Jetzt soll Disney Netflix kaufen - Superhelden gegen Börsianer gesucht

Warner Miller in "Marvel's Luke Cage" Foto: Netflix / Myles Aronowitz

Er hat gewaltige Kräfte und eine Haut, an der alles abperlt. Egal, wie heftig die zahlreichen Gegner feuern- er kann es verkraften. Luke Cage heißt seit September der neueste Marvel-Superheld im Programm bei Netflix und Superhelden werden in der Netflix-Chefetage derzeit dringend gebraucht. Nicht nur für die "Quote".

Und vielleicht hat Netflix sie ja auch längst im Haus- schauen wir doch einmal genauer hin. Ist Netflix-Chef Reed Hastings nicht in Wahrheit Phil Coulson, der Chef der "Agents of S.H.I.E.L.D."? Ein Superhirn mit einem Schuss Alien-Genen, welches im Hintergrund alle Fäden in der Hand zusammenhält? Der dann Content-Chef Ted Sarandos als eine Art Mischung aus Hulk und Thor mit dem Hammer in die Schlacht um die Inhalte und die Meinungsführerschaft im ewigen Reigen der "Experten"-Panels dieser Medienwelt schickt?

Netflix wird die Helden in den nächsten Monaten dringend brauchen. Denn da draußen sind unheimliche Gegner mit gewaltigen Kräften am Werk.

Zuerst sollte Apple Netflix kaufen. Daraus wurde wohl nichts. Jetzt werden jede Menge Gerüchte über einen Kauf von Netflix durch Disney gestreut. Wer steckt dahinter? Und was ist der Plan? Wir wissen es nicht. Die Serien-Staffel ist noch nicht fertig. Aber man kann sich so seine Gedanken machen...

Es gibt viele Gerüchte an der Börse. In zwei Wochen legt Netflix neue Quartalszahlen vor. Die Spannung ist groß. War die leichte Wachstumsschwäche bei den Abonnenten im Sommer ein einmaliges Ereignis? Oder der Anfang vom Ende? Denn nur, wenn Netflix weiterhin global wächst, sind die gewaltigen Pläne für tolle neue Programme überhaupt finanzierbar. Ohne diese aber wäre der wichtigste Faktor für das Abonnenten-Wachstum weg.

Eines ist auf jeden Fall schon recht sicher: Netflix-Aktien werden in zwei Wochen im Kurs steigen oder fallen. Und das allein lässt im Casino-Tollhaus Aktienbörse ja schon allerlei Interesse bei den verschiedenen Wettschein-Besitzern auf eine bestimmte Richtung vermuten.

Aber da ist noch mehr. Netflix hat sich weltweit nicht nur viele Fans, sondern auch viele Feinde gemacht. Da sind die großen TV-Bosse, die um ihr Milliardengeschäft fürchten und das ständig steigende Produktionsbudget von Netflix zunehmend ängstlich betrachten. Da sind alteingesessene Strukturen von Produzenten und Agenten in Hollywood, die einfach Angst haben, dass sich irgend etwas ändert. Da sind die "Mad Man" aus dem Milliarden-Geschäft mit der Werbung, für die das klassische Fernsehen die Existenzgrundlage ist. Und sicher noch einige mehr. Denn wenn Thor mit dem Hammer mal richtig draufhaut, dann gibt es sicher auch Kollateralschäden.

Natürlich gilt das goldene Branchengesetz der politischen Korrektheit. So gut wie keiner wird als "Wutbürger" über Netflix öffentlich schimpfen. Aber das gewaltige Interesse an jeder noch so kleinen Nachricht, dass bei Netflix irgendwas nicht so funktioniert hat, ist schon bemerkenswert. Und die ständige Begeisterung über immer neue mögliche Übernahmepläne für Netflix eben auch.

Ja, es ist möglich, dass Disney Übernahmepläne für Netflix schmiedet. Schließlich ist es ein bewährtes und nicht selten angewendetes Mittel im Wirtschaftsleben, nervige Konkurrenten durch Aufkauf einfach auszuschalten.

Wirtschaftlich sinnvoll, wie an einem so großen Geschäft interessierte "Analysten" natürlich sofort mit "Studien" und "Analysen" "belegen", wäre ein solcher Deal dagegen nicht. Auch für einen Giganten wie Disney ist eine Netflix-Übernahme mittlerweile sehr teuer. Da müsste Onkel Dagobert schon ernsthaft an den Geldpeicher ran. Für Apple hätte Netflix zumindest eine Belebung des Geschäfts mit den Inhalten gebracht. Netflix unter dem Dach von Disney hieße dagegen, dass "Thor" Sarandos in Zukunft Disneys Controller fragen müsste, bevor er den Inhalte-Hammer einsetzt. Genau so schnell, wie Netflix entstand, wäre es dann mit großer Wahrscheinlichkeit bald wieder weg und Disney müsste wohl viele Milliarden abschreiben. Unter dem Dach eines der "Alten" könnte das "Neue" unmöglich weiter wachsen wie bisher.

Wir Zuschauer, die die tollen Programme von Netflix lieben, sollten dagegen für gute Quartalszahlen beten. Dann steigen die Aktien. Dadurch wird eine Übernahme noch teurer und unattraktiver. Bis es irgendwann gar nicht mehr geht. Erst dann haben Phil Coulson und Thor das unbekannte Böse besiegt. Andernfalls erwarten uns Zuschauer wohl mehr als nur "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" im Netflix-Programm.

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