Im Tal von Elah- warum Hollywood vs. China ein wichtiges Thema ist



Im Tal von Elah (oder Ela) soll David einst den Goliath besiegt haben. So wie es in der Bibel steht. Größe, so soll uns wohl diese Geschichte lehren, Größe allein ist nicht alles. China ist groß. Sehr groß. Deng Xiaoping hat dort einst die Kommunistische Partei um eine wegweisende Erkenntnis bereichert: "Es ist egal ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Hauptsache, sie frisst Mäuse."

Die Folgen dieser Erkenntnis für die Welt waren nahezu biblisch. Millionen billiger chinesischer Arbeitskräfte meldeten sich zum Dienst in der globalisierten Marktwirtschaft. Ein konsumierender Mittelstand entstand. Der ist noch nicht ebenso wohlhabend, aber zahlenmäßig ist er so groß wie in den USA- plus Europa. Größe allein ist nicht alles. Aber in der Welt der Märkte verleiht sie Gewicht.

Sind die grundlegenden Bedürfnisse erst einmal gedeckt, dann verspürt der Konsument den Wunsch nach Unterhaltung. Vor fast zwei Jahren wurde China zur führenden Kino-Nation. Das Interesse von Hollywood am Land der Mitte wurde geweckt. Mit Kino, Fernsehen und Film kann man sehr viel Geld verdienen. Es transportiert Weltanschauungen zu den Konsumenten. Die Katze frisst Mäuse. Auch das Interesse der Kommunistischen Partei Chinas war geweckt.

Die chinesischen Konsumenten wollen Filme auf Hollywood-Niveau. Die chinesische KP will Filme ohne "falsche" Weltanschauungen und das Geld soll in chinesischer Hand bleiben. Denn der neue chinesische Sozialismus ist auch ein wenig, na ja, national. So wurden zwischen Hollywood und dem schönen Markt in China Mauern und Grenzen gesetzt. Statt Filmen und Programmen kauft China in Hollywood nun Firmen und Know How in gewaltigem Ausmaß. Und damit auch Macht.

Da ist Wanda. Da ist LeEco. Erst vorige Woche hat der E-Commerce-Riese Alibaba einen Amblin-Anteil bei Steven Spielberg gekauft. Verschwörungstheorien vom Typ Springer-Verlag sind Unsinn. Aber wie einst bei David gegen Goliath deutet alles auf einen kommenden biblischen Krieg um die Macht. Nur wer hier David ist und wer Goliath, ist wohl noch nicht geklärt.

Aber es geht eben nicht nur um Geld. "Im Tal von Elah" ist auch ein großartiger Film. 3Sat hat ihn erst letzte Woche nochmal gebracht. Obwohl ich ihn längst kenne, bin ich wieder dabei "hängen geblieben". Tommy Lee Jones und Susan Sarandon spielen ebenso hinreißend wie herzzerreißend ein altes Ehepaar, denen der Krieg im Irak auch noch den letzten Sohn nimmt. Völlig sinnlos und obwohl er bereits wieder sicher "zu Hause" ist. Am Ende hisst der stockkonservative alte Patriot die US-Flagge in der Stadt verkehrt herum. Als Zeichen für den Zustand des Landes insgesamt.

"Im Tal von Elah" ist so ein Film, den man in den USA drehen kann und in China nicht. Statt dessen hat dort letztes Wochenende "Operation Mekong" an den Kinokassen gewonnen. Der Action-Heuler ist auch ein ziemlich plattes Propaganda-Movie über die grandiose chinesische Volksarmee und ihre Rolle im Drogenkrieg rund ums goldene Dreieck. In Thailand hat die Militär-Junta den Film deshalb sogar verboten. Chauvinismus und Rassismus gegen alles Ausländische sind ein ziemlich übel riechender Mainstream im aktuellen chinesischen Film. "Armour of God - Chinese Zodiac" vom eigentlich sympathischen Jackie Chan habe ich neulich gesehen. Der Grundton ist widerlich.

Nun gibt es derartige Werke auch aus den USA. Aber eben auch "Im Tal von Elah". Die chinesische Flagge verkehrt herum aufhängen? Das ginge gar nicht. Die Amerikaner haben die Geschichte von Deng Xiaoping mit der Katze begriffen. Erst wenn die Chinesen merken, dass sie auch für Filme zutrifft- erst dann sind sie eine wirkliche Konkurrenz.

Trotzdem ist es ein wichtiges Thema. Wir Zuschauer sollten darauf achten, von wem und was wir anschauen, abonnieren oder streamen.

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