Nachtigall, Mais und Raps-Anbau: Tag des Lächelns im ZDF-Fernsehrat

Der ZDF Fernsehrat tagt Foto: ZDF / Ralph Orlowski

Gestern war "Der Tag des Lächelns". So habe ich es zumindest auf Twitter gelernt. Und gestern tagte auch der ZDF-Fernsehrat. Dieses symbolträchtige Zusammentreffen zweier gut zusammenpassender Ereignisse darf nicht ohne Beitrag von Netz-TV bleiben. Ich hoffe, er dient dem wichtigen Anliegen des "Tag des Lächelns".

Das ZDF hat jetzt mehr Frauen in Führungspositionen. Wie schön. Da lächele ich doch zum ersten Mal. Alle Zuschauer lieben "Deutschlands erfolgreichstes Nachrichtenmagazin", das "heute-journal". Keine Ahnung, warum. Die drei Mal im Jahr, wo ich da versehentlich zugucke, sind da ähnliche "Journalisten" wie in der "Pressekonferenz" zum "ZDF-Fernsehrat". Dort war die knallharteste Nachfrage die nach der Vertragsverlängerung für Jan Böhmermann. Der Netz-TV-Spoiler: Ja! Danach war dann in der wilden Meute irre investigativer Rechercheure endgültig wieder "Tag des Lächelns" angesagt.

Dabei gab es doch zwei wirklich brisante Themen. Das ZDF hat ein teures Gutachten zum Thema "Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Zeiten der Cloud" erstellen lassen. Das Ergebnis ist zu etwa 120 Prozent dass, wovon ich träumen würde, wäre ich denn ZDF-Intendant. Wie überraschend. Jetzt ist auch bei "Netz-TV" wieder "Tag des Lächelns" angesagt.

Okay, ich muss auch Rundfunkbeitrag zahlen. Das Lächeln gefriert zu einer Art verzerrtem Grinsen. Denn nach Meinung der "Gutachter" soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk "in Zeiten der Cloud" auch im Internet auf allen Kanälen senden, eigentlich alles dürfen und das alles sei für uns alle sehr wichtig. Bis dahin, dass die "Mediatheken" zu richtigen "Sendern" im Internet ausgebaut werden. Also quasi mit eigenem Programm. Und natürlich ohne dass wie beim Jugend-"funk" dafür im Gegenzug eigentlich überflüssige Kanäle zur Refinanzierung abgeschaltet werden.

Nun bin ich immer und stets begeistert von neuem und noch mehr tollem Programm. Lächeln an. Nun der Realitäts-Check: Sehr wahrscheinlich noch mehr Fernsehgärten, noch mehr nicht konkurrenzfähige Serien und noch mehr journalistische Minderleister vom Typ "heute-journal dann auch im Netz. Dazu die tollen Sportreporter. Und für mich eine ordentlich höhere Rundfunkbeitrags-Rechnung. Lächeln wieder aus, Grinsen an. Das Gutachten sei eine gute Grundlage für die "anstehenden Diskussionen". Okay. Bitte nicht diskutieren am "Tag des Lächelns". Wo ist Horst Seehofer, wenn man ihn braucht?

Da ist doch eher der ständige Tagesordnungspunkt "Programmbeschwerden" das Richtige im ZDF-Fernsehrat. Mein Favorit diesmal: Die Nachtigall, der Mais und der Raps-Anbau. Die Programmbeschwerde richtete sich gegen , na klar, das "heute-journal". Im beanstandeten Beitrag sei die zunehmend mangelnde Verbreitung der Nachtigall in Deutschland in einen Zusammenhang mit dem wachsenden Anbau von Energiepflanzen gestellt worden. Dabei sei ausschließlich der Rapsanbau thematisiert worden, obwohl dieser doch abnehme und statt dessen der Maisanbau wachse.

Ja, das ist eine typisch deutsche Diskussion. Obwohl der Intendant darauf hinwies, dass man sich bei dem Werk immerhin auf den fachlichen Verstand des "Dachverbandes Deutscher Avifaunisten" (DDA) gestützt habe und die Länge eines Beitrags manchmal nicht ausreiche, um alle Aspekte gebührend zu würdigen, hielt der Beschwerdeführer sein Anliegen aufrecht. Der Fernsehrat hat auch darüber entschieden. Das Ergebnis ist nicht bekannt. Aber hoffentlich waren keine teuren Gutachten nötig.

Jetzt ist wieder alles gut, nur die Nachtigall wurde nicht gefragt. Egal, werden sowieso immer weniger. Hauptsache, wir haben geklärt, ob nun der Raps oder der Mais daran schuld ist.

Natürlich ging es auch mehrfach wieder um die Ukraine. War aber nichts zum Lächeln dabei. Ein Zuschauer, vermutlich ein "Tesla"-Fan, kritisierte, dass in einem Beitrag über selbstfahrende Fahrzeuge die Marke "BMW" eine zu dominante Rolle gespielt habe. Ein anderer monierte, dass Vin Diesel und Paul Walker in "Fast & Furious Five" doch nicht die "richtigen Vorbilder" in "zeitlicher Nähe" zu "verschiedenen Anschlägen" in Deutschland seien. Gemeint waren die Attacken in Würzburg oder Ansbach. Der Intendant führte als Verteidigung Begriffe wie "Ironie", Überzeichnung" und "fiktionale Unterhaltung" ins Feld. Hat nicht geholfen. Auch darüber musste der Fernsehrat "abschließend" urteilen.

Und noch einer zum "Tag des Lächelns": "Gernot Hassknecht" warb höchstpersönlich für die "heute-Show" im ZDF-Programm mit dem Hinweis "Ich habe schon Rehe überfahren, da hattet ihr noch keine Haare am Sack". Das, so ein Zuschauer, untergrabe die "Wertigkeit" der deutschen Sprache. Und manchmal haben gerade solche Zuschauer sogar einen Erfolg. Zur Strafe wird er wohl jetzt mit solchen Sprüchen ins Abendprogramm verbannt.

Miguel Robitzky von "DWDL" will jetzt Mitglied im ZDF-Fernsehrat werden. Schließlich habe er eine "coole Frisur". Er könne auch nahezu fehlerfrei Plätzchen essen und dabei so tun, als würde er zuhören. Ich würde die Bewerbung befürworten. Das passt. Ich kann leider nicht- ich will ja zur EU wegen Netflix. Und wegen der Plätzchen.

Ach ja, die Plätzchen. Der zu mir passende Beitrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zum "Tag des Lächelns" war eher der:

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