von Erfolg zu Erfolg eilen. Sondern bei Facebook und Co. um Aufmerksamkeit betteln.

"Virtual Reality" soll also nun das nächste große digitale Ding sein. Und wieder verstehen Medien wie Fernsehen und Kino es nur als "Transportweg" für ein Produkt. Natürlich wird es das auch. "Arrival" kommt demnächst in die Kinos. Und es wird toll sein, bei solchen Film-Events zukünftig noch direkter und nicht nur im 3D-Kino wirklich "mittendrin" im Geschehen zu sein.

"Mind Blowing" würde Zuckerberg wohl sagen. Und vielleicht folgendes empfehlen: "People first". Warum nicht Dinge wie Axanar zulassen? Und bittet die Zuschauer doch virtuell auf die Brücke des Raumschiffs dazu. Dann werdet ihr irgendwann auch im Geld schwimmen. So wie Facebook. Ich zeige euch mal die "Oculus Rift".

Keine Gurus. Keine Tools. Und schon gar keine Regulierung oder neue Gesetze sind der Weg in eine digitale Zukunft. "People first", liebe Medienmacher, ist der Schlüssel zu allem. Das würde jedoch ein neues Denken erfordern. Wie jede andere Kontaktaufnahme mit völlig fremden Erscheinungen auch.

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