Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Oktober.

Netflix lädt zum Midnight Diner mit "Tokyo Stories" Foto: Netflix

Wie beginnt eine gute Geschichte? Etwa so: In einer kleinen Hinterhof-Gasse eines lebendigen asiatischen Großstadt-Viertels gibt es ein kleines Lokal namens Meshiya, aber alle nennen es "Midnight Diner". Denn das winzige, vom Meister selbst betriebene Geschäft öffnet nur von Mitternacht bis sieben Uhr morgens. Das kleine Menü besteht nur aus Miso Suppe, Bier, Sake und Shochu (japanischer Schnaps). Das Geschäftsprinzip des Meisters ist es aber, zu machen, was immer seine Kunden verlangen. Jeden Abend findet sich eine bunte Auswahl von Kunden zum Mitternachts-Diner, wo zwischen dem Meister, seinem Essen und den gestrandeten Kunden eine Art Bühne für humorvolle und manchmal auch wehmütige Geschichten entsteht, die dann sowohl den Bauch als auch die Seele füttern.

"Midnight Diner", oder wie es in Korea heißt "Late Night Restaurant", basiert ursprünglich auf einem Manga-Comic und gilt als eine bei uns noch völlig unbekannte Serien-Sensation aus Asien. Netflix ist ja jetzt global, produziert in Asien und bringt jetzt "Tokyo Stories" aus dem "Mignight Diner" als japanische Produktion auch zu uns. Das muss dann nicht jedem gefallen. Aber genau so etwas ist die neue Stärke von Netflix. Denn es ist "etwas Anderes". Und "etwas Anderes" ist doch das, wonach die Zuschauer suchen und warum sie immer mehr Streaming-Abonnements buchen.

Genau so etwas aber ist es nicht: Maxdome zum Beispiel verspricht uns "Der Oktober wird alles andere als langweilig. Pünktlich zur tristen Jahreszeit liefern wir euch eine buntgemischte Auswahl ins Paket." Um dann fortzufahren: "Mit dabei ist auch der Slapstik-Klassiker schlechthin: Die komplette Reihe 'Die nackte Kanone' schießt die Stimmung im wahrsten Sinne wieder nach oben." Bei mir nicht. Darüber hab ich vor zwanzig Jahren zuletzt gelacht. Dann zwischendurch gefühlt noch dreitausend Mal nur gequält gegrinst. Dafür gibt es von mir kein Geld. Auch nicht für "Grey's Anatomy".

Wir sehen es schon: Es wird kein goldener Streaming-Oktober bei dem Programm. Es sei den, man hat Netflix. Denn auch Amazon Prime bietet ein eher herbstlich welkes Programm. Okay, da ist gerade erst Staffel zwei der Serien-Sensation "Mr. Robot" angelaufen. Gut die Hälfte habe ich durch. Rami Malek ist großartiger denn je. Aber die Story ist eher zähe als leichte und frische Kost.

Elf Staffeln "Grey's Anatomy" hat Amazon bei Prime jetzt auch. Dazu eine neue "Amazon Original"-Serie mit "One Mississippi". Die ist aber eher so "Transparent" als "Bosch". Also nichts für mich. Sogar echt deutsches "Unterschichten-TV" wird es geben mit den "Blockbustaz" von ZDFneo. Und "Supernatural", die sind schon bei Staffel zehn. "Game of Silence" ist eine noch relativ neue US-Serie, die auf einem türkischen Original basiert. Es geht um Rache. Was es nicht alles gibt. Mir ist bei dem Serien-Programm eher nach Kettensäge und "Ash vs. Evil Dead". Amazon weiß, was Kunden wollen und liefert die zweite Staffel kurz nach der ersten an seine Prime-Kunden aus.

Auch Amazons Filme sind so lala. "Spotlight" ist sicher ein Highlight, neu und Oscar-Sieger 2016. Es geht um Journalisten, Zeitungen- und wie toll die früher mal waren. "Blackhat" hat Chris Hemsworth und eine gute Story-Idee mit einem Schuss "Mr. Robot", zündet aber nicht wirklich. Genauso wie "Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel". Sogar "Tanz der Teufel 2" steigt bei Amazon aus der Gruft. Na ja- ist bald Halloween. Und "Sucker Punch" ist Fantasy von Zack Snyder, aber eher nur für Mädchen mit Aggressions-Stau.

Dann gibt es bei Amazon noch Michael Fassbender als "Macbeth". Nein, nicht im Theater, sondern als Film. Und spätestens dann, wenn "Fifty Shades of Grey" irgendwo auftaucht, dann ist mir schon wieder nach Kettensäge und "Ash vs. Evil Dead".

Unterm Strich bleibt also nur eine klare Empfehlung für den Oktober- Netflix. Zwischen "Luke Cage" von Ende September und "The Crown" von Anfang November liegt da noch jede Menge anderes und spannendes Programm. "Black Mirror" finde ich neben den "Tokyo Storys" auch interessant. Netflix hat der ursprünglich britischen Serie von Channel 4 eine dritte Staffel verpasst. Was dabei heraus kommt, ist unbekannt. Fünf Jahre nach der Premiere fragen sich die Kritiker noch immer, ob "Black Mirror" nun Science Ficton, Comedy, Horror, Drama, genial oder völliger Quatsch ist. Muss ein sehr britisches Werk sein.

Auf "The Ranch" kann bei Netflix im Oktober weiter gelacht werden- wer's mag. Neu gelacht werden kann bei "Haters Back Off" mit Colleen Ballinger alias "Miranda Sings". Eine YouTube-Abrufmilliardärin bekommt damit ihre eigene Netflix-Show. Daran werden wir uns gewöhnen müssen. Das Lachen geht noch weiter mit "Chewing Gum". Es geht um Tracey Gordon, die schon 24 ist, noch Jungfrau, sehr religiös und dazu noch eine Beyoncé-Macke hat.

Staffel drei von "The Fall" mit Gillian Anderson bringt nicht das ZDF, sondern Netflix zuerst von der BBC zu uns. Und dazu immer mehr selbst produzierte kinotaugliche Spielfilme. In "Jadotville" ist Krieg im Kongo. "Mascots" ist eine Parodie vom genau für so etwas bekannten Christopher Guest. "I Am the Pretty Thing That Lives in the House" ist ein Horror-Thriller. Und "7 Años" ist der erste Netflix-Spielfilm auf Spanisch- also das Synchronisieren bitte nicht vergessen.

Neben den üblichen Einkäufen von gut abgelagerten Klassikern gibt es bei Netflix im Oktober auch einen echten Blockbuster: Christopher Nolans "Interstellar". Zumindest einmal sollte man die abgefahrene Reise zwischen Galaxien und Dimensionen gesehen haben.

Was fehlt? Ach ja, Zombies. "The Walking Dead" stolpern gerade im "richtig teuren" klassischen Pay-TV in Staffel sieben und die Rechte für Staffel sechs werden damit wohl für Streamer frei. Netflix hat natürlich sofort zugegriffen. Von Amazon und Maxdome hört man noch nichts. Aber Zombies, so finde ich, sind ohnehin überbewertet. Egal ob mit oder ohne "Fear". Ich jedenfalls bin bei "Fear the Walking Dead" neulich sogar eingeschlafen.

Statt dessen doch lieber "Justin Timberlake + The Tennessee Kids". Das ist eigentlich eine Kino-taugliche Spielfilm-Produktion. Kein geringerer als Regisseur Jonathan Demme hat das Mega-Konzert in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas in epischen Bildern und natürlich Tönen für Netflix und die Nachwelt festgehalten. Und da muss man jetzt nicht synchronisieren.

Beim Netflix-Programm Oktober jedenfalls ist mir weniger nach Kettensägen, sondern eher so nach Dance, Dance, Dance...

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